Irische Richter oben ohne

So wie dieser schottische Richter Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die irischen Richter bis jetzt bei Verhandlungen Perücken. Das soll sich nun ändern. Foto: Imago
So wie dieser schottische Richter Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die irischen Richter bis jetzt bei Verhandlungen Perücken. Das soll sich nun ändern. Foto: Imago
Die Justiz der grünen Insel trennt sich von einer jahrhundertealten Tradition: Die Richter verzichten künftig auf ihre Perücken aus Pferdehaar. Angeblich schreckten die langen Matten Kinder.

Dublin.. Nein, es ist keine kuriose Sparidee, mit der klamme Iren die Staatskasse sanieren wollen, sondern eine reine Reform-Maßnahme. Die langen Haarmatten der irischen Richter, kunstvoll zu Locken gedreht, hatten einen Nachteil: Sie verschreckten die Kinder im Verhandlungssaal. In England und Wales sind die Perücken daher 2007 kurzerhand aus Familien- und Zivilgerichten verbannt worden. Jetzt auch in Irland.

Im Jahr 1660, als der erste Rechtsvertreter sich mit gepuderter Tolle vor Justitia verbeugte, war das noch ganz anders. Gericht und Knast-Zellen lagen meist in einem Gebäude. Es stank so erbärmlich, dass Advokaten und Richter Blumensträußchen vor sich hertrugen, damit sie die stinkenden Übeltäter nicht riechen mussten. Um sich keine Laus einzufangen, rasierten sich die noblen Herren der Überlieferung nach auch das Haar und setzten sich dann den gepuderten Ersatz auf. Verarbeitet wurde früher dazu nicht nur Ross-, sondern auch Menschenhaar. Und die Fertigung ist eine Kunst. Das Haar wird desinfiziert, gekämmt und aufgedreht.

2200 Euro pro Kopf

Zehn Arbeitstage braucht ein Perückenmacher allein für das Basismodell mit vier Lockenreihen; zehn Wochen für die ohrbedeckende Deluxe-Variante. Ein solcher Schopf schlägt gut und gerne mit 2200 Euro zu Buche – pro Kopf.

Jubel über die neue Haarfreiheit will sich dennoch nicht so recht einstellen. Das Pferdehaar, so argumentieren Reformgegner, verleihe nicht nur Autorität, sondern garantiere auch schützende Anonymität. In britischen Strafverfahren wird deshalb weiterhin zur muffigen Perücke gegriffen.

Und Hand aufs Herz: Kaum ein Status-Symbol kaschiert eine Glatze derart perfekt wie ein Ponyfell aus der Mongolei.

 
 

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