"Komasaufen" bleibt ein Trend

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Berlin. Exzessives Trinken ist bei Kindern und Jugendlichen weiter sehr verbreitet. Rund 23.000 alkoholisierte junge Menschen wurden im letzten Jahr ins Krankenhaus eingeliefert - teil bewusstlos. Der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing macht auch die zunehmende Online-Abhängigkeit Sorgen.

Gefährliche Experimente mit Alkohol: Von den Zwölf- bis Siebzehnjährigen betrinkt sich jeder fünfte einmal im Monat. Für fast genau so viele gehört der wöchentliche Konsum von Bier, Wein oder Schnaps zum Alltag, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, am Montag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts in Berlin mitteilte. Vergangenes Jahr kamen mehr als 23.000 Kinder und Jugendliche mit Vollrausch und teils bewusstlos ins Krankenhaus.

Insgesamt geht der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis dem Drogen- und Suchtbericht 2009 zufolge jedoch zurück. Viele selbst gesteckte Ziele seien erreicht worden, bilanzierte Bätzing nach dreieinhalb Jahren im Amt. Dies sei jedoch kein Grund zur Entwarnung. Im internationalen Vergleich blieben die deutschen Zahlen «unheimlich hoch». Außerdem mangele es am Vollzug des Jugendschutzgesetzes, weil Kinder und Jugendliche noch immer leicht an Tabak und harten Alkohol kämen.

Der Studie zufolge rauchen rund 15 Prozent der Zwölf- bis Siebzehnjährigen regelmäßig - dagegen greifen etwa 60 Prozent nie zur Zigarette. Das Nichtraucherschutzgesetz führe dazu, dass Nichtrauchen «zum Normalfall in der Gesellschaft» werde, meinte Bätzing. Zu Cannabis griffen lediglich 2,3 Prozent der Zwölf- bis 25-Jährigen regelmäßig.

Bätzing kritisiert von der Leyen und Aigner

Enttäuscht äußerte sich die SPD-Politikerin Bätzing über die Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Durch ihre Blockade gerate das nationale Aktionsprogramm zum Schutz Jugendlicher vor Alkohol- und Tabakmissbrauch in Gefahr. «Hier wird wahlpolitischen und wirtschaftlichen Interessen ein höherer Rang zugebilligt als dem Jugendschutz», kritisierte Bätzing.

Es sei ihr völlig unverständlich, warum längst abgestimmte Pläne wieder infrage gestellt würden. Aus den Ministerien käme seit Wochen nichts Konkretes mehr, sondern schlicht ein plattes Nein. Dabei sei sie längst Kompromisse eingegangen, etwa beim Verbot der Plakat-Werbung von Tabakprodukten oder einer effektiveren Kontrolle des Jugendschutzes.

Ersatzdroge Diamorphin bis zur Wahl durchboxen

Bis zur Bundestagswahl will Bätzing durchsetzen, dass in ganz Deutschland künstliches Heroin als Ersatzdroge an schwer Suchtkranke ausgegeben werden darf. Die Union ist gegen eine flächendeckende Einführung des sogenannten Diamorphins und für fortgesetzte Modellprojekte in ausgewählten Städten.

Diamorphin sei eine Überlebenshilfe für viele Schwerstabhängige, sagte Bätzing. 1.449 Menschen starben 2008 durch den Konsum illegaler Drogen. Grund waren meist eine Überdosis oder eine miserable Gesundheit nach jahrelanger Sucht. «Es gelingt uns mit der Behandlung, die Personen wieder sozial zu integrieren», meinte Bätzing. Es sei deshalb ethisch und christlich verwerflich, Süchtigen die Ersatzdroge vorzuenthalten. (ap/ddp)

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