Kinderfernsehen ist Männersache

Männer mit Maus: Ralph Caspers, Armin Maiwald, Christoph Biemann und „Frag doch mal die Maus“-Moderator Eckhard von Hirschhausen (v. l.) Foto: WDR
Männer mit Maus: Ralph Caspers, Armin Maiwald, Christoph Biemann und „Frag doch mal die Maus“-Moderator Eckhard von Hirschhausen (v. l.) Foto: WDR
Eine Münchner Studie belegt: Erklären ist Männersache, vor allem im Fernsehen. Selbst bei der „Sendung mit der Maus“ ist unter der Moderatoren-Regie keine einzige Frau. Dabei wollen nur Jungen Moderatoren.

Essen.. Das deutsche Kinderfernsehens gilt als das beste der Welt. Dabei fällt auf: Die Welterklärer fürs junge Publikum sind durchweg Männer. Aber wen wünschen sich Mädchen und Jungen wirklich? Genau dieser Frage ging eine Münchner Studie nach und kam zu verblüffenden Ergebnissen.

„Die Sendung mit der Maus“ gilt als Ikone des deutschen Kinderfernsehens. Wohl jeder ist bereit, diesem Klassiker im Ersten und im Kinderkanal Ki.Ka das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ zu verpassen. Die Erklärbeiträge sind so gut, dass sie der ProSieben-Sendung „Galileo“ als Blaupause dienten. Doch bei der Moderatoren-Riege fällt auf: Neben Armin Maiwald, Christoph Biemann und Ralph Caspers gibt es keine einzige Frau.

Kein Einzelfall. Frauen führen das junge TV-Publikum selten ins Land des Wissens. Shary Reeves („Wissen macht Ah!“) und Christine Henning („Du bist kein Werwolf“), beide Co-Moderatorinnen an der Seite von Ralph Caspers, sind die Ausnahme. Nicht nur bei den Öffentlich-Rechtlichen: Das „Galileo“-Team besteht aus Aiman Abdallah, Stefan Gödde und Felix Nunn. Eva Mähl ist die Alibi-Frau.

Das Münchner Institut IZI befragte mehr als 2800 Kinder zwischen sieben und zehn Jahren in 24 Ländern danach, wer sie im Fernsehen schlau machen soll. Dabei kam heraus: Sowohl Mädchen als auch Jungen wollen mit übergroßer Mehrheit – jeweils 85 Prozent - Moderatoren ihres Geschlechts.

Die Studie wollte zudem wissen, wie die ideale Moderatorin, der ideale Moderator aussehen soll. Das Ergebnis: Kinder, die äußerlich einem gesellschaftlichen Ideal entsprechen, wollen sich in den Moderatoren wiedererkennen. Das gilt für Kinder mit blonden Haaren, blasser Haut und blauen Augen wie für Mädchen und Jungen mit asiatischem Hintergrund.

Anders jedoch sieht es bei Kindern aus afrikanischen Familien auf. In Nigeria, beispielsweise, war sich die Fernsehjugend durchaus nicht sicher, ob sie sich von einem schwarzen Moderator etwas zeigen oder erklären lassen wollen.

TV-Programmchefs sind gefragt

Die Studie versucht eine Erklärung dieses Befundes. Sie führt das Ergebnis darauf zurück, dass es für afrikanische Kinder kaum Entkommen vor US-Produktionen gibt. Dort erklären Schwarze selten.

Wenig verwunderlich setzt das IZI die Studie als medienpolitisches Instrument ein, auch wenn Institutschefin Maya Götz ihre Forderungen in Frageform kleidet: „Warum kann nicht eine kompetente Frau Ende 40 Kindern in der ,Sendung mit der Maus’ Technik erklären?“ Antworten können die TV-Programmchefs geben. Moderatorinnen im Kinderfernsehen sind überfällig. Schließlich stoßen Kinder in der Grundschule zunächst einmal auf Lehrerinnen.

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