Jährlich Zehntausende Tote durch Alkohol

Alkohol und Tabak sind in Deutschland nach wie vor die dominierenden Drogen. "Das gilt sowohl was den Verbrauch angeht als auch die Schäden", sagte Gabriele Bartsch, Referentin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch bei Vorstellung des "Jahrbuchs Sucht 2013".

Berlin (dapd). Alkohol und Tabak sind in Deutschland nach wie vor die dominierenden Drogen. "Das gilt sowohl was den Verbrauch angeht als auch die Schäden", sagte Gabriele Bartsch, Referentin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch bei Vorstellung des "Jahrbuchs Sucht 2013". Im Schnitt rund 137 Liter Bier, Wein, Sekt oder Schnaps hat jeder Deutsche 2011 demnach konsumiert, 74.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen. Noch höher liegt die Zahl der Menschen, die an den Folgen des Rauchens sterben: 120.000 sind es pro Jahr. Das entspreche etwa der Einwohnerzahl einer Stadt wie Göttingen, sagte Bartsch. Illegale Drogen wie Kokain oder Heroin spielten im Vergleich dazu eine deutlich geringere Rolle.

Die Gesundheitsrisiken durch Alkohol werden in Deutschland noch immer unterschätzt. Den Menschen sei nicht bewusst, dass Alkohol sie auch dann krank mache, wenn sie nicht alkoholabhängig seien, fügte Bartsch hinzu. Typische alkoholbedingte Krankheiten seien Krebserkrankungen oder Organschäden. Dabei sind auch geringe Mengen Alkohol bei regelmäßigem Konsum schädlich. Laut Bartsch liegen die Grenzwerte für einen relativ risikoarmen Konsum für Frauen lediglich bei einem kleinen Glas Wein (0,2 Liter) täglich, bei Männern ist es etwa das Doppelte.

Jährlich Kosten in Milliardenhöhe

Immens ist auch der volkswirtschaftliche Schaden. Die Kosten für die Folgen des Alkoholkonsums belaufen sich in Deutschland auf etwa 27 Milliarden Euro. "Der Alkohol wird unterschätzt, da er gesellschaftlich sehr akzeptiert ist", sagte Bartsch. Die Werbung bringe Alkohol zudem mit positiven Bildern von Urlaub, Partys und einem modernen Lebensstil in Verbindung. Die DHS fordert deshalb Werbeeinschränkungen für Alkohol, ähnlich wie es sie für Zigaretten bereits gibt.

Im internationalen Vergleich gering ist in Deutschland die Zahl der Menschen, die an illegalen Drogen wie etwa Heroin sterben: Rund 1.000 sind es pro Jahr. Auch die Zahl der Konsumenten liegt vergleichsweise niedrig. 2011 hatten nur 0,2 Prozent der Bevölkerung innerhalb der vergangenen zwölf Monate Kokain konsumiert, immerhin 4,6 Prozent hatten Cannabis zu sich genommen.

Sparmaßnahmen gefährden Beratungsstellen

Besorgt zeigten sich Bartsch und der Geschäftsführer des Gesamtverbandes für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk (GVS), Theo Wessel, was Sparmaßnahmen bei der Suchthilfe angeht. Zwar verfüge Deutschland über ein sehr gut ausgebautes Suchthilfesystem mit vielen Angeboten. Gerade die Finanzierung der Beratungsstellen, die von Zuschüssen der klammen Kommunen abhängig seien, stehe auf wackligen Füßen, sagte Wessel.

Dramatisch sei die Situation von Suchtkranken, die langzeitarbeitslos seien. Entsprechende Fördermittel, die helfen sollten, diese Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, seien von der Bundesregierung drastisch gekürzt worden, kritisierte Wessel.

Dabei rechnen sich Investitionen in die Suchthilfe nach Überzeugung des GVS-Vorsitzenden für das Sozialversicherungssystem und damit für die gesamte Gesellschaft. Etwa 70 Prozent der Menschen, die eine Suchtbehandlung durchlaufen werden ihm zufolge wieder zu Beitragszahlern. Wessel formulierte anschaulich: "Jeder in die Suchthilfe investierte Euro sorgt langfristig für eine Einsparung von fünf Euro."

dapd

EURE FAVORITEN