„Maischberger“ in der ARD: Nach strittigen Kevin-Kühnert-Thesen – scharfe Attacke von Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel
Sigmar Gabriel
Foto: ARD Screenshot

Die einstige große Volkspartei SPD verliert immer mehr Wählerstimmen. Oft lautet der Vorwurf gegen die Partei: Die Abgrenzung zur CDU sei in der Groko schwächer geworden, das Profil zu unscharf. Die sozialdemokratische Partei müsse sich erneuern.

Einer, der jetzt etwas wagte und sich weiter aus dem Fenster lehnte, wurde sofort mit Kritik überhäuft. Kevin Kühnert wurde mit seinen Enteignungs-Vorschlägen auch aus den eigenen Parteireihen stark angegangen. Auch Sigmar Gabriel sprach sich klar gegen die Einstellung Kühnerts aus. Bei „Maischberger“ in der ARD am Mittwochabend machte der ehemalige SPD-Vorsitzende seine Meinung deultlich.

„Maischberger“ im ZDF: Sigmar Gabriel schießt gegen Juso-Chef Kevin Kühnert

Moderatorin Sandra Maischberger hatte die beiden früheren sehr einflussreichen Ministerpräsidenten aus Niedersachsen und Hessen zu Gast. 1999 waren sowohl Sigmar Gabriel als auch Roland Koch (CDU) in dem Amt tätig. Die Frage, die offen erörtert werden sollte: „Wohin steuert Deutschland?“

Klar, dass die provozierenden Worten Kevin Kühnerts da wieder auf den Tisch kamen. In einem Interview mit der Zeit hatte dieser gefordert, Unternehmen wie BMW zu enteignen. Jeder solle außerdem nur den Wohnraum besitzen, indem er auch lebt. Damit spricht Kühnert die eklatante Wohnungsnot in Deutschland an. >>>hier mehr zu seinen Sozialismus-Thesen lesen.

Doch in einem kurzen Einspieler werden bei „Maischberger“ Zitate rezitiert, die sogar ähnlich sozialistisch klingen. So beispielsweise dieser Satz: „Kapitalistische Wirtschaftspoltilk ist und bleibt menschenverachtend.“ Oder: „Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.“ Oder auch: „Genossinnen und Genossen, wir stehen mitten drin in diesem Abwehrkampf, um uns das Tor zu einer sozialistischen Gesellschaft offen zu halten.“

------------------------------------

• Mehr Themen:

Sandra Maischberger (ARD): Kevin Kühnert rastet aus – „Das geht mir auf die Nerven"

„Hart aber fair“ in der ARD: Als Oskar Lafontaine über Enteignungen spricht, geht's richtig rund

• Top-News des Tages:

„Markus Lanz“ im ZDF: Fiese Schmähungen – jetzt rechtfertigt sich Oliver Pocher und...

Kevin Kühnert: SPD im Umfragetief – liegt es an ihm?

-------------------------------------

Wer hat's gesagt? Der Vorsitzende der Falken in Braunschweig im Jahr 1985, also kein geringerer als Sigmar Gabriel. Die Moderatorin konfrontiert den mittlerweile 59-Jährigen mit seinen Aussagen: „So weit ist das nicht von Kühnert entfernt...“

„Ich würde Kevin Kühnert nicht vorwerfen, wenn er sozialistische Reden hält“, wendet der Ex-Außenminister ein. Maischberger grätscht dazwischen: „Sie haben gesagt, er redet wie Trump.“

„Die Forderung ist aus dem 19. Jahrhundert“

„Wenn sie es zitieren, müssen sie richtig zitieren: Ich habe gesagt, wenn jemand mit den Ressentiments spielt, wenn ihm die Fakten und die Empirie egal sind, wenn er bewusst gegen die eigene Partei vorgeht, dann ist das die Methode Trump. Damit darf man aber weder Kühnert Kühnert mit Trump vergleichen noch Trump die Ehre tun, ihn so kleinzumachen“, so Gabriel.

Ferner wirft er dem 29-jährigen Juso-Chef vor, er erhebe den Anspruch, die SPD zu führen - das habe Gabriel in der Jugendorganisation der Falken mit Mitte 20 nicht gehabt. Außerdem sei Kühnert auch um so einiges erwachsener - immerhin schon 30 Jahre alt, findet Gabriel. Weiter spitzte er die Kritik zu, indem er sagte, dass Kühnert - obwohl er sein Studium der Kommunikationswissenschaft abgebrochen hatte - die Kommunikation perfekt beherrsche.

„Die Forderung von Vergesellschaftung von Produktionsmitteln ist eine Forderung aus dem 19. Jahrhundert und 20. Jahrhundert“, schießt er weiter gegen den Nachwuchs-Politiker. Solch ein nationalstaatliches Instrument führte immer zu Unfreiheit. „Leute wurden arm und unfrei.“

+++Anne Will: Als CDU-Mann Michael Kretschmer DAS sagt, kann Kevin Kühnert nicht mehr an sich halten+++

„Wer Menschen in die richtige Richtung lenken will, darf nicht auf den Nationalstaat zurückgreifen - weder links noch rechts“, betont der SPD-Politiker. Diesen intellektuellen Anspruch sollten Sozialdemokraten haben.

Regulierung statt Verstattlichung

Natürlich: Er sehe ein Problem im Wohnungsmarkt. Über steigende Mieten würden Menschen enteignet. Doch die Lösung laute nicht Verstaatlichung, sondern Regulierung.

Über weitere politische Probleme und ihre gemeinsame politische Vergangenheit haben Roland Koch und Sigmar Gabriel in der rund 75 Minuten langes Sendung natürlich auch diskutiert. Die ganze Sendung kannst du hier in der Mediathek der ARD nachschauen. (js)

 
 

EURE FAVORITEN