Lebenslang für den „Maskenmann“

Frankfurt (Oder)..  Bei seinen Überfällen trug er eine Art Imkermaske: Im spektakulären Indizienprozess hat der Angeklagte eine lebenslange Haftstrafe bekommen. Die Richter am Landgericht Frankfurt (Oder) sahen es gestern als erwiesen an, dass Mario K. zwei Millionärsfamilien bei Berlin überfallen und einen Bankmanager entführt hatte. Sie verurteilten den „Maskenmann“ unter anderem wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubs. Die Verteidigung, die Freispruch verlangt hatte, legte noch am selben Tag Revision ein.

Der frühere Dachdecker hatte zu Prozessbeginn alles bestritten. Eindeutige Beweise gab es nicht. Doch der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs betonte: „All diese Indizien addieren sich zur Gesamtschau und führen uns zur Überzeugung, dass der Angeklagte der Täter dieser drei Taten war.“ Der vorbestrafte 47-Jährige muss zudem einem Wachmann, den er bei einem der Überfälle niederschoss, 250 000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Mann sitzt seitdem im Rollstuhl. Das Strafmaß entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Nach den Worten des Richters kundschaftete er südöstlich von Berlin Villengegenden aus. Sein Ziel: Einen Reichen entführen, um Lösegeld zu erpressen. 2012 gelang es dem „Maskenmann“, einen Bankmanager in seine Gewalt zu bringen und ihn mit einem Kajak auf eine nahe gelegene Schilfinsel zu verschleppen. Das Opfer konnte sich nach mehr als einem Tag befreien. Bereits im Jahr zuvor hatte der 47-Jährige zweimal Mitglieder einer anderen Millionärsfamilie überfallen. Der Täter knüppelte eine Frau nieder und schoss Monate später auf ihre Tochter. Das Gericht hält es für sehr wahrscheinlich, dass er die junge Frau entführen wollte. Sie konnte flüchten, weil ein Wachmann sie schützte. Der Täter wurde im Herbst 2013 in Berlin festgenommen.

Zweifel an Aussagen des Opfers

Bundesweites Aufsehen erregte der Kriminalfall auch, weil Kritik an der Ermittlerarbeit aufkam. Polizeibeamte hatten als Zeugen angegeben, dass sie nicht in alle Richtungen – etwa einer fingierten Entführung – hätten ermitteln dürfen. Ihre Chefs bestritten das. Eine Kriminologin äußerte Zweifel an den Aussagen des entführten Bankmanagers. Richter Fuchs machte indes deutlich: „Der Schilderung des Geschädigten schenken wir in vollem Umfang Glauben.“

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