Knöllchen für deutschen Weihnachtsbaum vor Windsor Castle

Ein eigens beschrifteter Lkw brachte den Baum als Geschenk ans Windsor Castle, und auch die Begleitfahrzeuge waren eindeutig und auf Englisch beschriftet. Nutzte nichts: Am Schloss der Queen gab es Knöllchen.
Ein eigens beschrifteter Lkw brachte den Baum als Geschenk ans Windsor Castle, und auch die Begleitfahrzeuge waren eindeutig und auf Englisch beschriftet. Nutzte nichts: Am Schloss der Queen gab es Knöllchen.
Foto: dpa
Peinlich berührte Briten: Die Queen bekam einen deutschen Weihnachtsbaum geschenkt, und überkorrekte Politessen schrieben Knöllchen.

Coburg/Windsor.. Ein besonders schöner Baum aus dem Coburger Wald war es. 1000 Kilometer weit hatte die Delegation aus der fränkischen Stadt das Geschenk für die Queen zum Windsor Castle nach Großbritannien gefahren – um dann dort zwei Knöllchen zu bekommen.

Übereifrige Vollzugsbeamte wollten die deutsche Delegation bestrafen, die der Queen den Weihnachtsbaum brachte. Der Ort Windsor hat sich offiziell entschuldigt, in England löste die Strafe für die deutschen Gäste ein Rauschen im Blätterwald aus.

„Christmas tree express for the Queen“

In Windsor wird der schöne Weihnachtsbaum vor dem Schloss der Royals vielfach bestaunt: Die Nordmanntanne, die mit 2000 eigens für die Queen gefertigten Kugeln aus der Thüringer Glasbläserstadt Lauscha geschmückt ist, stammt aus dem Bestand des Herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Nach einem halben Jahr Vorbereitung, dem Transport auf die Insel und dem Dekorieren dort brennen jetzt die Lichter am Baum.

Übergroß und in Englisch hatte auf dem Lkw, einem Kleinbus und dem Begleitfahrzeug auch gestanden, worum es bei dem Transport ging: „Christmas tree express for the Queen“ – der Weihnachtsbaum-Express für die englische Königin.

Deutsche nahmen es entspannt

Doch irgendwer in Windsor hatte die Beschriftung nicht gelesen oder nicht mitgedacht: Strafzettel über 25 und 35 britische Pfund (rund 29 bzw. 41 Euro) hingen am Mercedes Sprinter und am Mini, wie Michael Selzer von der Stadtverwaltung Coburg unserer Redaktion bestätigte.

„Verständlicherweise wütend“, wie die englische Presse berichtete, sei man nicht gewesen. „Von unserer Seite gab es da überhaupt kein Problem, weil der Citymanager uns von Anfang an gesagt hat, dass er sich darum kümmert, sollten wir einen Strafzettel bekommen.“

Keine Parkmöglichkeiten vorhanden

Die Befürchtung des englischen Gastgebers bewahrheitete sich. Bevor die deutschen Weihnachtsbaumboten letzte Hand an den Baum anlegen konnten, hatten sie die Knöllchen.

Es sei unglücklich gelaufen, sagte Windsor-Citymanager Paul Roach dem „Windsor Express“: Man habe die deutsche Delegation um Entschuldigung gebeten. „Grundsätzlich waren die Strafzettel ja berechtigt“, sagt Selzer. „Unter dem Strich hat die Parküberwachung in Windsor nur ihren Job gemacht.“ Im direkten Umfeld des Baums und des Hotels habe es aber keine andere Parkmöglichkeit gegeben. „Es war wohl ein Kommunikationsproblem in der Stadtverwaltung, aber bei uns hat das nicht zu Verstimmung geführt. Viel Wind um nichts.“

Enge Verbindungen nach Coburg

Im April hatte die Queen das Angebot angenommen, sich den Baum aus Coburg schenken zu lassen. Die britischen Royals und das Herzogliche Haus in Deutschland sind eng verwandt. Der Ur-Ur-Großvater von Elizabeth II. war Prinz Albert aus dem deutschen Herzoghaus, dessen Namen die britischen Royals bis 1917 trugen. Im Ersten Weltkrieg, als sich Deutschland und England als verfeindete Mächte gegenüberstanden, benannten sie sich in Windsor um.

 
 

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