Keine Spur von Bernd, dem entührten Brot

Foto: ddp

Erfurt. Weiterhin gibt es keine Spur von der entführten Fernsehfigur Bernd das Brot. Das depressive Gebäck war in der Nacht zum Mittwoch von Unbekannten entführt worden. Verdächtige aus der Hausbesetzer-Szene stritten jede Verwicklung ab. Die Polizei gab an, den Vorfall ernst zu nehmen.

Große Sorge um «Bernd das Brot»: Von der beliebten Figur des Kinderkanals (KiKa), die in der Nacht zum Mittwoch vor dem Erfurter Rathaus verschleppt wurde, fehlte am Freitag weiter jede Spur. Eine Gruppe von Hausbesetzern, die mit dem Verschwinden des depressiven Kastenweißbrots in Verbindung gebracht wurde, dementierte eine Verwicklung. Der Erfinder der mit einem Grimme-Preis ausgezeichneten TV-Kultfigur, Thomas Krappweis, appellierte an die Entführer, Bernd freizulassen.

Polizei nimmt den Vorfall ernst

«Wir haben bisher noch keine Spur», sagte Polizeisprecher Manfred Etzel am Freitag. Man nehme den Vorfall ernst. Auf der Internet-Videoplattform YouTube war ein «Bekennervideo» zu sehen, in dem behauptet wurde, die gut zwei Meter hohe Figur aus Plaste sei von Jugendlichen entwendet worden, die seit 2001 das Gelände der früheren Firma Topf & Söhne in Erfurt besetzt hielten.

Indessen dementierten die Hausbesetzer, etwas mit der «Entführung» zu tun zu haben. Im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) erklärten sie, die Aktion gehe wohl auf das Konto von Sympathisanten. Weiter hieß es, die Figur befinde sich nicht auf dem Gelände des besetzten Hauses, das demnächst geräumt werden soll.

Keine inszenierte PR-Aktion

Erfinder Krappweis appellierte an die Entführer, das kurzarmige Kastenbrot freizulassen. Der arme Kerl habe genug zu leiden, sagte Krappweis der «Süddeutschen Zeitung» vom Freitag. Die Kultfigur sei bereits beschmiert, umgeworfen und nun auch noch entführt worden.

«Entführungen, und seien es auch nur Entführungen von Brot, halte ich für das falsche Mittel, um politische Ziele durchzusetzen», sagte Krappweis. Es sei auch keine inszenierte PR-Aktion, davon hätte er gewusst. Offenbar habe ein Bernd-Fan das Video produziert, denn er habe Töne aus Folgen verwendet, die vor langer Zeit gesendet worden seien.

"Homo Brotus Depressivus"

«Bernd das Brot» ist seit dem Jahr 2000 im KiKa zu sehen. Richtig bekannt wurde er jedoch erst 2003, als der KiKa in der offiziell sendefreien Zeit von 21 bis 6 Uhr eine Schleife mit ausgesuchten Bernd-Filmen zeigte. Der kurzarmige Bernd - seine Hände befinden sich direkt an seinem Körper - gehört nach eigenen Aussagen der Gattung des «Homo Brotus Depressivus» (»depressiver Brot-Mensch») an.

Im Jahr 2004 wurde «Bernd das Brot» mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet, weil er nach Ansicht der Jury «das Recht auf schlechte Laune» vertritt. Er widersetze sich «stellvertretend für uns dem Gute-Laune-Terror, der unaufhörlich aus dem Fernseher dröhnt und quillt», hieß es in der Begründung. Der Preis wurde stellvertretend von Erfinder Krappweis entgegengenommen, weil Bernd selbst dem Vernehmen nach kein Interesse an der Auszeichnung hatte. (AP)

 
 

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