Lübeck: Mann verletzt mit Messer in Linienbus acht Fahrgäste – und hinterlässt einen qualmenden Rucksack

Bei einer Gewalttat im Lübecker Stadtteil Kücknitz sind mehrere Menschen verletzt worden.
Bei einer Gewalttat im Lübecker Stadtteil Kücknitz sind mehrere Menschen verletzt worden.
Foto: - / dpa
Großeinsatz für die Polizei in Lübeck: In einem Linienbus greift ein Mann Fahrgäste an. Die Polizei kann den Angreifer stellen.

Lübeck.  Dramatische Szenen in einem Lübecker Linienbus: Kurz vor Eröffnung der Travemünder Woche sticht ein Mann in einem voll besetzten Bus von Lübeck ins Ostseebad Travemünde auf Fahrgäste ein. Er verletzt zehn Menschen, drei davon schwer. Zuvor hat er den Angaben zufolge mit einem Rucksack im Bus hantiert, in dem sich Brandbeschleuniger befand. Der Busfahrer sah den Qualm und stoppte die Fahrt mitten auf der Travemünder Landstraße - 200 Meter vor der Haltestelle Bahnhof Kücknitz.

Nach der Gewalttat rätseln die Ermittler über das Motiv des 34 Jahre alten Deutsch-Iraners aus Lübeck. Doch Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) stellt klar: „Es gibt nach bisherigen Erkenntnissen eindeutig keinen terroristischen Hintergrund.“ Weder in der Person des 34-Jährigen noch in seinem Umfeld gebe es bislang Hinweise darauf, dass der Mann sich in irgendeiner Form radikalisiert habe, sagt Grote am Abend auf einer Pressekonferenz.

Vieles deutet darauf hin, dass der Busfahrer der Held des Tages ist. Er bemerkte den qualmenden Rucksack im Rückspiegel, stoppte und öffnete alle Türen des Gelenkbusses, so dass die Menschen den Bus verlassen konnten. „Wir haben im wahrsten Sinne auch viel Glück gehabt“, sagt Grote. Zwar gebe es viele Verletzte. „Aber das hätte möglicherweise noch viel schlimmer ausgehen können.“

In einem Handgemenge können Fahrgäste und Busfahrer den Mann überwältigen. Er wird kurz darauf von der Polizei festgenommen und ins Polizeigewahrsam gebracht.

Die Hintergründe der Tat und auch ihr genauer Ablauf sind am Freitagabend noch unklar. Klar ist aber: Der mutmaßliche Täter hatte einen Rucksack mit Brandbeschleuniger dabei. Hinweise auf einen Sprengsatz haben die Ermittler aber nicht.

Mutmaßlicher Täter zeigte wohl psychische Auffälligkeiten

Wie „Spiegel Online“ berichtet, zeigte der mutmaßliche Täter psychische Auffälligkeiten. „Er fühlte sich von den Nachbarn verfolgt“, sagte der Vater dem Nachrichten-Portal. Sein Sohn habe behauptet, dass diese ihn mit schädlichen Strahlenangriffen durch die Wand malträtierten. „Er sagte immer, mein Körper brennt. Oder: Die wollen mir die Augen kaputtmachen.“

Zudem soll sich der 34-Jährige mit seiner Ex-Partnerin um das Sorgerecht gestritten haben. „Deswegen war er frustriert und verärgert.“ Sein Sohn habe angekündigt, auswandern zu wollen. Angeblich habe er seine Wohnung schon abgemeldet. Mit Religion habe sein Sohn überhaupt nichts zu tun.

Er habe furchtbares Geschrei gehört, sagt Anwohner Lothar Heuer. „Als ob zwei Völker aufeinander losgehen.“ Dann sei er zum Helfen losgeeilt. Die „Lübecker Nachrichten“ zitieren eine Augenzeugin des Geschehens: „Eines der Opfer hatte gerade seinen Platz einer älteren Frau angeboten, da stach der Täter ihn in die Brust. Es war ein Gemetzel.“ Die Augenzeugin wird nach der Gewalttat von der Polizei betreut. Ein Anwohner schildert das Geschehen so: „Die Passagiere sprangen aus dem Bus und schrien. Es war furchtbar.“

Bürgermeister macht sich Bild von der Lage

Innenminister Grote und Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) machen sich noch am Nachmittag am Tatort selbst ein Bild von der Lage. Lindenau spricht anschließend von „einer entsetzlichen Tat“. Grote war ohnehin bereits in der Gegend. Er wollte ursprünglich an der Eröffnung der Travemünder Woche teilnehmen. Das wäre nach der Gewalttat in dem Bus aber „wirklich fehl am Platze“, sagt er.

Nun setzen Staatsanwaltschaft und Ermittler auch auf die vielen Zeugen der Tat. Denn nach Angaben des Fahrers war der Bus voll besetzt. Er gab die Zahl der Fahrgäste mit etwa 70 an. Die Behörden prüfen, ob es verdächtige Verbindungen des Mannes gibt. „Aber nach derzeitigem Stand ist dies zumindest jetzt nicht bekannt“, sagt Grote. Auch nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Mannes.

Am Samstag soll der Verdächtige in Lübeck einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte vorsätzliche Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung und Körperverletzung vor.

Auf der Travemünder Landstraße bleibt am Abend, nachdem der Bus abgeschleppt wird, weißes Löschmittel zurück. Dort hatte der Bus während des Angriffs gehalten. Auf dem wenige Kilometer entfernten Gelände der Travemünder Woche wird sich trotz unveränderter Sicherheitslage in den kommenden Tagen etwas ändern. Die Polizei will ihre Präsenz auf dem Sommerfest nun „deutlich wahrnehmbar für alle Besucher erhöhen“, wie Lübecks Polizeichef Norbert Traps ankündigt. (dpa)

 
 

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