Martinsumzüge müssen Demo von Pegida weichen

Die Kinder und Sankt Martin müssen in Fürth den älteren Männern von Pegida weichen.
Die Kinder und Sankt Martin müssen in Fürth den älteren Männern von Pegida weichen.
Foto: Imago/Montage FMG
Keine Martinszüge für Kinder, weil Pegida für den Erhalt christlicher Feste demonstriert: In Fürth kommt es zu der absurden Situation.

Fürth.. Hunderte Kinder in Fürth werden am Martinstag auf die lange geplanten und vorbereiteten Martinsumzüge verzichten müssen. Wo sie mit Liedern und Laternen und hinter dem reitenden Sankt Martin durch die Stadt ziehen wollten, protestiert auch der Nürnberger Ableger der Pegida-Bewegung (Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes). Am Martinstag, weil Pegida „auch in Zukunft die Traditionen christlicher Feste sichern will“.

In den Kitas der Stadt ist die Empörung groß. Die Kindergärten hatten ihre Veranstaltungen früher angemeldet, der Fürther Dekan Jörg Sichelstiel schätzt, dass um die 5000 Kinder und Angehörige von Absagen oder Verlegungen betroffen sind.

„Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen“

Der Erlös des Laternenumzugs des Kindergartens „Storchennest St. Michael“ sollte die Flüchtlingshilfe unterstützen. Nun wird es nur ein Sankt-Martins-Fest ohne Umzug geben. „Den Kindern vermitteln wir Offenheit und Menschenfreundlichkeit gegenüber allen Notleidenden“, heißt es in einer Erklärung des Pfarrers Hans-Ulrich Pschierer und von Elternbeirat und Leitung des „Storchennestes“. „Nun werden wir von Rechtspopulisten verdrängt, welche für Abgrenzung und Ausländerfeindlichkeit stehen. Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen.“

Zu der Kollision ist es auch durch eine Panne in der Stadtverwaltung gekommen. „Die Umzüge haben wir nicht auf dem Schirm gehabt“, räumt Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Kürzdörfer gegenüber nordbayern.de ein. Sie seien im Straßenverkehrsamt bekannt gewesen, die Stelle sei aber nicht einbezogen worden. Die Stadt Fürth bedauerte am Freitag die Kollision außerordentlich und entschuldigte sich bei den Kindern, Eltern und der Kirchengemeinde für das Versehen.

Stadt hatte auf die neue Route gedrängt

Auf Initiative der Stadtverwaltung hatte Pegida den Zugweg geändert. Die Stadt hatte nach drei Kundgebungen auf der stets gleichen Route die Anwohner dort entlasten wollen. Die neue Marschstrecke verläuft dort, wo die Martinszüge stattfinden sollten. Pegida-Anführer Gernot Tegetmeyer erklärt auf Facebook:„Die Stadt hat das verbockt, und nun ist der Aufschrei groß.“

Das Problem hätte sich mit einer Verschiebung der Pegida-Kundgebung lösen lassen. Das habe man auch angeboten, erklärt Tegetmeyer. Verbunden war das aber mit für die Stadt nicht erfüllbaren Forderungen. Das „Angebot“ vom Freitag sah demnach vor, dass die Stadt für künftige Demonstrationen gegen Pegida schärfere Auflagen erlässt. Verkündet werden sollte das „in einer gemeinsamen Presseerklärung“. Die Stadt Fürth sei darauf nicht eingegangen. Der Pegida-Sprecher: „Das heißt, heute Abend, egal wie es passieren wird, ist die Stadt Fürth verantwortlich.“ Es tue ihm „leid für die lieben Kinder“.

„Schäm Dich, Du Kinderschreck“

In den Kommentaren unter seinem Post überwiegen Unverständnis und Kritik. „Schäm Dich, Du Kinderschreck“, schreibt ihm eine Frau, „auf dem Rücken der Kinder irgendwelche saudämlichen Forderungen durchsetzen wollen ist ja wohl unter aller Sau.“ Ein Nutzer rät: „Meldet doch noch eine Demo an Fasching an, dann habt ihr völlig verschissen.“

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