Markus Lanz: Emotionaler Auftritt von Angelika Kallwass: „Das war ein Zwang“

Aneglika Kalwass war zu Gast bei „Markus Lanz“.
Aneglika Kalwass war zu Gast bei „Markus Lanz“.
Foto: dpa

Die Gästeliste versprach eigentlich eine politische Sendung: Doch bei Markus Lanz ging es am Mittwochabend dann vielmehr um verletzte Gefühle.

In der Talkrunde dieser bemerkenswert emotionalen Sendung saßen SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel, Journalist Robin Alexander, Autorin Golineh Atai und die Psychologin Angelika Kallwass.

Markus Lanz im ZDF: Hochdramatische Geschichte

Kallwass ist vor allem wegen der Sat.1-Show „Zwei bei Kallwass“ bekannt: Zwischen 2001 und 2013 löste die Psychologin in der Pseudo-Doku-Sendung Psychokonflikte aus dem Drehbuch.

Sehr offen spricht sie bei Markus Lanz darüber, dass sie selbst lange Zeit einen solchen Konflikt mit sich herumgetragen hat.

Tatsächlich ist die Geschichte, die sie erzählt, hochdramatisch: „Die letzten Worte, die ich an meinen Vater gerichtet habe, waren: Ich hasse dich. Einen Tag später hat die Polizei mich angerufen und mir gesagt, dass er verstorben auf der Straße liegt. An seinem Geburstag.“ Stille im Publikum.

Angelika Kalwass spricht über Tod ihres Vaters

Über 40 Jahre ist das her - leicht fällt es der 71 Jahre alten Angelika Kallwass augenscheinlich immer noch nicht, darüber zu sprechen. Ihr Vater habe sie am Telefon zu seinem Geburtstag eingeladen – sie habe die Einladung ausgeschlagen.

„Ich hatte eine sehr schwierige Beziehung zu meinem Vater. Ich habe ihn sehr geliebt. Auf der anderen Seite hat er getrunken, das war für mich eine Qual und hab ihn ein Stück weit verachtet. Damals hatte ich noch keine Ahnung, was eine Sucht ist.“

Kalwass: „Die haben dann komisch geguckt. Das war ein Zwang“

Angelika Kallwass muss sich dann erst kurz sammeln, bevor sie die richtigen Worte gefunden hat für das, was sie sagen will: „Das hat mir sehr viel später sehr wehgetan, dass ich nicht noch einmal sagen konnte, wie sehr ich durch ihn gelernt habe, zu kämpfen. Dass ich nie danke sagen konnte.“

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Das habe zu einem regelrechten Zwang geführt, einem „verrückten Verhalten“, wie sie sagt. „Das hat dazu geführt, dass ich zu Freunden bei Verabschiedungen immer gesagt habe: Ich hab euch total lieb. Die haben dann komisch geguckt. Das war ein Zwang.“

Inzwischen habe sie gelernt, mit der Situation umzugehen. Das habe ihr geholfen, zwei andere einschneidende Erlebnisse besser zu verarbeiten: Den Tod ihrer Mutter und den ihres Mannes, der erst 2018 verstorben ist.

SPD-Politiker spricht über gebeutelte SPD

Etwas zu verarbeiten hat offenbar auch Thorsten Schäfer-Gümbel. Er führt nach dem Rücktritt von Andrea Nahles zusammen mit Manuela Schwesig und Malu Dreyer derzeit die arg gebeutelte SPD.

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Im Umgang mit Andrea Nahles hätten einige Genossen „rote Linien überschritten, was den persönlichen Umgang angeh“, sagt Schäfer-Gümbel. Er könne solch eine Umgangsebene nicht nachvollziehen.

„Warum ist es immer so brutal?“, fragt Markus Lanz. Das sei in der Tat ein Problem, so Schäfer-Gümbel. Denn es führe letztlich in der Öffentlichkeit zu einer „Verachtung uns gegenüber, die viele von uns wirklich bewegt.“

TSG spricht über schwierige Zeit: „Das ist unanständig“

Der öffentliche Umgang mit Politikern und persönliche Angriffe: Ein Thema, das Thorsten Schäfer-Gümbel offenbar umtreibt. Markus Lanz spricht einen Artikel in der FAZ an, der vor Jahren erschienen ist. Thema des Artikels: Die Brille des SPD-Politikers.

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„Das ist unanständig. Unglaublich, so etwas zu schreiben. Haben keine Ahnung, was mein Augenproblem ist, aber dann mal einen raushauen“, sagt Schäfer-Gümbel. „Ich weiß, dass ich immer das Problem habe mit meinen dicken Gläsern, dass das im Fernsehen blöd wirkt.“ Markus Lanz beschwichtigt: „Nein, das tut es doch gar nicht, das ist doch gar nicht wahr.“

„Sie sehen immer, dass meine Augen sehr klein sind“

Aber Schäfer-Gümbel ist dabei, sich in Rage zu reden: „Doch, weil sie von den Brennpunkten her … Sie sehen immer, dass meine Augen sehr klein sind. Ich kann keine große Brille tragen, dann wird es noch schlimmer und das weiß auch jeder. Und dann schreiben die so einen Bullshit. Mir ist wochenlang der Kamm groß gewesen über so etwas.“

Seinem Augenleiden liegt eine ernsthafte Krankheitsgeschichte zugrunde: Wegen einer Netzhautablösung vor Jahren sei er wochenlang blind gewesen. „Das verändert schon das Verhältnis zum Sehen“, sagt der SPD-Politiker.

Dann wird es doch nochmal politisch. Markus Lanz fragt Schäfer-Gümbel zum Gerücht, die SPD könne womöglich mit der Linkspartei anbandeln. Die Antwort des SPD-Mannes ist sehr eindeutig: „Der erste April ist schon ziemlich lange her. Man kann von einem totgerittenen Gaul nur absteigen. Und Oskar Lafontaine will ich nicht zurückhaben, nicht geschenkt.“ „Welt“-Journalist Robin Alexander bemerkt rocken: „So viel zur neuen Freundlichkeit.“

 
 

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