Keine Mager-Models mehr – Kodex für Modebranche

Düsseldorf. Die Bundesregierung strebt einen Kodex gegen übertriebenen Schlankheitswahn in der Modebranche an. Erste Gespräche führte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf der Düsseldorfer Modemesse Igedo Fashion Fairs.

Dazu kam sie mit Igedo-Geschäftsführer Frank Hartmann und weiteren Vertretern der Modebranche zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Initiative der Bundesregierung „Leben hat Gewicht“ und die Forderung, in Zukunft keine Mager-Models für Modeschauen einzusetzen.

Ziel der bereits im Dezember 2007 vorgestellten Initiative sei es, Verbündete zu finden, die bereit sind, sich an den Kodex zu halten und keine untergewichtigen Models mehr zu engagieren, so die Ministerin. Zu den Gesprächspartnern gehören Eltern, Lehrer, Erzieher, die Medien und die Werbe- und Modeindustrie. „Gesundheitliche Störungen gehen in der Regel mit psychischen Störungen einher“, erklärte Ulla Schmidt das Hauptproblem bei Essstörungen. Deswegen brauche es ein „Netz an Verantwortlichen“, das die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen und verändern kann. „Wir müssen die Vorbilder ändern und ein realistisches Maß finden“, so Schmidt.

Igedo-Geschäftsführer Frank Hartmann sprach sich für eine Unterstützung der Initiative aus. „Wir müssen etwas machen und aufklärerisch wirken. Deshalb unterstützen wir sehr gerne die Initiative der Bundesregierung“, so Hartmann. Die Igedo Company werde auch dabei mithelfen, „einen nationalen Kodex mit klar definierten Richtlinien auf die Beine zu stellen“, erläutert der Geschäftsführer. „Bisher hat sich die Igedo Company bei der Buchung von Models immer an ihren selbst definierten Richtlinien orientiert, bei denen die Gesundheit der Mädchen stets im Vordergrund stand“, beschreibt Frank Hartmann die bisherige Vorgehensweise.

„Schönheitsideale kann man beeinflussen“

Ulla Schmidt sieht auch Schwierigkeiten bei den Designern, für die es einfacher ist, Mode an extrem schlanken Models zu kreieren. „Die Designer müssen anfangen, sich denen zuzuwenden, die auch Konsumenten sind“, fordert sie. „Wir wollen nichts vorschreiben, doch Schönheitsideale kann man beeinflussen.“ Vor allen Dingen solle das Normalgewicht in der Medien, Mode- und Werbewelt wieder größere Bedeutung erlangen. Auch der Austausch soll in den nächsten Monaten verstärkt werden. „Das Ziel sind konkrete Vereinbarungen“, so die Ministerin. Frank Hartmann hofft, dass „der Kodex nicht die Kreativität und Inspiration der deutschen Modeindustrie beschneidet.“ Er aber dafür der „sozialen Verantwortung der Branche“ gerecht wird.

Ulla Schmidt appellierte auch an die Medien, das Bild „Schlankheit steht für Erfolg“ nicht weiter zu forcieren. „Krankhaftes Untergewicht ist genauso ein Problem wie Übergewicht“, so Schmidt. Deswegen sei es besonders wichtig, das Problem, der mehr als 600.000 Betroffenen, die in Deutschland an krankhaftem Untergewicht leiden, ernst zu nehmen und Ihnen neuen Mut zu machen.

„Magermodels gehören in Deutschland nicht zum Hauptproblem“

Die Igedo verzichtet im Normalfall auf Extrem-Models. Die Durchschnittsgrößen liegen in der Regel zwischen Größe 34 und 38. „Magermodels gehören in Deutschland nicht zum Hauptproblem“, so Hartmann. „Das Problem liegt vielmehr bei den internationalen Designern, die immer noch häufig auf Magermodels setzen, obwohl das Geld hauptsächlich dort verdient wird, wo der Durchschnitt angesiedelt ist.“

 
 

EURE FAVORITEN