"Mordshunger" im ZDF wird länger, aber nicht besser

Britta (Anna Schudt, l.) begleitet Max (Aurel Manthei) beim Verfolgen einer heißen Spur.
Britta (Anna Schudt, l.) begleitet Max (Aurel Manthei) beim Verfolgen einer heißen Spur.
Foto: ZDF/Willi Weber
Das ZDF wertet die Krimireihe „Mordshunger“ auf und verlängert sie um 30 Minuten. Doch für einen richtigen Film reicht die Idee nicht.

Mainz.. Große Sorge in Klein-Beken: Da rattert ein verkaterter Bauer bei der Maisernte über einen Motorroller. Doch von der Fahrerin, der 17-jährigen Lara, fehlt jede Spur. Das ganze Dorf beteiligt sich an der Suche, denn jeder hier weiß: Wenn dem Mädchen etwas passiert sein sollte, dann war das einer von ihnen. Doch dann schickt Lara eine SMS. Es gehe ihr gut, kein Grund zur Sorge. Alle atmen auf, nur Britta Janssen bleibt skeptisch. Wie immer.

Mülleimer wird in Brand gesetzt

Viermal ist Anna Schudt als Dorfwirtin und Betreiberin eines Catering-Dienstes im Bergischen Land im vergangenen Jahr auf Verbrecherjagd gegangen und die Quoten waren so ordentlich, dass das ZDF die Reihe „Mordshunger“ nun zum Fernsehfilm der Woche befördert und deshalb gleich um 30 Minuten verlängert hat.

An der Grundkonstellation hat sich in „Wilder Westen“, so der Titel der Folge, allerdings nichts verändert. Miss Marple in Gummistiefeln ist immer da, wenn irgendwo das Böse zuschlägt. Auch wenn sie keiner gerufen hat. Nicht der Dorfpolizist Max (Aurel Manthei), der ihr Bruder ist und mit dem sie seit dem frühen Tod der Eltern eine ganz enge Beziehung hat, und erst recht nicht Kommissar Wallat (Michael Roll) von der Kripo in Gummersbach.

Aber auch die finden schnell mehr als nur einen Verdächtigen. Da ist etwa Ben (Stephan Luca), der Besitzer des undurchsichtigen Amüsierlokals „Wilder Westen“, bei dem die Verschwundene trotz ihrer Minderjährigkeit an der Stange getanzt hat und der ein Techtelmechtel mit Britta beginnt. In der Küche haben sie Sex, aber der ist ungefähr so schmutzig wie ein frisch gewaschenes Handtuch. Immerhin aber glaubt Britta zu wissen, was sie zuvor schon geahnt hat: Der Ben war es nicht.

Bleibt der Landwirt Bierbauer (Sebastian Bezzel), der gern an Frauenfüßen lutscht. Worüber sie im Dorf erst kurz lachen, um es anschließend „pervers“ zu finden. Was sie ihm auch zeigen, indem sie, nein, nicht sein Haus oder seine Scheune, sondern seinen Mülleimer in Brand setzen. Da bekommt man natürlich Angst.

Überraschendes Ende nach langer Handlung

Am Ende, das ahnt man bald, ist alles anders, doch bis man das erfährt, braucht man Geduld. Denn dem Film fehlt es an Tempo, Witz und Spannung. Die Handlung wirkt oft konstruiert, die Atmosphäre strahlt eine unangenehme Piefigkeit aus. Vor allem ist er viel zu lang. Da hilft auch das gut auflegte Ensemble nicht wirklich weiter.

Fazit: Experiment missglückt. Was in 60 Minuten ganz ordentlich funktioniert hat, wird als 90-Minuten-Film dann doch zum Langweiler.

ZDF, Montag, 20.15 Uhr

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