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„Mord mit Aussicht“ ist nicht nur für Bjarne Mädel eine Rolle mit „Fleisch“

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Foto: imago/Horst Galuschka
„Mord mit Aussicht“ ist mittlerweile Kult. Die ARD dreht 13 neue Folgen – und die Schauspieler zeigen sich am Set entspannt: Caroline Peters kam im quietschegelben Mantel, Bjarne Mädel trug wieder kräftig Bauch. Ein Besuch bei den Dreharbeiten in der Eifel.

Hengasch. 

Warm scheint die Sonne. Vögel zwitschern, im Kirchturm läuten die Glocken. Das Wort Idylle liegt einem auf der Zunge. Doch bevor man es aussprechen kann, sieht man den Streifenwagen. Und zwei Beamte in Uniform. Dann schaut man auf die Tafel, auf der der „Gasthof Aubach“ seine Spezialität ankündigt. „Hengascher Wurstplatte nur 13,80 Euro“, steht da. Hengasch also, da wo das Böse hinter jeder Ecke lauert. Zumindest aber hinter so vielen, dass es ab 16. September noch einmal für 13 neue Folgen von „Mord mit Aussicht“ reicht. Vielleicht sogar für mehr.

Caroline Peters kommt und ihr quietschgelber Mantel zu leuchtend grünem Rock signalisiert, dass sie bereits wieder in die Rolle der Sophie Haas geschlüpft ist – Polizeikommissarin von Beruf und strafversetzt nach Hengasch im Kreis Liebernich. Wobei man dieses Liebernich nur mal auf der letzten Silbe betonen muss, um zu wissen, wie die blonde Polizistin es hier findet. „Sie bemüht sich“, wird Peters später über ihre Figur sagen. „Der Wille, sich hier einzuleben, ist da. Aber sie ist nun mal nicht vom Land.“

Neue Gesichter im Ort

Im Gegensatz zu Dietmar Schäffer und Bärbel Schmied, gespielt von Bjarne Mädel und Meike Droste. Sie trägt das Haar mittlerweile lang, er wieder Wischmobfrisur und 70er-Jahre-Brille zu wohlgenährtem Bauch. „So viel habe ich mir noch nie angefuttert“, sagt Mädel und ahnt: „Für den Tatortreiniger muss ich ordentlich abspecken. Das wird richtig hart.“ Trotzdem greift er noch mal in die Weingummidose, die irgendjemand auf den Tisch gestellt hat. Heute ist er ja der Dietmar.

Und eigentlich ist er das auch gerne. „Nach 39 Folgen kennen wir unsere Figuren sehr gut“, sagt er. Das tut einer Serie gut.“ Petra Kleinert, die in der Serie Heike Schäffer, genannt „Muschi“, spielt, nickt. „Anfangs sind die Figuren ein Skelett. Mittlerweile haben wir ordentlich Fleisch dran.“ Das eröffnet neue Möglichkeiten. „Wir können beim Dreh auch bei den Dialogen viel improvisieren“, verrät Droste. „Die Hälfte aller Worte ist von uns.“

Es gibt aber auch neue Gesichter. Johann von Bülow ist eines davon. Er spielt Jan Schulte, einen Henga­scher Jungen, der viel in der Welt rumgekommen ist, jetzt aber zurückkehrt und sich für das Bürgermeisteramt ebenso bewirbt wie für einen Platz in Sophies Herzen. Und er sagt, was man so sagt, wenn man neu ist am Set. „Es ist eine Auszeichnung hier mitmachen zu dürfen.“

Nicht nur Figuren, sondern echte Typen

Wahrscheinlich ist es das wirklich. Denn kaum eine deutsche Serie erfreut sich bei Zuschauern wie Kritikern gleichermaßen großer Beliebtheit. Doch wenn es um das Geheimnis des Erfolges geht, muss selbst Caroline Peters passen. Vielleicht, mutmaßt sie, liege es daran, dass man anfangs, als die Quoten noch nicht so gut waren, relativ ungestört herumwurschteln konnte. „Da wollte nicht jeder mitreden.“ So ist ein Kosmos entstanden, in dem es betont langsam zugeht, bevölkert nicht nur von Figuren, sondern von echten Typen. Eine Welt mit ganz eigenem Humor, in der Verbrechen geschehen, die in keiner anderer Serie passieren.

Die Frage ist nur, wie lange noch. Mädel hat die Frage erwartet, nachdem er sich zu Jahresbeginn über die immer kürzer werdende Produktionszeit beklagt und von Ausstieg aus der Erfolgsserie gesprochen hat. Aber jetzt sagt er: „Lass uns erst einmal die Vorrunde spielen, bevor wir über das Endspiel sprechen.“ Er wird also nicht am Ende erschossen auf der Straße liegen? „Habe ich jedenfalls nicht gelesen in den Büchern“, sagt Mädel und grinst. „Aber vielleicht habe ich ja nicht alle Bücher bekommen.“

Fortsetzung im Kino?

Opfer aber, so viel darf man an dieser Stelle verraten, wird es wieder geben. Ein Callboy wird ermordet, ein Frittenbudenbesitzer erschlagen. Und auch eine jahrzehntealte Moorleiche taucht plötzlich auf. „Nee, ne?“, wird die Bärbel dann wieder sagen und Schäffer darf angesichts der vielen Arbeit stöhnen: „Mann, Mann Mann …“

Und wer weiß, vielleicht kommt Hengasch ja irgendwann sogar mal auf die große Leinwand. „Warum“, hat jedenfalls Mädel schon vor Monaten mal sinniert, „sollte man von Mord mit Aussicht nicht mal einen Kinofilm drehen?“