Markus Lanz: Als ein CDU-Mann eine euphorische Wende-These aufstellt, ist es einem Gast zu viel: „Hören Sie auf!“

Markus Lanz (ZDF): Bernhard Vogel, Thüringens Ex-Ministerpräsident, war zu Gast in der Sendung.
Markus Lanz (ZDF): Bernhard Vogel, Thüringens Ex-Ministerpräsident, war zu Gast in der Sendung.
Foto: Screenshot ZDF

Ist die Wiedervereinigung tatsächlich gelungen?

Diese Frage wurde bei Markus Lanz in der ZDF-Sendung mit Bernhard Vogel, von 1992 bis 2003 Ministerpräsident von Thüringen, und Autorin Jana Hensel (u.a. Zeit, Spiegel Online) heiß diskutiert.

Markus Lanz: Autorin mit steiler These zu Rechtsruck

Auch mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen wurde die Deutsche Einheit bei Markus Lanz debattiert.

„Die beiden Wahlen sind aus wichtigen Gründen sehr bedeutsam, denn sie geben eine Wasserstandsmeldung über die deutsche Einheit wieder. Es ist viel gelungen. Ich behaupte, alles in allem ist die Wiedervereinigung uns Deutschen gelungen.“

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Markus Lanz:

  • Das ist die Fernsehsendung „Markus Lanz“:
  • „Markus Lanz“ ist eine Talkshow im ZDF, benannt nach Moderator Markus Lanz.
  • Die 75-minütige Sendung wird dienstags bis donnerstags am späten Abend ausgestrahlt.
  • Meistens wird die Sendung einige Stunden vor der Ausstrahlung in einem TV-Studio in Hamburg-Altona aufgezeichnet, mitunter gibt es auch Live-Übertragungen.
  • In jeder Ausgabe der Show empfängt Markus Lanz vier bis fünf (meist prominente) Talk-Gäste, mit denen er zu einem pro Sendung jeweils neuen Thema spricht.

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Es gehe den Deutschen in der DDR wesentlich besser, als den Menschen in den anderen kommunistischen Ländern, so Vogel, der zugleich betonte: „Aber es sind keineswegs alle Probleme schon gelöst. Und da ich nicht zu den dauernd Jammernden gehöre, finde ich es nicht bedauerlich, sondern erfreulich, dass wir nach 30 Jahren über die ein oder anderen ungelösten Probleme nochmal neu disktutieren.“

Jana Hensel widerspricht Vogel

Jana Hensel (neues Buch: „Wie alles anders bleibt: Geschichten aus Ostdeutschland“) widersprach ihm deutlich: „Wenn wir die deutsche Einheit nach ihren eigenen Maßstäben bemessen, dann müssen wir leider sagen, ist sie nicht erfolgreich gewesen“, so die Journalistin aus Leipzig.

„Hören Sie auf, den Leuten zu sagen, dass sie jammern“

Der Osten habe an industrieller Kraft eingebüßt, viele junge Leute hätten das Land verlassen, die Lebensverhältnisse seien nicht angeglichen und es gebe einen Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft, so die gebürtige Leipzigerin.

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In Richtung des Ex-Ministerpräsidenten richtet sie direkte Worte: „Hören Sie auf, den Leuten zu sagen, dass sie jammern.“

Den Rechtsruck im Osten hatte Jana Hensel einmal eine „dringend notwendige Bewegung“ bezeichnet. Sie habe in allen Nachwendegenerationen Frustration gespürt und gemerkt, dass sich Menschen von Institutionen verabschiedeten und die Hoffnung in Parteien verloren. „Dass es irgendwann mal knallen würde, hat mich nicht überrascht“, so Hensel.

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„Wenn man krank ist, muss man Fieber bekommen, um gesund zu werden“, erklärt Hensel. „Deshalb glaube ich, dass hinter diesem Prozess, hinter dem Aufbrechen, dem Artikulieren von Frustrationen eigentlich eine Art von Heilung stecken kann, wenn diese Sachen anschauen, sie ansprechen und besprechen und sich die Politik um diese Menschen kümmert.“

Vogel: „Es gibt auch Regionen im Ruhrgebiet, die unterentwickelt sind“

Vogel war vorher Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und übernahm kurzfristig 1992 als Ministerpräsident Thüringens. „Es begann für mich das größte Abenteuer meines Lebens“, sagt er rückblickend.

„Dass es heute blühende Landschaften gibt, nicht überall, aber das etwa Erfurt und Dresden zu den schönsten Hauptstädten der deutschen Länder zählen, ist ebenso erfreulich wie deutlich ist, dass es noch ungelöste Probleme gibt“, so Vogel.

„Es gibt Regionen im Ruhrgebiet, die unterentwickelt sind, und es gibt Regionen in den neuen Ländern, die unterentwickelt sind.“

Es werde dauernd so getan, als gäbe es den Westen, wo alles in Ordnung sei. Und dann gäbe es den Osten, wo alles nicht in Ordnung sei, so Vogel. „Das ist Unsinn.“

Ex-Ministerpräsident: „Lieber Herr Lanz...“

Als Markus Lanz nochmal nachhakt, wie der Rechtsruck im Osten zu erklären sei, sorgt Bernhard Vogel für Lacher im Studio: „Lieber Herr Lanz, weil ich sie so sehr schätze, mach ich einen zweiten Versuch, es ihnen zu erklären.“

Die Parteienlandschaft im Osten sei anders, die AfD und die Linken seien eine ostdeutsche Partei, so Vogel. Es gäbe eine Wanderung von Linken zur AfD.

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„Ich bin hier im falschen Kino, weil man einerseits nicht anerkennt, dass die Folgen der Teilung, und nicht die Folgen der Wiedervereinigung zu bewältigen sind“, brachte Vogel seinen Punkt nochmal dar.

Am Ende der Sendung stellte Vogel noch einmal klar - eine Zusammenarbeit mit der AfD werde es für den CDU-Mann nicht geben. „Für mich und Gott sei Dank für viele Kollegen kommt eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage.“

Auch die Linke sind für ihn als Partner keine Option.

 
 

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