Kinder ertrinken in Löschteich – Die Frage nach dem Warum

Neukirchen steht unter Schock: Am Samstag ertranken in einem Löschteich drei Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren.
Neukirchen steht unter Schock: Am Samstag ertranken in einem Löschteich drei Geschwister im Alter von fünf, acht und neun Jahren.
Foto: dpa
Drei Kinder ertrinken in einem Teich. Warum es dazu kam, ist noch unklar. Doch bereits jedes zweite Kind ist kein sicherer Schwimmer.

Neukirchen. Nach dem Tod dreier Geschwister in einem Löschteich im nordhessischen Neukirchen gibt es keine neuen Erkenntnisse zum Grund für das Unglück. Als nächstes würden die Opfer obduziert, teilt die Polizei mit. Im Raum steht weiterhin die Frage, ob die Kinder schwimmen konnten oder nicht. Die Polizei wollte sich gegenüber unserer Redaktion dazu nicht äußern. So spiele die Beantwortung dieser Frage vorerst keine Rolle. „Selbst wenn die Kinder schwimmen konnten, wäre es schwierig gewesen aus dem Teich rauszukommen“, sagte ein Sprecher der Polizei. So sei der Rand des Gewässers sehr rutschig.

In unbewachten Binnengewässern wie Flüssen, Seen und Teichen ertranken 2015 die meisten Menschen. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) waren es 387 Menschen – fast 80 Prozent aller Ertrunkenen insgesamt.

Ein Problem dabei bleibt: „Etwa jedes zweite Kind ist nach Ende der Grundschulzeit kein sicherer Schwimmer“, sagte ein Sprecher der DLRG unser Redaktion. Die betroffenen Kinder hätten – wenn überhaupt – das Schwimmabzeichen Seepferdchen erreicht. Das ergab eine repräsentative Umfrage der DLRG aus dem Jahr 2010.

Die Schwimmfähigkeit unter den in Deutschland lebenden Flüchtlingen sei sogar noch deutlich geringer, so der Sprecher weiter. Die Flüchtlinge stellen derzeit eine Risikogruppe dar. So sind 2015 insgesamt 27 Asylsuchende ertrunken.

Mit fünf Jahren mit Schwimmtraining beginnen

Gründe für die schlechten Schwimmfähigkeiten von Kindern gibt es viele, sagt der DLRG-Sprecher. Die Schulen haben keinen oder nur einen schlechten Zugang zu Bädern, viele Einrichtungen seien in den letzten Jahren auch geschlossen worden. Dazu seien die Kapazitäten an Schwimmausbildern gering.

Doch um Unglücke zu verhindern, sei es wichtig, das Schwimmen so früh wie möglich zu lernen.“ Je früher man anfängt, desto besser“, sagt der DLRG-Experte. Bereits mit fünf Jahren könnten Kinder beginnen. Aber auch als Erwachsener könnte man mit dem Training einsteigen. Die Schwimmkurse dienten dabei auch als Prävention, so würden die Kinder viel über Gefahren und den Umgang damit lernen. „Grundsätzlich sollten Kinder nur unter Aufsicht der Eltern und nicht alleine ins Wasser gehen.“

Kinder waren Samstagabend tot aus Teich geborgen worden

Warum es zu dem tödlichen Drama in Neukirchen kam, bleibt unklar. Bürgermeister Klemens Olbrich kündigte an, wichtige Fragen zu klären: „Drei Punkte sind zu klären: eine mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht, die Frage nach dem Schwimmunterricht und was nun mit dem Teich, der Brandschutzzwecken dient, geschieht.“

Die drei ertrunkenen Kinder im Alter von fünf, acht und neun Jahren waren am Samstagabend tot aus dem frei zugänglichen Teich geborgen worden. Den Angaben zufolge hatte der elf Jahre alte Bruder seine Geschwister zunächst gesucht und den Fünfjährigen im Wasser entdeckt. Daraufhin alarmierte er Menschen aus der Nachbarschaft. Später konnten Rettungstaucher die anderen beiden Kinder nur noch tot aus dem Wasser bergen.

Polizei, Feuerwehr und Freiwillige hatten in der Dämmerung mehr als eine Stunde lang nach den beiden Kindern gesucht. Schon am Wochenende sprachen die Ermittler von einem Unglück und schlossen Fremdverschulden aus.

Der Löschteich liegt im Ortsteil Seigertshausen, in dem knapp 700 Einwohner leben. An dem 40 Meter breiten Teich steht ein Warnschild mit der Aufschrift: „Teichanlage. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder.“ An seiner tiefsten Stelle ist der Teich zwei Meter tief. Wo sich die Eltern der Kinder zum Zeitpunkt des Unglücks befanden und ob sie womöglich ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, sagte ein Polizeisprecher zunächst nicht.

Viele Dorfbewohner halfen bei der Suche nach den Kindern

Bürgermeister Olbrich sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Ort herrsche „große Betroffenheit“. Noch nie sei so etwas an dem nicht eingezäunten Teich passiert. Die betroffene Familie ist laut Olbrich vor einem Jahr aus Saarbrücken nach Nordhessen gezogen und hat einen syrisch-kurdisch-türkischen Hintergrund. Die Kinder sind laut Polizei alle in Deutschland geboren.

Nach Angaben einer Augenzeugin half „das halbe Dorf“ bei der Suche nach den Kindern mit. „Alle waren in heller Aufregung“, sagte die Frau, die die Kinder persönlich kannte. „Das ganze Dorf steht unter Schock, die Stimmung ist eine Katastrophe.“ Um die betroffene Familie kümmerte sich ein Mitglied einer muslimischen Gemeinde aus der Gegend. (jha/dpa)

 
 

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