Italienischer Kardinal bezieht Luxuswohnung im Vatikan

Auf Tebartz-van Elsts Spuren: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone möchte in eine Luxuswohnung ziehen.
Auf Tebartz-van Elsts Spuren: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone möchte in eine Luxuswohnung ziehen.
Foto: rtr
Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone bezieht eine 600 Quadratmeter große Luxuswohnung im Vatikan - obwohl Papst Franziskus eine "arme Kirche" fordert. Die Bleibe soll zehn Mal größer als die Gemächer des Papstes sein. Der Vorgang erinnert an den Fall des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst.

Rom. Papst Franziskus' Forderung nach einer "armen Kirche" findet offenbar nicht bei allen Geistlichen Gehör: Der italienische Kardinal Tarcisio Bertone lässt sich laut einem Medienbericht eine 600 Quadratmeter große Luxuswohnung im Vatikan herrichten. Die neue Unterkunft will der frühere Kardinalstaatssekretär nach umfangreichen Umbauarbeiten noch im Sommer beziehen, wie die italienische Zeitung "La Repubblica" am Sonntag meldete.

Bertones Wohnung, die über eine 100 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen soll, ist dem Bericht zufolge zehnmal größer als die Gemächer des Papstes. Der für seine bescheidende Lebensweise bekannte Pontifex wohnt anders als seine Vorgänger im vatikanischen Gästehaus und nicht im Apostolischen Palast.

Kardinal bertone wurde aus Amt enthoben

Bertone wurde im vergangenen Jahr vom Papst seines Amtes als Kardinalstaatssekretär enthoben. Seine Kritiker hatten ihm einen autoritären Führungsstil und zu enge Beziehungen zur Politik vorgeworfen. Der Kardinal witterte hingegen eine Verschwörung. Er sei ein Opfer von "Maulwürfen und Schlangen" im Vatikan geworden, sagte er damals.

Franziskus tritt seit seinem Amtsantritt im März 2013 mit Nachdruck für eine Reform des Vatikans ein und fordert eine "arme Kirche für die Armen". Den im Januar bestimmten Kardinälen gab er mit auf den Weg, sie sollten "Weltlichkeit" und Partys meiden und ein "einfaches und demütiges Herz" behalten.

Erinnerungen an den Fall Tebartz-van Elst

Ende März hatte der Papst das Rücktrittsgesuch des bereits seit Oktober suspendierten Bischofs Tebartz-van Elst angenommen, der wegen der explodierenden Kosten für den Umbau und die Renovierung des Bischofssitzes im Limburg in die Kritik geraten war.

Laut einem kircheninternen Prüfbericht soll der Bischof persönlich zahlreiche der kostspieligen Änderungen angeordnet haben, die die Baukosten letztlich die Kosten auf 31,5 Millionen Euro getrieben hatten. (afp)