Mindestens zwei Tote nach Anschlag auf Boston-Marathon

Dirk Hautkapp
Beim Marathonlauf in Boston ist es zu zwei Explosionen gekommen. Mindestens zwei Menschen starben. Eine dritte Detonation ereignete sich an der JFK-Bibliothek - die Polizei geht von Bombenanschlägen aus.
Beim Marathonlauf in Boston ist es zu zwei Explosionen gekommen. Mindestens zwei Menschen starben. Eine dritte Detonation ereignete sich an der JFK-Bibliothek - die Polizei geht von Bombenanschlägen aus.
Foto: getty
Der Terror kehrt in die USA zurück. Eine tödliche Anschlagserie trifft den traditionellen Boston Marathon. Zwei Menschen sterben bei Bombenexplosionen - es gibt etliche Schwerverletzte. Die Fahndung nach den Drahtziehern läuft auf Hochtouren.

Boston. Alptraum beim ältesten Marathon-Lauf der Welt: In Boston sind mindestens zwei Menschen nach Bombenexplosionen im Bereich der Ziellinie des seit 1897 in der Hafenstadt an der US-Ostküste ausgetragenen Marathon-Laufs gestorben. Die Behörden schließen einen Terror-Anschlag nicht aus.

Nach Angaben mehrerer US-Medien, die sich auf offizielle Polizeiangaben beriefen, verloren über zehn Menschen Gliedmaßen, mindestens zwei Dutzend wurden zum Zeil schwer verletzt. Sechs Personen schwebten am Abend in Lebensgefahr. Nach Angaben von Bostoner Medien könnte die Zahl der Verletzten auch deutlich höher liegen. Die Rede ist von über 100 Menschen, die in Bostoner Kliniken behandelt werden mussten.

Zwei weitere Sprengsätze entdeckt

Im Zuge der Evakuierungsmaßnahmen entdeckte die Polizei nach Recherchen des Fernsehsenders NBC zwei weitere Sprengsätze, sie konnten rechtzeitig unschädlich gemacht werden. Alarm gab es in der Kennedy-Bibliothek: Dort gab es weitere Explosionen. Nach Angaben der Polizei waren sie allerdings auf einen Brand zurückzuführen, der nicht in Zusammenhang mit den Anschlägen stehe. .

Augenzeugen berichteten unter Tränen von Panik und Chaos in der Innenstadt der Hauptstadt von Massachusetts. Im Fernsehen waren Rauchsäulen, Blutlachen und von Trümmern übersäte Straßenkreuzungen zu sehen.

Die Detonationen ereigneten sich nach vorläufiger Darstellung der Polizei gegen 14.45 Uhr Ortszeit (20.45 Uhr deutscher Zeit) im Abstand von wenigen Sekunden an der Boylston Street - etwa eine Stunde, nachdem die ersten der rund 27 000 Teilnehmer dort über die Ziellinie gelaufen waren.

250 Deutsche unter den Läufern

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich Tausende Zuschauer in dem Bereich auf, um die Läuferinnen und Läufer - darunter 250 Deutsche - nach rund 42 Kilometer Ausdauerarbeit mit Beifall in Empfang zu nehmen.

Die Explosionen sollen sich hinter eine Zuschauertribüne nahe des von Sportlern bewohnten „Fairmount Copley Plaza Hotels“ ereignet haben. Hintergründe: noch unbekannt. Erste Vermutungen, wonach es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte, wurden von den Behörden bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht offiziell bestätigt. Die Tatsache, dass zwei weitere Bomben gefunden wurden, nähre allerdings den Verdacht, sagte ein Polizeisprecher. Über Boston wurde ein Flugverbot verhängt.

US-Vize-Präsident Joe Biden sprach von einem Bombenattentat. Unmittelbar nach den Detonationen lenkte die Polizei das nach und nach eintreffende restliche Teilnehmerfeld und die Zuschauer auf Basis eines Notfallplans um.

Weil es den Verdacht auf weitere Explosionen gab, wurde ein in der Nähe gelegenes Einkaufszentrum nach Angaben des „Boston Globe“ kurzfristig geräumt. US-Präsident Barack Obama wurde umgehend von den Ereignissen informiert. In einer eilig anberaumten Rede an die Nation warnte Obama am Abend (Ortszeit) vor voreiligen Schlüssen und vermied es, von einem Terroranschlag zu sprechen. Zugleich ließ er keinen Zweifel, dass die USA diesen Schlag nicht hinnehmen werden. "Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen", sagte Obama in Washington.

Eine der besten bewachten Veranstaltungen

Anti-Terror-Experten zeigten sich in ersten Stellungnahmen im US-Fernsehen überrascht über den schweren Zwischenfall. Weil Boston die traditionsreichste Sportveranstaltung ihrer Art ist, jährlich von rund 500 000 Menschen besucht, sei die technische Überwachung mit Video und anderen Methoden "besonders stark", sagte ein ehemaliger FBI-Mitarbeiter. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 finden alle großen Sportveranstaltungen in Amerika unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen statt.

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Polizei in New York erhöht Polizeipräsenz

Nach den Explosionen beim Boston-Marathon hat die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen in der Millionenmetropole New York und in der Hauptstadt Washington verstärkt. Hotels und bekannte Gebäude würden bis auf weiteres Fahrzeugen strenger bewacht, berichteten US-Medien am Montag unter Berufung auf einen Polizeisprecher. Die verstärkte Polizeipräsenz würde mindestens so lange aufrechterhalten, bis Näheres über die Explosionen in Boston bekannt sei.