Mexiko-Stadt will erstmals Führerscheinprüfungen einführen

Die Chilangos fahren wie die Henker. Wird eine Führerschein-Prüfung das ändern?
Die Chilangos fahren wie die Henker. Wird eine Führerschein-Prüfung das ändern?
Foto: Imago
Autofahren in Mexikos Hauptstadt Mexiko Stadt ist eine Sache für sich: Fahren darf jeder, der mit den Füßen an die Pedale kommt. Entsprechend wild geht es zu im Verkehr, wo das Recht des Stärkeren gilt. Führerscheintests? Gibt es nicht. Aber das ändert sich bald.

Mexiko-Stadt. Wer sich in Mexiko-Stadt in den Straßenverkehr wagt, riskiert vielleicht nicht gerade sein Leben. Aber Fußgänger, Autofahrer und neuerdings auch Radfahrer sind in der 22-Millionen-Metropole echte Gefahrensucher.

Auf den Straßen gilt das Recht des Stärkeren, und das bedeutet uneingeschränkt: das Recht des Autos. Dem wird in der zweitgrößten Stadt der Welt mit religiöser Inbrunst gehuldigt. Fußgänger und Radfahrer gelten als störende Elemente. Abbiegende Autos bremsen nie, wenn ein Fußgänger die Straße quert. Und wer dennoch auf seinem Recht beharrt, der wird beschimpft oder auch schon mal mit Flaschen beworfen.

Eine Tour durch die Stadt gleicht einer Fahrt mit dem Autoscooter

Dabei fahren die Chilangos, die Hauptstadtbewohner also, meist so, als seien sie auf der Kirmes. Das tägliche Ringen der vier Millionen Fahrzeuge auf den Schlaglochpisten gleicht oft dem Fahren mit dem Autoscooter: Tarnen, Täuschen und dann Tätscheln der Stoßstangen ist das Prinzip.

Dabei telefonieren Mann und Frau besonders gerne beim Fahren und biegen dann aus der zweiten Spur ab – selbstverständlich ohne zu blinken. Manchmal wird auch links geblinkt und rechts abgebogen. Es ist nie ganz klar, ob Fahrer oder Fahrerin es nicht besser wissen oder nicht besser wollen. Denn bis jetzt kann sich jeder ans Lenkrad setzen, dessen Fuß bis an die Pedale reicht. Eine der verkehrsreichsten Städte der Welt hat keine Führerscheintests. Unglaublich aber wahr: Man geht einfach zum Bezirksamt und kauft ihn sich. Kostet 30 Euro.

Doch damit soll jetzt Schluss sein. Bürgermeister Miguel Angel Mancera schickt die Hauptstadtbewohner zum Führerscheintest. Theorie, Praxis, Sehtest – so wie es sich gehört, gilt ab Ende des Jahres auch für die Chilangos. Damit passt sich Mexiko-Stadt endlich an internationale Standards an. Allerdings gilt das Führerscheingebot nicht rückwirkend. Andernfalls wären die Straßen auch bald völlig vom Auto befreit.

Denn die Mehrheit der Hauptstadtbewohner würde keine gängige Führerscheinprüfung bestehen. Sie glauben, der Warnblinker sei nur dazu da, um am Taco-Stand zu halten und die Straße zu versperren; die Ampel gilt den meisten Verkehrsteilnehmern als farblich-dekoratives Element. Und wenn man die Mexis in ein Auto mit Gang-Schaltung setzt, wissen sie nicht, was sie mit dem dritten Pedal machen sollen. Und Einparken? Kann keiner. Dafür gibt es die Parkplatzeinwinker, eine Berufssparte, die es nur in Mexiko geben dürfte.

Die Ahnungslosigkeit am Steuer fordert einen hohen Blut-Zoll

Niemand hier hat eine Ahnung, was Höchstgeschwindigkeit in der Innenstadt ist oder dass Parken in zweiter Reihe verboten ist. Kaum ein Verkehrsteilnehmer weiß, dass es ein „Reglamento de transito“ gibt, eine Straßenverkehrsordnung, die all die Fragen regelt. Die Ahnungslosigkeit am Steuer hat dann auch ihren Preis. In Mexiko sterben täglich fast 50 Menschen im Straßenverkehr.

Aber vielleicht liegt die Anarchie auf den Straßen auch daran, dass den gestressten Autofahrern in dem Moloch einfach die Sicherungen durchbrennen. Denn im Auto steht man eigentlich mehr, als dass man sich fortbewegt. Zehn Kilometer pro Stunde bewegt sich der Verkehr in der Hauptverkehrszeit vorwärts. Und die ist eigentlich immer zwischen 7 und 21 Uhr.

In einer Umfrage wurde die mexikanische Hauptstadt vor einigen Jahren zur Stadt mit dem größten Verkehrschaos unter 20 Weltmetropolen gekürt: Nirgends auf dem Planeten leidet der Autofahrer mehr. Ähnlich schlecht fühlen sich nur Fahrzeug-Lenker im chinesischen Shenzen und in den afrikanischen Megastädten Johannesburg und Nairobi.

Nun also soll der Führerschein Besserung bringen. Aber dazu müsste erst mal eine neue Berufsparte geschaffen werden. Es gibt keine Fahrschulen in Mexiko-Stadt.

 
 

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