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Lobby-Vorwürfe – Warum Frank Plasbergs Image leidet

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Semi-Final Round Of Judging For the 43rd International Emmy Awards In Cologne Foto: getty
Versicherungsdeal zwischen Plasbergs Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann hat Folgen für den Moderator – auch wenn er ihn nicht direkt betrifft.

Düsseldorf/Köln. 

Knapp daneben ist auch daneben. Eine Binse, sicher. Und dennoch stimmt sie – zumindest im Fall Frank Plasberg. Was war passiert?

Plasbergs Ehefrau und Kollegin Anne Gesthuysen hatte sich für den Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) als Moderatorin für dessen Jahrestagung anheuern lassen. Beworben wurde die Veranstaltung von der Düsseldorfer Produktionsfirma Ansager & Schnipselmann – dummerweise mit dem Briefkopf des ARD-Talks „Hart, aber fair“.

Darin wurde die 45-Jährige als bekannte ARD-Moderatorin angepriesen. Der Deal zwischen Ansager & Schnipselmann und der Versicherungslobby beinhaltete obendrein einen Auftrag für einen wohlwollenden Themenfilm.

Sicher, Anne Gesthuysen darf bei einem Branchenverband auftreten. Denn Plasbergs Ehefrau ist eben keine Moderatorin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mehr, weder für die ARD noch für den WDR.

Sie zog sich Ende vorigen Jahres zurück, um – wie es hieß – Romane zu schreiben. Dementsprechend ist keine Interessenskollision zwischen journalistischem Auftrag und den Interessen einer Lobby zu befürchten.

Wäre da nicht die Verquickung zwischen GDV und der Produktionsfirma, die „Hart, aber fair“ verantwortet.

Der WDR reagierte alarmiert

Der Fakt blieb unbestritten. In einer ersten Reaktion präsentierte Plasbergs Geschäftspartner Jürgen Schulte zunächst eine laue Erklärung für den Vorfall: „In der langen ,Hart, aber fair’-Sommerpause werden auch Mitarbeiter dieser Redaktion eingesetzt, um andere Produktionen zu unterstützen.“ Das klingt nicht nach einem Einzelfall.

Schulte räumte ein, ihm sei als Geschäftsführer nicht aufgefallen, dass bei der Werbung für die GDV-Veranstaltung der Briefkopf von Ansager & Schnipselmann verwendet worden sei.

Plasberg selbst hat mit der Sache direkt nichts zu tun.

Dennoch reagierte der WDR alarmiert. Er rügte das Vorgehen von Ansager & Schnipselmann und verbat sich eine Wiederholung von derlei Aktionen.

Es geht um Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit

Mit gutem Grund: Das größte Kapital einer Sendung wie „Hart, aber fair“ ist die Glaubwürdigkeit. Und das Gesicht der Talkshow muss die Unabhängigkeit des Formats von fremden Interessen – egal ob persönlich oder institutionell – überzeugend verkörpern. Der Moderator muss unbestechlicher Anwalt des Publikums sein, nicht mehr und nicht weniger.

Das lässt sich die ARD einiges kosten. Nach Berechnungen der Finanzkommission KEF ist „Hart, aber fair“ die zweitteuerste Talkshow im deutschen Fernsehen – nach „Günther Jauch“. Demnach kostete eine Sendeminute vor drei Jahren 2796 Euro. Eine Ausgabe dauert 75 Minuten. Bei 33 Sendungen im Jahr beträgt der Redaktionsetat 6,92 Millionen Euro.

So trifft die Schelte am GDV-Paket weniger Anne Gesthuysen als ihren weitaus bekannteren Ehemann Frank Plasberg. Er muss jetzt den Image-Schaden begrenzen. Wie, blieb zunächst offen. Eine Anfrage unserer Redaktion, teilte Jürgen Schulte mit, könne er am Dienstag „nicht mehr beantworten“.