Mutter und Kleinkind in S-Bahnhof erstochen: Vater in Haft

Rettungskräfte an der U-Bahnstation Jungfernstieg in Hamburg, wo sich die tödliche Attacke ereignete.
Rettungskräfte an der U-Bahnstation Jungfernstieg in Hamburg, wo sich die tödliche Attacke ereignete.
Foto: Elisabeth Jessen
Er soll seine Ex-Frau und sein kleines Kind mitten in der Hamburg City erstochen haben: Die Polizei hat einen 33-Jährigen festgenommen.

Hamburg.  Grausames Verbrechen mitten in Hamburg: Ein Kleinkind und seine Mutter sind bei einem Messerangriff an einem belebten Bahnsteig am Jungfernstieg getötet worden. Der Ex-Mann der 34-jährigen Deutschen wurde am Donnerstag als Verdächtiger festgenommen – er war auch der Vater des einjährigen Mädchens.

Die Hintergründe der Gewalttat waren noch unklar. Der 33-Jährige aus dem Niger habe „sehr gezielt und sehr massiv“ auf seine beiden Opfer eingestochen, sagte Polizeisprecher Timo Zill. Die Tatwaffe sei noch nicht gefunden.

Mutmaßlicher Täter wählte selbst den Notruf

Der Verdächtige hatte laut Polizei selbst den Notruf gewählt, dieser erreichte die Polizei gegen 10.50 Uhr. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen. Das Kind starb noch am Tatort. Die Mutter erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus.

Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Aber: „Viele Details sind momentan noch für uns völlig unklar“, sagte Zill. Seinen Angaben zufolge waren zum Zeitpunkt der Tat zahlreiche Menschen am Bahnhof. Es gebe deshalb viele Zeugen, die befragt würden. Ein Kriseninterventionsteam sei vor Ort. Die Auswertung von Videos dauere an.

Mehrere Prozesse wegen Gewalttaten mit Messern

Später hat die Polizei die Tatwaffe gefunden. Sie sei auf dem Fluchtweg des 33-Jährigen in einem Mülleimer im Bahnhof sichergestellt worden, teilte die Polizei mit. Um welche Art Waffe es sich handelt, blieb unklar. Zuvor hatte ein Polizeisprecher von einem Messer gesprochen.

Nach der Attacke haben sich die Behörden der Geschwister des Kindes angenommen. „Meine Gedanken sind bei den Geschwistern, um die sich der Kinder- und Jugendnotdienst nun liebevoll kümmern wird“, twitterte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Donnerstag. Ein Sprecher der Behörde bestätigte, dass es mehrere Geschwisterkinder gebe. Die Senatorin äußerte ihre Betroffenheit: „Die abscheuliche Tat am Jungfernstieg bestürzt uns alle. Auch mich macht sie fassungslos und wütend.“

In jüngster Zeit hatten mehrere mit Messern verübte Beziehungstaten große Bestürzung ausgelöst. Im Oktober tötete ein Pakistaner seine zweijährige Tochter im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek. Vor Gericht gestand er die Tat, der Prozess läuft noch. Im März wurde in Flensburg eine 17-Jährige erstochen, ihr Freund, ein 18-jähriger Flüchtling aus Afghanistan, steht unter Tatverdacht.

In Kiel läuft zurzeit ein Prozess gegen einen 40-jährigen Türken, der seine 34 Jahre alte Frau mit 23 Messerstichen auf offener Straße erstochen haben soll. Eines der drei gemeinsamen Kinder musste die Tat mit ansehen. Das Urteil wird am 24. April erwartet.

In Freiburg (Baden-Württemberg) steht derzeit ein 53-jähriger Deutscher algerischer Herkunft vor Gericht, weil er seine Ex-Freundin und den gemeinsamen Sohn am 28. Juli 2017 vor einer Tiefgarage in Teningen mit einem Küchenmesser getötet haben soll. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN