Mit Hamburger Ehe brachen Schwule und Lesben ein Tabu

Foto: WAZ

Hamburg. Vor zehn Jahren wurde Hamburg zum Trendsetter. Dort konnten zum ersten Mal gleichgeschlechtliche Paare ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Heute hoffen Schwule und Lesben auf eine vollkommene Gleichstellung - und auf die Ehe statt nur einer Lebenspartnerschaft.

Das Paar Verena Lappe und Angela Gobelin feiert Ehe-Jubiläum. Am 6. Mai waren die beiden seit zehn Jahren ein standesamtlich eingetragenes Paar. Damals hatten insgesamt sieben homosexuelle Paare im Hamburger Bezirksamt Eimsbüttel für 60 Mark Gebühr ihre gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Umgangssprachlich war schon damals von Schwulen- und Lesben-Ehe die Rede, obwohl der Schritt damals rein symbolisch war. Immerhin war im ersten Bundesland der Anfang für die gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gemacht.

«Das war ein Medienrummel ohne Ende», erinnert sich Verena Lappe heute und lacht. «Heute interessiert es eigentlich nicht mehr, wenn lesbische oder schwule Paare heiraten», sagt sie.

Die Öffentlichkeit der ersten Trauungen war beabsichtigt, denn die sogenannte Hamburger Ehe sollte den Weg bereiten für eine bundesweite Öffnung der Ehe. «Die Hamburger Ehe war wichtig als erstes, sichtbares Symbol, wo es hingehen könnte», sagt Psychologin Lappe, die lange für die Grünen im Hamburger Landesparlament saß. «Es hat sich gelohnt», sagt sie heute.

Im Steuerrecht noch Unterschiede

Dabei war die Hamburger Ehe zunächst ein symbolisches Rechtsinstrument auf Landesebene, ohne rechtliche Konsequenzen. Erst 2001 schuf die rot-grüne Bundesregierung mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz eine der Ehe rechtlich ähnliche Partnerschaftsform.

2005 wurde das Gesetz weiter ergänzt und ermöglicht seitdem auch die Stiefkind-Adoption. Eine vollständige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ist bis heute in der Großen Koalition umstritten. Vor allem im Steuerrecht gibt es weiterhin große Unterschiede.

Auf die Anfänge vor zehn Jahren ist auch Renate Rampf (richtig) stolz. «Wir blicken mit Freude auf die Zeit zurück», sagt die Sprecherin des Schwulen- und Lesbenverbandes Deutschland (LSVD). «Die Hamburger Ehe hat der Diskussion um die Öffnung der Ehe einen wichtigen Schwung gegeben.» Ein nächster Schritt müsse nun allerdings mit einer weiteren Angleichung vor allem im Erbschaftsteuerrecht getan werden. Dann könne man mit deutlich steigenden Partnerschaftszahlen rechnen.

Besondere Erinnerungen an den 6. Mai 1999 hat auch Rolf Paschen. Der 71-Jährige war damals der Standesbeamte, der von den ersten homosexuellen Paaren das Ja-Wort hörte. Und er setzte sich in seiner Behörde für die Hamburger Ehe ein. «Ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich das machen durfte», sagt er und schmunzelt. Besonders schön fand er, dass bei den Zeremonien auch die Familien der Paare dabei waren. «Alle waren dabei, alle waren dafür, das hat mich einfach gefreut.» Bis heute engagiert sich der mittlerweile pensionierte Standesbeamte für eine bundeseinheitliche Regelung.

Homosexualität kein Tabu mehr

Für Verena Lappe änderte die Eintragung ihrer Partnerschaft beim Standesamt vieles. «Das gab einen mächtigen Schub zu mehr Öffnung im Umfeld. Das hat richtige Schleusen geöffnet», sagt die heute 52-Jährige. Ihre Familie hätte von ihren Plänen zunächst nichts gewusst. «Aber es war auch für heterosexuelle Menschen eine Befreiung, weil nun etwas Bekanntes da war. Da brach richtig was auf. Es gab endlich eine Möglichkeit, offen über Tabus zu sprechen.»

Für die Zukunft ist Verena Lappe voller Hoffnung auf eine weitere Gesetzesöffnung. «Die vollkommene Gleichstellung ist nur noch eine Frage der Zeit», ist sie sicher. «Ich hoffe, dass auch das Lebenspartnerschaftsgesetz irgendwann abgeschafft und die Ehe einfach geöffnet wird. Und dass Privilegien, die an Ehen ohne Kinder gebunden sind, generell wegfallen.» (ap)

 
 

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