Linienrichter totgetreten - Teenagern drohen zwei Jahre Haft

Helmut Hetzel
Die Ehefrau und der Sohn des tot geprügellten Liniienrichters Richard van Nieuwenhuizen vor dem Strafgericht im niederländischen Lelystad,
Die Ehefrau und der Sohn des tot geprügellten Liniienrichters Richard van Nieuwenhuizen vor dem Strafgericht im niederländischen Lelystad,
Foto: Robin Van Lonkhuijsen
Bei einem Fußballspiel in den Niederlanden gehen sieben jugendliche Spieler und ein 50-jähriger auf den Linienrichter los. Sie prügeln und treten auf ihn ein. Einen Tag später stirbt der Mann. Jetzt hat in Lelystad der Prozess begonnen. Den Angeklagten drohen zwei Jahre Haft.

Lelystad. In den Niederlanden hat der mit Spannung erwartete Prozess gegen acht mutmaßliche Totschläger begonnen. Sie hatten nach einem Fußballspiel den 41-jährigen Linienrichter Richard Nieuwenhuizen getreten und geschlagen und müssen sich in Lely­stad nun wegen Totschlags verantworten: Der Vater von drei Kindern starb einen Tag nach der Attacke.

Sieben der acht Angeklagten sind minderjährig. Ein 50-jähriger Angeklagter ist der Vater eines der Jugendlichen.

Der gewaltsame Tod des Linienrichters hatte in den Niederlanden Entsetzen ausgelöst. Der Sohn des Getöteten, Mykel (15), der für die „Buiten­boys“ spielte, musste mit ansehen, wie sein Vater erschlagen wurde. Seine Hilfe und die seiner Mitspieler kam zu spät.

Die Jungen im Alter von 16 und 17 Jahren spielten bei der B-Jugend des Amsterdamer Clubs Nieuw Sloten gegen ein Team der Buitenboys aus Almere bei Amsterdam. Die Amsterdamer sollen mit einer Entscheidung des Linienrichters nicht einverstanden gewesen sein und ihn daraufhin angegriffen haben. Der 50-Jährige habe mitgemacht.

Gutachterstreit über angeblicheVorerkrankung des Linienrichters

Gutachter betonten zum Prozessauftakt, dass Richard Nieuwenhuizen durch die Gewalt getötet worden sei. Schläge oder Tritte gegen den Kopf hätten zu einem Platzen seiner Halsschlagader geführt.

Ein britischer Experte, der in Kanada lehrende Pathologe Christopher Milroy, hatte dagegen im Auftrag eines Verteidigers festgestellt, dass Nieuwenhuizen einen genetischen Defekt an der Schlagader aufgewiesen habe, der in seltenen Fällen zum Tod führen könne und damit im Vorfeld versucht, die Angeklagten zu entlasten.

Bela Kubat, der Arzt, der im Namen des ,,Niederländischen Forensischen Instituts‘‘ den Leichnam des Linienrichters obduziert hatte, sagte dagegen im Gerichtssaal aus, Nieuwenhuizen habe keineswegs unter einer solchen Vorerkrankung gelitten. In seinem Gutachten vor Gericht stellte Kubat zweifelsfrei fest, dass der Linienrichter an den Folgen der Schläge und Tritte gestorben sei.

Milroy blieb bei seiner Behauptung. Er berief sich dabei auf den Obduktionsbefund, wonach der Linienrichter durch „einen Riss in der Halsschlagader“ gestorben sei. Andere Gutachter wiederum teilen die Meinung Kubats.

Strafen zwischen zweiund 15 Jahren möglich

Der niederländische Fußballverband KNVB hatte nach dem Gewaltakt im Dezember vergangenen Jahres alle Amateur-Fußballspiele für eine Woche abgesagt. Er gab eine Erklärung heraus, in der es hieß: „Was in Almere geschehen ist, das ist entsetzlich für die Familie des Linienrichters, aber auch für den gesamten niederländischen Fußball.“ Frank de Boer, Trainer von Ajax Amsterdam, sagte in einem Interview: „Man kann nicht glauben, dass so etwas passiert. Man fragt sich, was für Eltern haben diese sechzehn-, siebzehnjährigen Jungs?“ 12 000 Menschen nahmen im Dezember an einem Trauermarsch für Richard Nieuwenhuizen teil.

Der Prozess soll am 3. Juni enden. Den minderjährigen Angeklagten drohen Jugendstrafen von bis zu zwei Jahren. Der erwachsene Angeklagte könnte zu maximal 15 Jahren Haft verurteilt werden.