Krawalle im Ashram – indischer Guru weist Mordvorwurf zurück

Baba Rampal bei seiner Festnahme. Er soll Menschen zu Gewalttaten angestiftet haben.
Baba Rampal bei seiner Festnahme. Er soll Menschen zu Gewalttaten angestiftet haben.
Foto: dpa
Ein wegen Mordes angeklagter indischer Guru hat die Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. „Ich bin unschuldig. Alle Anschuldigungen gegen mich sind haltlos“, sagte der Guru Baba Rampal zu Reportern. Laut Polizei soll er im Jahr 2006 seine Anhänger angewiesen haben, auf Dorfbewohner zu schießen.

Bangkok. Die rechte Hand erhoben, der Zeigefinger berührt den Daumen – der selbst ernannte Heilige Sant Rampal gibt bei seiner Festnahme in der Nacht zum Donnerstag den Gottesmann – getreu seiner eigenen Lehre: „Man muss den Charakter eines großen Guru verstehen, um Heilige und vermeintliche Heilige zu unterscheiden.“

Bis vor wenigen Tagen war Guru Baba Rampal der Herrscher seiner eigenen kleinen Welt: Er hatte sich ein Anwesen gebaut, nicht einmal 200 Kilometer von der Hauptstadt Neu-Delhi entfernt. Zehntausende kamen zu ihm. Er predigte, dass Singen und Tanzen genauso verboten sind wie Tabak und Alkohol. Die Strafe dafür: „70-mal als Hund wiedergeboren werden.“

Doch nun brach die Polizei mit Baggern in seinen Ashram ein, also in sein religiöses Anwesen. Sie nahm den 63-Jährigen fest und sperrte ihn hinter Gitter.

Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilder

Hunderte Anhänger des umjubelten Guru attackierten die Beamten mit Steinen, Säurebeuteln und Molotowcocktails. Einige sollen Schusswaffen dabei gehabt haben. Die Ashram-Bewohner sollen außerdem Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht haben.

Insgesamt gab es bei den schweren Zusammenstößen 190 Verletzte, davon mehr als hundert Beamte. In der Anlage des Gurus wurden anschließend vier tote Frauen sowie die Leiche eines Kleinkindes entdeckt. Eine weitere Anhängerin des Gurus starb im Krankenhaus.

„Manche Kultführer erliegen der Versuchung, selbst zu glauben, was sie ihren fanatischen Anhängern erzählen“, schrieb die indische Tageszeitung „The Hindu“ über den Guru aus dem Bundesstaat Haryana. Er fühlte sich in seinem Tempel sicher, weil die Polizei ihn seit dem Jahr 2006 in Ruhe gelassen hatte.

Verfahren seit acht Jahren

Dabei hielt der Heilige Mann es 42-mal für unnötig, Vorladungen eines Gerichts zu folgen. Gegen Rampal läuft seit acht Jahren ein Verfahren, weil eine Person bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und den Leuten eines anderen Sektenführers getötet wurde.

Denn Rampal, der es als Beamter nicht weit brachte, betrachtet sich als Wiedergeburt des Sufi-Dichters Kabir aus dem 16. Jahrhundert. Er sieht sich als Verkörperung eines einzigen Gottes für Hindus, Moslems und andere Religionen. Daraus leitet er das Recht ab, Führer der unzähligen anderen Kulte Indiens öffentlich heftig zu attackieren und zu beschimpfen. Rampal hatte freilich die Rechnung ohne ein Gericht gemacht, das schließlich die Festnahme und Vorführung des Gurus anordnete. Mit seinem Starrsinn hoffte der kleine, unbedeutende Kultchef Ruhm und neue Anhänger zu gewinnen.

Gurus für Reiche und Arme

Rampal ist nur einer von Tausenden Gurus in Indien. Dabei gibt es welche für Reiche und Arme. Manche versprechen Zehntausenden Kranken, sie zu heilen, andere erzählen Film- und Sport-Stars, wie sie noch erfolgreicher werden.

Yoga-Guru Dhirendra Brahmachari etwa war ein Vertrauter der früheren Premierministerin Indira Gandhi. Und Baba Ramdev, der für die jetzige Regierung Wahlkampf betrieben hatte, erhielt gerade VIP-Personenschutz.

Viele dieser spirituellen Anführer sind auch erfolgreiche Geschäftsmänner. Sie verkaufen Yoga-Unterricht und Kurse, Bücher und DVDs, ayurvedische Medizin und andere Gesundheitsprodukte.

 
 

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