Motorboote bis 15 PS vielleicht bald führerscheinfrei

Motorboot fahren ohne Führerschein - das soll bald auch für Boote mit 15 PS möglich sein, so die Pläne der Berliner Koalition.
Motorboot fahren ohne Führerschein - das soll bald auch für Boote mit 15 PS möglich sein, so die Pläne der Berliner Koalition.
Foto: dapd
Bislang dürfen nur Boote bis fünf PS ohne Führerschein geführt werden. Die Berliner Koalition hofft durch die Änderung, dass der Wassertourismus belebt wird. Die Gegner der Pläne befürchten Beeinträchtigungen für die Umwelt und schwächere Verkehrsteilnehmer wie Kanufahrer oder Ruderer.

Berlin. Bisher dürfen Freizeitkapitäne auf Flüssen und Seen Sportboote nur bis fünf PS ohne Führerschein fahren. Die Pläne der Berliner Koalition, diese Grenze auf 15 PS hochzusetzen, stießen bei Sport- und Naturschutzverbände sowie der Wasserschutzpolizei am Mittwoch auf Widerstand. Für den Regierungsantrag plädierten dagegen in einer Anhörung des Bundestags die Wassersportwirtschaft und der ADAC.

Union und FDP versprechen sich von ihrer Initiative eine Belebung des Wassertourismus. Die Gegner befürchten drohende Gefährdungen des übrigen Verkehrs und der Umwelt. Einen Kompromissvorschlag unterbreitete die Brandenburger Wasserschutzpolizei, die sich für eine vorsichtige Anhebung auf zehn PS aussprach. Zusätzlich sollten ein Mindestalter von 18 Jahren und drei Jahre Probezeit eingeführt werden.

Charterboote auch auf der Ostsee vorgesehen

Der Antrag der Koalitionsfraktionen sieht darüber hinaus eine Ausweitung der Gebiete vor, in denen mit einer Fahrerlaubnis auf Zeit nach einer Einweisung in die Regeln Charterboote bewegt werden dürfen. Die Regelung gibt es bereits in Brandenburg, der Regierungsentwurf will sie auch auf einige küstennahe Zonen der Ostsee ausdehnen.

Uneinigkeit bei den Fachleuten herrschte bereits über die Faktenlage. Während die Gegner ins Feld führten, mit einem 15-PS-Motor könnten Schlauchboote Geschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometer erreichen und damit den Schiffsverkehr erheblich gefährden, nannten die Befürworter ein Höchsttempo von 20.

Schwächere Verkehrsteilnehmer werden gefährdet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz führte ins Feld, dass Biotope in Uferregionen und die Wasserqualität durch höhere Motorisierung vieler Wasserfahrzeuge Schaden nehmen könnten und die deutschen Schifffahrtswege aus Naturschützersicht ohnehin schon "übernutzt" seien. Genau das Gegenteil erklärte der Bundesverband Wassersportwirtschaft: Der durchschnittliche Sportbooteigner sei 56 Jahre alt, und der demografische Faktor trage zum ohnehin anhaltenden Schwund des Wassertourismus bei.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der deutsche Seglerverband machten geltend, dass die schwächeren Verkehrsteilnehmer auf Flüssen und Seen wie Paddler und Ruderer in ihrer Freiheit beeinträchtigt und gefährdet würden; der Deutsche Segler-Verband (DSV) vermutete wirtschaftliche Interessen der Tourismus-Industrie hinter dem Koalitionsantrag. Das konterte der FDP-Abgeordnete Torsten Staffeldt mit dem Hinweis, dass neben anderen Mitglieder des DSV für die Führerschein-Ausbildung zuständig sei und er daher mit seiner Ablehnung des Koalitionsvorhabens möglicherweise ebenfalls wirtschaftliche Interessen verfolge. (dapd)

 
 

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