Millionen-Betrüger in Las Vegas gefasst

Konfiszierte Kunstwerke: Ob echt oder gefälscht, das wird noch untersucht.
Konfiszierte Kunstwerke: Ob echt oder gefälscht, das wird noch untersucht.
Foto: REUTERS
Ulrich Engler hielt die deutschen Ermittler fünf Jahre lang zum Narren. Seinen Opfern hatte der Hochstapler unter anderem Wertpapiere von nicht existenten Banken in Fantasiestaaten verkauft. Jetzt wurde Engler in den USA verhaftet.

Washington. „Verdoppeln Sie Ihr Kapital in vier Jahren. US-Land-Banking. Grundbuchabgesichert!!!“ Fußball-Fans, die 2007 beim UEFA-Pokalspiel Bayer Leverkusen gegen Blackburn Rovers die Werbebanden betrachteten, fiel der Slogan ebenso auf wie wenige Tag zuvor Besuchern der Pferde-Rennwoche in Iffezheim. Die Staatsanwälte in Hamburg und Mannheim gehen von bis zu 5000 Betrugsopfern in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, die dem Lockruf folgten.

Geworben hatte Ulrich Felix Anton Englers Firma „Private Commercial Office Inc.“, um mit der Gier und der Unwissenheit von leichtgläubigen Anlegern ein Vermögen zu machen. Auf bis zu 160 Millionen Euro taxieren die Behörden den Schaden, den der Sohn eines Straßenbauarbeiters aus der Nähe von Tübingen, aufgetürmt hat – bevor er sich vor fünf Jahren nach Amerika absetzte und trotz Haftbefehl von Interpol nie dingfest gemacht werden konnte. Bis Freitag.

In der Zocker-Metropole Las Vegas ging der 51-Jährige der Polizei laut „Las Vegas Sun“ ins Netz. Zum Verhängnis wurde Engler offenbar ein Fingerabdruck, erklärte Nicole Navas von der US-Einwanderungsbehörde; abgenommen bereits vor einem Jahr nach einer Trunkenheitsfahrt im Auto. Engler lebte unter den Tarnnamen Joseph Miller und Joseph Walter zuletzt in Nevada.

Jahrelanges Katz-und-Mausspiel

Damit endet ein jahrelanges Katz-und-Mausspiel, in dem Engler nach Fahnder-Angaben vom beschaulichen Städtchen Cape Coral im Sonnenstaat Florida aus die Behörden in Deutschland zum Narren hielt. Engler hatte sich gegenüber seinen Kunden unter anderem als Star-Banker des früheren US-Kreditinstituts Chase Manhattan ausgegeben; eine Hochstaplerei, wie sich später herausstellte.

Wie dreist Engler vorging, aber auch wie leichtsinnig seine Kunden gewesen sein müssen, erwies sich 2007 vor dem Landgericht Hamburg. Dort kam zur Sprache, dass „Richie“, wie sich der von Anlegern als jovial und sympathisch beschriebene Engler nannte, mit einem „Geschäftspartner“ eine „Offshore-Bank“ aufmachen wollte und mit lukrativen Zinsen warb. Problem dabei: Die Banklizenz war gefälscht und von dem „Minister of Finance“ des nur in der Phantasie existierenden Zwergstaates „Dominion of Melchizedek“ vor der Küste Kolumbiens unterschrieben.

Auslieferung nach Deutschland droht

Engler muss, wenn ihm in den USA keine größeren Straftaten nachgewiesen werden, mit seiner Auslieferung nach Deutschland rechnen. Ob geprellte Kunden auf Erstattung bauen können, ist ungewiss. Im Zuge der Festnahme stieß das FBI auf eine von Engler angemietete Lagerhalle. Darin rund 1000 Kunstwerke, unter anderem Bilder von Kandinsky. Ob echt oder gefälscht, das wird noch untersucht.

 
 

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