Kanadier verfügte "Knöllchen bezahlen" als letzten Willen

Zahlen musste Patrick Niesink nichts: Er bekam das Knöllchen zurück.
Zahlen musste Patrick Niesink nichts: Er bekam das Knöllchen zurück.
Foto: Polizei
Der kanadische Sohn eines ausgewanderten Holländers wollte dessen 54 Jahre altes Bußgeld in Den Haag endlich begleichen – die Polizei erließ es ihm. Allerdings wollte die Haager Polizei eine Kopie des Strafzettels, um diese in ihr Archiv aufnehmen zu können – zusammen mit der Geschichte.

Den Haag. Elly Willems, die Polizeibeamtin, die zwischen den Jahren auf der Haager Polizeiwache ,,Haaglanden‘‘ Dienst schieben musste, hat es nicht bereut, dass sie arbeiten musste. Denn sie hatte ein Erlebnis der besonderen Art. Plötzlich stand Patrick Niesink (50) vor ihr. Der Mann aus Kanada war eigens aus Ottawa nach Den Haag gereist, um einen Strafzettel zu bezahlen, den die Polizei seinem niederländischen Vater Guus Niesink am 18. September 1958 aufgebrummt hatte.

Guus Niesink erhielt das ,,Knöllchen‘‘ weil er vor 54 Jahren mit einem Moped unterwegs war, dessen Bremsen nicht einwandfrei funktionierten. Doch er konnte nicht mehr vor dem Richter erscheinen, der das Bußgeld festsetzen sollte, weil er vier Tage später, am 22. September 1958 in Rotterdam an Bord der ,,Holland-Amerika-Lijn‘‘ ging, um nach Kanada auszuwandern.

Guus Niesink kehrte nie wieder in seine alte Heimat zurück. Er baute sich in Ottawa ein neues Leben auf, heiratete und bekam mit seiner Frau zwei Kinder, darunter Sohn Patrick. Seinen Bußgeldbescheid aus dem Jahr 1958 aber, den bewahrte er sein ganzes Leben lang auf. Er wollte ihn bezahlen.

Sohn reist in die Niederlande

Das schaffte er aber nicht mehr selbst. Vor einigen Wochen verstarb Guus Niesink in Ottawa. Auf seinem Totenbett bat er Patrick darum, ihm einen letzten Wunsch zu erfüllen. Er beauftragte ihn damit, das Bußgeld in den Niederlanden zu begleichen, wenn er das nächste Mal dort sei, sonst könne er nicht guten Gewissens sterben.

Über Weihnachten und Silvester reiste Patrick Niesink in die Niederlande, um Familienangehörige wiederzusehen und den letzten Willen seines Vaters zu erfüllen.

Zusammen mit seiner Freundin Maria, ebenfalls eine Tochter niederländischer Auswanderer, wollte er den Strafzettel zunächst auf einer Polizeiwache im Badeort Scheveningen bei Den Haag bezahlen. Doch die war über Weihnachten geschlossen.

Knöllchen aus dem Jahr 1958

In der Haager Innenstadt, auf der Wache ,,Haaglanden‘‘ fanden sie endlich offene Türen. Polizeibeamtin Elly Willems wusste erst gar nicht, was sie machen sollte, als sie das Knöllchen aus dem Jahr 1958 sah. Nach Rücksprache mit ihrem Vorgesetzen entschied dieser: Die Strafe ist längst verjährt. Patrick Niesink brauche sie nicht mehr zu bezahlen. Ihm gebühre eher ein Geschenk für seine Ehrlichkeit. Er dürfe den Strafzettel wieder mitnehmen, aber nur unter einer Bedingung: Die Haager Polizei möchte eine Kopie davon machen, um diese in ihr Archiv aufnehmen zu können – zusammen mit der Geschichte des Strafzettels, der nach 54 Jahren den Weg aus Kanada zurück nach Den Haag gefunden hat.

Patrick Niesink stimmte natürlich zu. In diesen Tagen kann er guten Gewissens wieder zurück nach Ottawa fliegen. Er hat den letzten Wunsch seines Vaters erfüllt.

 
 

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