Letzte Wernher-von-Braun-Schule in Deutschland legt Namen ab

Der deutsche Wissenschaftler und Raumfahrt-Visionär Wernher von Braun im Jahr 1971. Zuletzt wurden neue Einzelheiten über seine Aktivitäten im Nationalsozialismus bekannt. Bald ist in Deutschland keine Schule mehr nach Braun benannt.
Der deutsche Wissenschaftler und Raumfahrt-Visionär Wernher von Braun im Jahr 1971. Zuletzt wurden neue Einzelheiten über seine Aktivitäten im Nationalsozialismus bekannt. Bald ist in Deutschland keine Schule mehr nach Braun benannt.
Foto: getty
Die Wernher-von-Braun-Schule im hessischen Neuhof hat ihren Namen abgelegt. Das NSDAP-Mitglied sei "kein geeignetes Vorbild" für die Schüler.

Neuhof. Die letzte Wernher-von-Braun-Schule in Deutschland hat sich wegen der NS-Vergangenheit des Raketenpioniers einen neuen Namen ausgesucht. Die Schulkonferenz hat beschlossen, dass die Gesamtschule im osthessischen Neuhof nach dem Astronomen und Theologen Johannes Kepler (1571-1630) benannt werden soll. Dies sagte Schulleiter Markus Bente am Donnerstag und bestätigte einen Bericht der "Fuldaer Zeitung". Die Umbenennung erfolgt, wenn der Kreisausschuss zugestimmt hat, zum Halbjahreswechsel.

Von Braun sei "kein geeignetes Vorbild" für die Schüler, sagte Bente. Im Laufe der Jahre habe es eine kritische Auseinandersetzung mit dem Namensgeber gegeben. Der Raumfahrt-Visionär von Braun (1912-1977) hatte für die Nazis im Zweiten Weltkrieg die V2-Rakete entwickelt, die als Wunderwaffe gepriesen worden war.

Historische Forschungen hatten ergeben, dass von Braun - Mitglied von NSDAP und SS - mehr in die Misshandlung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern involviert gewesen sein soll als bisher angenommen. Bente zufolge ist die Schule in Neuhof die letzte in Deutschland, die den Namen trägt. Im vergangenen Jahr hatte sich zuletzt eine Schule gleichen Namens im bayerischen Friedberg bei Augsburg umbenannt. Der neue Namenspatron soll den Schülern als Identifikationsfigur dienen. (dpa)