Luftverschmutzung fördert Dürren und Wirbelstürme

Die Luftverschmutzung ist mitschuldig an Dürren in Afrika und Wirbelstürmen über dem Atlantik.
Die Luftverschmutzung ist mitschuldig an Dürren in Afrika und Wirbelstürmen über dem Atlantik.
Foto: Hans Blossey
Die Luftverschutzung fördert Dürren in Afrika und Wirbelstürme über dem Atlantik. Das haben jetzt britische Klimaforscher herausgefunden. Historische Klimaereignisse können damit nicht mehr natürlichen Klimaschwankungen angelastet werden.

London.. Die Luftverschmutzung ist mitschuldig an Dürren in der Sahelzone und besonders heftigen Wirbelstürmen über dem Atlantik. Denn Rauch, Feinstaub und andere Schwebstoffe beeinflussen die Meerestemperaturen im Nordatlantik und damit das Klima der umliegenden Kontinente stärker als bisher angenommen. Das haben britische Klimaforscher mit Hilfe von Klimamodellen festgestellt. Bisher hielt man die mehrjährigen Klimaschwankungen des Nordatlantiks für ein natürliches Phänomen. Doch die neuen Berechnungen zeigen, dass 66 Prozent der Temperaturschwankungen zwischen 1860 und 2005 durch vom Menschen verursachte Abgase verursacht wurden. Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature".

"Wir müssen umdenken: Eine ganze Anzahl von historischen Klimaereignissen wie besonders starke Dürren in der Sahelzone können wir nun nicht mehr nur den natürlichen Klimaschwankungen anlasten", schreiben Ben Booth vom Hadley Centre des britischen Meteorological Office in Exeter und seine Kollegen. Bisherige Klimamodelle, aber auch Regelungen zum Schwebstoffausstoß müssten an die neuen Erkenntnisse angepasst werden.

Wind trägt Abgase auf das Meer hinaus

"Die vorherrschenden Winde transportieren Schwebstoffe aus den Industrieregionen Nordamerikas auf den Nordatlantik hinaus. Dort mischen sie sich mit den verschmutzten Luftmassen aus Europa, bevor sie von Passatwinden nach Süden und Westen verteilt werden", erklären die Forscher. Die schwankende Luftverschmutzung über dem Meer schlucke mal mehr, mal weniger kurzwelliges Sonnenlicht und verändere die Wolkendecke. Zusätzlich trügen auch Vulkanausbrüche zum wechselnden Schwebstoffgehalt der Atmosphäre bei. Diese Veränderungen im Strahlungseinfall erklärten zusammen 76 bis 80 Prozent der Temperaturschwankungen des Meeres.

Die Temperaturschwankungen des Nordatlantiks spielen eine wichtige Rolle für das Klima der benachbarten Regionen: Sie beeinflussen unter anderem das Sommerklima in Europa, die Häufigkeit der Niederschläge in der Sahelzone sowie die Häufigkeit und Intensität von Wirbelstürmen über dem Atlantik. Bisher sei die Temperaturveränderungen des Ozeans vor allem auf natürliche Faktoren wie schwankende Meeresströmungen zurückgeführt worden, sagen die Forscher.

Temperaturentwicklung von 1860 bis 2005 simuliert

In ihrer Studie simulierten die Wissenschaftler die Schwankungen der Meerestemperaturen im Nordatlantik zwischen 1860 und 2005. Dabei ließen sie Meeresströmungen und andere natürlichen Meeresmerkmale auf dem Stand von 1860 und veränderten nur die Luftverschmutzung. Die Wissenschaftler fütterten das Modell mit Daten zu Schwebstoffemissionen aus Vulkanen und menschlichen Emissionen für die darauf folgenden Jahrzehnte. So konnten sie erkennen, wie diese Emissionen die Temperaturen über dem Nordatlantik unabhängig von natürlichen Faktoren beeinflussten.

Das Ergebnis der Simulation ähnelte stark den Schwankungen, die in dieser Zeit im Nordatlantik tatsächlich beobachtet und gemessen worden waren. "Vulkane und Schwebstoffe erklären 23 und 66 Prozent dieser Variabilität", konstatieren die Forscher. Es sei daher wichtig, diesen Zusammenhang in kommenden Klimamodellen und -prognosen zu berücksichtigen. (dapd)

 
 

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