Mordfall wie bei 007 - Ex-KGB-Spion mit Polonium vergiftet

Der damalige Geheimdienst-Oberst Alexander Litwinenko und ein maskierter Kollege bei einer Pressekonferenz im Jahre 1998.
Der damalige Geheimdienst-Oberst Alexander Litwinenko und ein maskierter Kollege bei einer Pressekonferenz im Jahre 1998.
Foto:  Sergei Kaptilkin/Archiv
Ein Todesfall wie im Agentenkrimi: Ex-Agent Litwinenko wurde in London mit Polonium umgebracht. Ein britischer Richter vermutet Drahtzieher im Kreml.

London.. Der Vorwurf ist ungeheuerlich: Der russische Staat soll Alexander Litwinenko, einen seiner Kritiker, auf britischem Boden mit einer radioaktiven Substanz umgebracht haben. Ob es wahr ist, darüber wird seit Dienstag vor einem britischen Gericht unter Vorsitz von Richter Sir Robert Owen verhandelt.

Der Russe war im Herbst 2006 vergiftet worden und starb wenige Woche später einen qualvollen Tod. Seine Ermordung, so hörte das Gericht, sei „ein Akt von staatlich unterstütztem nuklearen Terrorismus gewesen“. Die Fragen, die sein Tod aufwerfe, stimmte Richter Owen zu, „sind von höchstem Ernst“.

Anschuldigungen gegen Geheimdienst

Vor acht Jahren geriet der Fall Litwinenko erstmals in die Schlagzeilen. Litwinenko, ein ehemaliger Oberstleutnant des russischen Geheimdienstes FSB, flüchtete im Jahr 2000 nach Großbritannien und bekam politisches Asyl. Litwinenko hatte in der Folge in mehreren Büchern schwere Anschuldigungen gegen den FSB erhoben - unter anderem, dass der russische Geheimdienst unliebsame Dissidenten per Auftragsmord aus dem Wege zu schaffen versuche.

Genau dieses Schicksal erwartete ihn selbst. Er wurde im November 2006 durch die Verabreichung von Polonium 210 vergiftet – die radioaktive Substanz zerfraß seine inneren Organe und führte zu einem langsamen, qualvollen und sehr öffentlichen Tod. In seinem Abschiedsbrief vom Sterbebett hatte der Ex-Spion den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin für den Mord verantwortlich gemacht: „Sie mögen einen Mann zum Schweigen gebracht haben, aber der Aufschrei des Protests in der ganzen Welt, Herr Putin, wird in Ihren Ohren für den Rest Ihres Lebens nachklingen.“

Kollege als Hauptverdächtiger

Als Hauptverdächtiger gilt Andrei Lugowoj, der einst ein Kollege Litwinenkos war, als beide noch für den russischen Geheimdienst arbeiteten. Lugowoj brachte es nach seinem Ausscheiden vom Geheimdienst als Inhaber einer Sicherheitsfirma zum mehrfachen Millionär und sitzt mittlerweile als Abgeordneter in der Duma.

Er hat stets entschieden bestritten, etwas mit Litwinenkos Vergiftung zu tun zu haben. Dabei sind die ihn belastenden Indizien zahlreich, wenn nicht überwältigend. Litwinenko wurde am 1. November 2006 vergiftet, er traf sich an diesem Tag mit Lugowoj im Londoner „Millennium Hotel“. Lugowoj war tags zuvor von Moskau nach London eingeflogen. An Bord des Flugzeuges, das er benutzte, wurden Polonium-Spuren gefunden.

Polonium-Spuren an Sitzplätzen

Zusammen mit russischen Freunden sah er sich am Abend des 1. November ein Fußballspiel zwischen ZSKA Moskau und FC Arsenal an – auf ihren Sitzplätzen im Stadion entdeckte man die radioaktive Substanz. Auch ein Zimmer im „Parkes Hotel“, in dem sich Lugowoj bei einem früheren London-Besuch am 16. Oktober aufhielt, testete positiv für Polonium.

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