Internationaler Schinken-Streit

Paris.  Gaumenfreuden sind den Franzosen heilig. Zweier Bayonne-Schinken wegen, deren Einfuhr jüngst übereifrige US-Zöllner verweigerten, kam es jetzt gar zu einem diplomatischen Zwischenfall.

Die beiden je zehn Kilo schweren Prachtschinken aus den Pyrenäen wollte man auf der prestigeträchtigen New Yorker Ausstellung „Taste of France“ dem amerikanischen Pub­likum vorstellen. Der luftgetrocknete Schinken aus dem Baskenland ist nach französischer Meinung der beste der Welt. Dummerweise aber erfreuen sich der italienische Parma und der spanische Serranoschinken international eines ungleich größeren Bekanntheitsgrads.

Gleich zwei französische Minister hatten sich zur Messeeröffnung angesagt. Doch die beiden Schinken waren vier Stunden vor dem Termin immer noch nicht zur Stelle. Sie steckten im Zoll am New Yorker Kennedy-Airport fest, der keine sanitäre Unbedenklichkeitserklärung ausstellen wollte. Entsetzt alarmierte Ernährungsminister Garrot die französische Botschaft, welche ihrerseits das State Departement einschaltete. Dank des geballten diplomatischen Drucks gelangten die Bayonne-Schinken noch gerade rechtzeitig zur Ausstellung, wo sie innerhalb kürzester Zeit von den Besuchern verputzt wurden.

Ende gut, alles gut? Nein. Paris erhielt ein Schreiben aus New York. Die USA fordern 150 Dollar Einfuhrzoll und 565 Dollar Strafe für „nicht vorgelegte Einfuhrpapiere“. Paris will nicht zahlen. Der Schinken-Streit geht in die nächste Runde.

 
 

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