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Luftblasen-Tipps für Beziehung und Partnerschaft

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Foto: imago stock&people

Essen. 

Wie repariert man eine langjährige Beziehung, in der es nicht mehr funkt? Schriftstellerin und Bloggerin Ursula Hickmann versucht in ihrem Buch „Oma, hast du noch Sex?“ Antworten auf diese und andere Fragen zu geben. Ohne Erfolg.

Einfach aufschreiben, was man so denkt. Über das Leben, die Liebe. Über Gott und die Welt. Viele träumen davon. Ursula Hickmann hat es getan. In ihrem Buch „Oma, hast du noch Sex?“ erklärt die Hobby-Schriftstellerin und Bloggerin ihren Lesern in kurzen Kolumnen ihre Gefühle und Gedanken über Männer und Frauen – und das Zusammenleben zwischen den beiden Geschlechtern.

Das Buch soll laut Vorwort helfen, „Beziehungen ganz neu mit dem Partner zu überdenken“. Wer seinen Mann immer „Bärlein“ genannt hat, solle sich davor hüten, den Kosenamen in „Vati“ zu ändern. Denn dadurch, so Hickmann, nehme der Partner tatsächlich eine Vaterrolle ein. „Diese psychologische Barriere kann dann zum erheblichen Verlust der Glücksstimmung im Bett führen.“ Für ehemalige „Mäuschen“, die zur „Mutti“ werden, gelte das gleiche.

Nicht die Rezepte der Schwiegermutter imitieren

„Denken Sie bloß nicht, das Leben ist einfach“, warnt Hickmann im Abschnitt „Partnerwahl“. Damit ist dem komplexen Thema zwar kaum noch etwas hinzuzufügen, aber die Autorin wird noch konkreter: „Wir würden uns so viel ersparen, wenn man überhaupt, bevor man zusammenzieht, ein paar Dinge checkt: Hobbys. Interessen. Bildungsgrad. Freundeskreis.“ Das klingt banal – und das ist es auch.

Hickmann schreckt ebenso vor gewichtigen Problemen nicht zurück: Schwiegermütter. Wenn sich die Mutter des Partners zu sehr ins Leben einmische, helfe nur ein klärendes Gespräch, erklärt die Autorin. Und hat nebenbei noch einen ganz konkreten Rat für schwiegermutter-geplagte Ehefrauen parat: Niemals die Rezepte von „Mutti“ imitieren, denn diese koche niemand so gut wie sie.

Rhetorische Fragen und sinnentleerte Floskeln

In Beziehungsfragen ist Hickmann Expertin. Schließlich ist sie nach eigenen Angaben seit 50 Jahren mit ihrem Mann verheiratet. Ihm hat sie das Werk auch gewidmet. Und so rät sie nicht so glücklichen Paaren zum regelmäßigen Gedankenaustausch. Denn: Wer es nicht schaffe, über die gemeinsamen Ziele und Probleme zu reden, der werde sich schon bald über nicht heruntergeklappte Toilettendeckel oder Haare im Waschbecken streiten.

Weiter geht es mit dem richtigen Umgang mit Kindern, dem Übergang in den Ruhestand und Tipps für die Renovierung des trauten Eigenheims. Damit der Leser sich bei diesem Übermaß an wohlfeilen Ratschlägen nicht langweilt, füllt Hickmann jede Kolumne mit rhetorischen Fragen („Was hätte ich denn tun sollen?“) sinnentleerten Floskeln („Die Liebe kreist um uns alle“, „Der Ton macht die Musik“) und überflüssigen Leseransprachen („Sie sehen, es kommt eben darauf an, in welcher Verfassung man ist.“).

Die Titelfrage bleibt unbeantwortet

Sexualität im Alter ist für Betroffene sicherlich ein wichtiges Thema. Eines, mit dem sich eine älter werdende Gesellschaft wahrscheinlich auch immer mehr auseinandersetzen muss. Über die Herangehensweise kann man unterschiedlicher Meinung sein, doch wenn ein Autor mit diesem Thema auch jüngere Leser ansprechen will, sollte er es auf einem anderen Weg tun. Weniger „aus dem Nähkästchen plaudernd“, weniger „über Romantik schwadronierend.“

Ob die Autorin noch Sex hat, erfährt der Leser indes nicht. Das hat sie nicht einmal ihrer erwachsenen Enkelin erzählt, die ihr diese Frage gestellt hat.