Mesut Özil will Erdogan als Trauzeugen für seine Hochzeit

Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan.
Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan.
Foto: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP/dpa

Mesut Özil und Recep Tayyip Erdogan: Als das letzte Mal diese beiden Namen in einem Satz genannt wurden, hat das für ungeheure Aufregung gesorgt. Es gab hitzige Debatten über Rassismus, Verantwortung und Despotentum. Letzte Konsequenz war gar der Rücktritt von Mesut Özil als Spieler der deutschen Nationalmannschaft.

Mehrere türkísche Medien berichten nun, dass Mesut Özil und seine Verlobte Amine Gülse den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als Ehrengast zu ihrer Hochzeit eingeladen haben. Bei einem Treffen im Regierungsterminal des Flughafens Istanbul sollen sie ihn gar gebeten haben, Trauzeuge zu werden.

Das dürfte erneut große Aufregung geben. Denn schon 2018 hatten viele Mesut Özil vorgeworfen, sich indirekt für den Wahlkampf des arg umstrittenen Recep Tayyip Erdogan einspannen zu lassen. Auch aktuell ist Erdogan mitten im Wahlkampf: Im März sind Kommunalwahlen in der Türkei. Die Erdogan-Partei AKP hat unlängst ein Bild bei Twitter gepostet, das den türkischen Staatspräsidenten, Mesut Özil und seine Verlobte zeigt.

Mesut Özil: Eklat wegen Bildern mit Recep Tayyip Erdogan

Im Mai 2018 hatte Özil das erste Mal für einen Eklat in Verbindung mit dem türkischen Präsidenten Erdogan gesorgt, als einen Tag vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders Bilder auftauchten. Darauf zu sehen: Unter anderem Mesut Özil und Illkay Gündogan zusammen mit Präsident Erdogan.

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Der Vorwurf an die beiden damaligen Nationalspieler: Sie hätten sich damit für Erdogans Wahlkampf missbrauchen lassen, auch der Deutsche Fußballbund kritisiert die beiden scharf. Gündogan schreibt später via Twitter: "Es war nicht unsere Absicht, ein politisches Statement abzugeben:" Mesut Özil äußerte sich lange Zeit gar nicht - das nahmen ihm viele übel.

Özil und Gündogan wurden ausgepfiffen

Schnell wurde das ganze zum Politikum, die Rede war gar von der "Causa Özil". Die beiden Spieler trafen sich mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Es sei „beiden wichtig, entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“, sagte Steinmeier danach.

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Beim Testspiel gegen Österreich in Klagenfurt vor der WM wurden Özil und Gündogan von den Zuschauern ausgepfiffen. Nach dem WM-Aus gegen Südkorea wurde vor allem Özil sogar implizit die Schuld am Scheitern der Mannschaft gegeben: DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagte in einem Interview: "Wir haben Spieler bei der deutschen Nationalmannschaft bislang noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie für eine Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet."

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Dafür hagelte es Kritik, viele warfen ihm vor, rassistische Ressentiments zu schüren. Am nächsten Tag ruderte er zurück, er habe das anders gemeint.

Der Fall Özil: Rassismusvorwürfe

DFB-Chef Reinhard Grindel forderte Mesut Özil zu einer Stellungnahme auf. Die ließ zunächst auf sich waren. Özil erklärte später nach seinem Rücktritt: "Schweren Herzens und nach gründlicher Überlegung werde ich wegen der zurückliegenden Vorkommnisse nicht länger für die deutsche Nationalmannschaft spielen."

Das Bild habe keinerlei politische Absichten gehabt. Seine Mutter habe ihn "dazu gebracht, niemals meine Herkunft, mein Erbe und meine familiären Traditionen zu vergessen", so Özil. Es sei nicht um Politik gegangen, sondern darum, das höchste Amt des Landes seiner Familie zu respektieren.

Erdogan-Partei twittert Bild mit Özil

In dem Statement kritisierte Özil aufkeimenden Rassismus und schoss auch hart gegen den DFB: "Ich äußere mich jetzt nicht wegen Grindel, sondern weil ich es will. Ich werde nicht länger der Sündenbock für seine Inkompetenz sein."

 
 

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