Nach Mordfall Lübcke: Rechtsextremismusexperte alarmiert: „Die nächsten Monate werden besonders gefährlich“

Nach dem Mord an Walter Lübcke sieht ein Experte Terrorgefahr. (Symbolbild)
Nach dem Mord an Walter Lübcke sieht ein Experte Terrorgefahr. (Symbolbild)
Foto: imago images / Hartenfelser

Der Terrorexperte Gideon Botsch sieht eine gefährliche Entwicklungen in der rechtsextremen Szene in Deutschland. Deswegen warnt der Wissenschaftler der Uni Potsdam nach dem Mord an Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) vor einer erhöhten Terrorgefahr in Deutschland.

„Die nächsten 12 bis 18 Monate werden besonders gefährlich“, sagte Gideon Botsch, Experte für Rechtsextremismus von der Universität Potsdam, dem Tagesspiegel.

Nach Mordfall Walter Lübcke: „terroristische Akte werden zunehmen“

Der Risikofaktor sei laut dem Experten eine frustrierte rechte Szene, die in der letzten Zeit weniger Aufmerksamkeit durch die Medien erhielt. Es sei daher „wahrscheinlich, dass mit dem Abflauen der Aufmerksamkeit für solche Gruppen die terroristischen Akte zunehmen werden“, sagte Botsch.

Den politischen Umsturz, den diese Gruppen bis Mitte 2018 propagiert hätten, habe nicht funktioniert. Aus Frust darüber könnten sich einige Gruppierungen weiter radikalisieren, so Botsch.

Botsch macht AfD für Feindbilder mitverantwortlich

„Die Feindbilder sind markiert“, sagte Botsch, der auch die AfD in diesem Kontext verantwortlich macht. „Da hat die AfD deutlich mitmarkiert, da hat Pegida mitmarkiert. All diese Kräfte, die sich offiziell von Gewalt distanzieren, haben sehr deutlich zur Hetze beigetragen.“

Die AfD sieht in der Tat nicht den Beginn einer rechtsterroristischen Welle. Die AfD stritt außerdem den Vorwurf anderer Parteien ab, sie hätte mit Verbalradikalismus den Nährboden für solche Taten bereitet.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Generalbundesanwalt sieht rechtsextremistischen Hintergrund im Mordfall Lübcke

Fall Lübcke (CDU): Ermittler gehen von rechtsextremistischem Hintergrund aus

Generalbundesanwalt ermittelt im Fall Lübcke

Walter Lübcke erschossen: Mysteriöser Polizei-Einsatz auf Fähre in Nordsee – drei Festnahmen

-------------------------------------

Rechte Szene habe genügend Gewaltpotential

Das Demokratiezentrum der Uni Marburg bestätigt die Einschätzung Botschs. Auch die rechtsextreme Szene in Hessen besitze genug Gewaltpotential für eine Tat wie den Mord an Lübcke.

„Wenn man die Chronik der Gewaltandrohungen in den letzten Jahren durchgeht, ist das nicht fernliegend“, sagte der Leiter Reiner Becker auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. So habe es Drohungen gegen Bürgermeister in der Flüchtlingskrise gegeben und gegen die NSU-Opfer-Anwältin Seda Basay-Yildiz. Und im Fall Lübcke habe „möglicherweise jemand solche Drohungen leider wahrgemacht.“

Mord an Lübcke mit rechtsextremer Motivation

Am Montag hatte die Bundesanwaltschaft den Mord an Lübcke als politisches Attentat eingestuft. Sie geht derzeit von davon aus, dass die Tat rechtsextrem motiviert war. Derzeit ermittelt sie gegen den 45-jährigen Stephan E. DER WESTEN berichtete. (mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN