Markus Lanz im ZDF: Autor äußert drastische Vorwürfe – „Könnte morgen aus der Welt geschafft werden“

Bei Markus Lanz hat Jean Ziegler einen kurzen Einblick in die Thematik seines neuen Buches gegeben. (Symbolfoto)
Bei Markus Lanz hat Jean Ziegler einen kurzen Einblick in die Thematik seines neuen Buches gegeben. (Symbolfoto)
Foto: imago/Sven Simon

Bei Markus Lanz waren am 21. März Malu Dreyer, Wolfram Weimer, Jean Ziegler und Alex Christensen zu Gast. Neben Themen wie der Respektrente und der chronischen Erkrankung von SPD-Politikerin Malu Dreyer, gab der emeritierte Professor für Soziologie Jean Ziegler einen kurzen Einblick in die Thematik seines neuen Buches.

Markus Lanz begrüßte „den letzten Kommunisten Europas“ in seiner Sendung. „Was ist so schlimm am Kapitalismus – Antworten auf die Fragen meiner Enkelin“ heißt sein neues Werk,

Markus Lanz hat Jean Ziegler zu Gast: „Von jedem, nach seinen Fähigkeiten, für jeden, nach seinen Bedürfnissen“

Im Gespräch mit Markus Lanz nennt der bekennende Kommunist zwei gravierende Beispiele, die überhaupt erst durch den Kapitalismus entstehen konnten.

Seine politische Haltung ist ganz im Sinne der Redewendung von Karl Marx: „Von jedem, nach seinen Fähigkeiten, für jeden, nach seinen Bedürfnissen. Ich denke das ist die Norm, die die Zivilisation bedeutet.“

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren

Von den Jahren 2000 bis 2008 war er UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Daher verwundert es nicht, dass er zunächst über eines der wahrscheinlich deutlichsten Probleme auf der Welt spricht: den Welthunger.

Laut der FAO (zu deutsch: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) verhungert alle fünf Sekunden ein Kind unter 10 Jahren.

12 Milliarden Menschen könnten problemlos ernährt werden

Derselbe Bericht, der die Opferzahlen bekannt gab, stellte außerdem fest, dass die Weltlandwirtschaft auf ihrem heutigen Standpunkt problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren könnte.

Zum Vergleich: Derzeit gibt es etwa 7,3 Milliarden Menschen auf der Welt. Das bedeutet, dass die Landwirtschaft in der Theorie fast doppelt so viele Menschen ernähren könnte.

------------------------------------

• Mehr Themen:

dm unter Druck: Drogerie Müller mit harter Aktion – Rossmann trifft es sogar noch schlimmer

Essen: Frau (18) stirbt bei McLaren-Crash auf der A52 – das kommt jetzt über den Fahrer (23) raus

• Top-News des Tages:

Rebecca Reusch (15) vermisst: Schwager ist frei – so reagiert die Familie

„Alarm für Cobra 11“: Kommissar steigt aus – der Grund ist wahrhaft beeindruckend

-------------------------------------

Nahrungsaufnahme darf nicht durch Kaufkraft bestimmt sein

Das kann allerdings nur gelingen, wenn Nahrungsaufnahme nicht durch die Kaufkraft bestimmt werden würde. Dann sagt Jean Ziegler einen seiner berühmtesten Sätze: „Ein Kind das am Hunger stirbt, wird ermordet.“

Markus Lanz stellt eine wichtige Frage: Wenn genug da ist, für 12 Milliarden, wie könnte das praktisch funktionieren? Wie könnte man 12 Milliarden Menschen zu ernähren?

Hunger ist menschengemacht

„Zuerst einmal ist Hunger menschengemacht und könnte morgen von Menschen aus der Welt geschafft werden.“

Er sieht Deutschland als die vitalste Demokratie des Kontinents und durch ihren Standpunkt als dritte Wirtschaftsmacht der Welt in der Lage, dagegen handeln zu können. Laut Ziegler gibt das Grundgesetz jedem Einzelnen die Waffen, die Strukturen, die den Welthunger hervorrufen, zu durchbrechen.

Elektrogeräte haben eine düstere Seite an sich

Ein wichtiger Punkt in diesem System ist ein Problem, das uns alle betrifft. Höchstwahrscheinlich auch dich, immerhin liest du gerade diesen Artikel.

Es geht um sogenannte Konfliktrohstoffe.

Kinderarbeit im Kongo

Im Kongo müssen vor allem Kinder unter widrigsten Bedingungen Coltan abbauen. Dabei handelt es sich um ein Mineral, welches in nahezu jedem Elektrogerät verwendet wird.

81% des weltweit verarbeiteten Coltans kommt aus diesen Gebieten. Da Coltan sich in sehr brüchigem Gestein befindet, müssen die Schächte enorm eng sein.

Kinder sind dazu gezwungen dieser Arbeit nachzugehen

Deshalb können nur Kinder im Alter von 10-12 Jahren bis zu 20 Metern unter die Erde gelassen werden, um nach dem begehrten Material zu schürfen. Es kommt allerdings immer wieder zu Verschüttungen.

Trotz der Angst im Nacken, beim nächsten Abstieg vielleicht nicht mehr das Tageslicht zu erblicken, können die Kinder nicht einfach aufhören. Einerseits werden sie von Milizen überwacht.

Als vitale Demokratie dürfen wir das nicht tolerieren

Andererseits können sie sich der Unterdrückung nicht entziehen. Widersetzen sie sich und kommen ihrer Arbeit nicht nach, bedeutet das meist auch den Hungertod der eigenen Familie.

Ziegler sagt klar, dass es die großen Konzerne sind, die diese Missstände verursachen. Und das dürfen wir in Deutschland „als vitale Demokratie im Herzen Westeuropas nicht tolerieren.“ (db)

 
 

EURE FAVORITEN