Islamisten greifen öffentliches Kiss-In in Ankara mit Messern an

Türkische Demonstranten hatten sich zum öffentlichkeitswirksamen Küssen verabredet, um gegen moralische Warnungen an U-Bahn-Haltestellen zu protestieren.
Türkische Demonstranten hatten sich zum öffentlichkeitswirksamen Küssen verabredet, um gegen moralische Warnungen an U-Bahn-Haltestellen zu protestieren.
Foto: afp
Eine Protestaktion gegen die schleichende Islamisierung der Türkei hat in Ankara blutig geendet. Demonstranten hatten sich zu einem öffentlichen Kiss-In verabredet, um ein Zeichen dagegen zu setzen. Dann griffen Islamisten sie mit Messern an. Ein Jugendlicher soll verletzt sein.

Ankara. Islamisten haben in Ankara Teilnehmer eines öffentlichen "Kiss-Ins" mit Messern angegriffen und einen Jugendlichen verletzt. Wie türkische Medien am Sonntag berichteten, wollten mehr als 200 überwiegend junge Menschen mit dem Küssen in der Öffentlichkeit ein Zeichen gegen die schleichende Islamisierung der Gesellschaft setzen.

Die Aktion fand an einer U-Bahn-Station im Zentrum der Hauptstadt statt. Dort waren Gemeindebeamte zuvor im Namen der "moralischen Ordnung" gegen ein sich küssendes Paar vorgegangen.

Messerangriff trotz Polizeipräsenz

Als sich die Teilnehmer der Protestaktion aus Solidarität mit dem Paar ihrerseits küssten, riefen etwa 20 Islamisten "Allah Akbar" (Gott ist groß) und gingen ungeachtet der anwesenden Polizisten mit Messern auf einige Demonstranten los.

In der Türkei, deren Bevölkerung offiziell zu 99 Prozent muslimisch ist, ist seit mehr als zehn Jahren die islamisch konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an der Macht. Sie regiert auch die Hauptstadt Ankara. (afp)