Ministeriums-Mitarbeiter hortete Tausende wertvolle Bücher

Eine besondere Vorliebe für wertvolle Bücher hatte der Beamte des hessischen Ministeriums. Mehr als 13.000 Werte hortete der Mann zu Hause.
Eine besondere Vorliebe für wertvolle Bücher hatte der Beamte des hessischen Ministeriums. Mehr als 13.000 Werte hortete der Mann zu Hause.
Foto: dapd (Archiv)
Mehr als 13.000 Bände hat die Polizei bei einem hessischen Ministeriumsmitarbeiter sichergestellt – die meisten gestohlen aus Bibliotheken aus ganz Deutschland. Der Wert dürfte in die Millionen gehen. Das Ministerium hat den 45-Jährigen suspendiert.

Bad Arolsen. Wer die Fürstlich Waldeckische Hofbibliothek besucht, hat für gewöhnlich ein sehr spezielles Interesse. Geographie, Militaria, Geschichte – im Residenzschloss von Bad Arolsen in Hessen lagern wahre Bücherschätze, Schätze aus alter Zeit. Die 40 000 Bände zählende Bibliothek wurde seit 1840 nur noch sporadisch erweitert. Nur, seit einiger Zeit kamen immer wieder Werke weg...

Nun war dieser nette Mann aus dem hessischen Wissenschaftsministerium wieder da – ein persönliches Forschungsinteresse, wie er versicherte. Der Mann bat um Bücher zu Mineralogie, Geophysik und Naturkunde. Es war sein neunter Besuch seit dem Jahr 2010 und auch sein letzter. Denn die Polizei war auch da, Bibliotheksmitarbeiter hatten sie alarmiert. Die Beamten filzten den Mann beim Verlassen des Schlosses. 53 historische Bücher fanden sie versteckt in seinen Taschen und der Oberbekleidung – Festnahme!

Bücher, überall Bücher

Auf der Suche nach weiteren teuren Werken aus der Bad Arolser Bibliothek rückte ein Durchsuchungsteam bei der Privatadresse des 45-jährigen Mannes in Darmstadt an, die Beamten traf der Schlag: Bücher, überall Bücher. Auf allen Etagen, in allen Räumen stapelten sich die Bände. Zuerst sprach die nordhessische Polizei von „über 5000“, korrigierte die Zahl am Donnerstagnachmittag im Zuge der andauerndern Sicherstellung auf 13 000. „Und das ist noch nicht das Ende“, sagte Polizeisprecher Dirk Virnich. Nach NRZ-Informationen hat der Mann gestanden, 80 Prozent der Bücher im Laufe der Jahre in wissenschaftlichen Bibliotheken deutschlandweit zusammengeklaut zu haben.

Anhand der Bibliotheksstempel hat die Polizei bereits Werke nicht nur aus Bad Arolsen, auch aus Berlin und Erfurt identifiziert. Der Wert dürfte in die Millionen gehen. Der Mann, promoviert, ist ein Kenner. Er hatte es auf Edles abgesehen wie die „Physiologia kircheriana“ von 1680, oder die „Physica Sacra“, auch bekannt als Kupferbibel, in einer Ausgabe von 1771. Jedes Werk für sich ist tausend Euro wert.

Politisch heikel

Über sein Motiv schweigt der Bücherdieb. Vermutlich ist eine krankhafte Neigung im Spiel. „Sicher dürfte auch ein wissenschaftliches Interesse eine Rolle spielen“, heißt es bei den Ermittlern. Der Fall könnte politisch heikel werden: Der Mann war im Ministerium zuständig für EU-Forschungen, Technologie- und Wissenstransfer, hatte wohl auch mit Bibliotheken zu tun. Ein Sprecher von Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), gab sich gestern zugeknöpft, kündigte nur die Suspendierung des Mannes an. Fest steht: Der Dieb hat gegenüber Bibliotheken auch darauf verwiesen, dass er im Ministerium arbeitet, konnte sich wegen dieser Vertrauensstellung sehr frei in den Sammlungen bewegen.

In Bad Arolsen ist man fassungslos über die Dreistigkeit des Diebes: „Er zeigte hervorragende Umgangsformen, hatte ja einen guten Leumund“, so Wittekind Fürst Waldeck, Vorstand der Stiftung, die die Bücherei betreut. Misstrauisch wurde man dort, als im Herbst kurz nach dem Besuch des Mannes das Verschwinden wertvoller Bücher bemerkt wurde. Als sich der 45-Jährige nun wieder ankündigte, informierte man die Polizei, die den ganzen Besuch des Mannes filmisch dokumentierte.

 
 

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