In Deutschland werden immer öfter Geldautomaten gesprengt

Aufräumarbeiten in Duisburg: An einer Bankfiliale haben Räuber im November den Geldautomaten gesprengt.
Aufräumarbeiten in Duisburg: An einer Bankfiliale haben Räuber im November den Geldautomaten gesprengt.
Foto: Stephan Eickershoff
Im ablaufenden Jahr lag die Zahl der Fälle erstmals über 100. Die Banken versuchen nun, das Geld besser zu sichern - aber dabei gibt es Grenzen.

Magdeburg/Wiesbaden.. Die Überwachungskamera ist mit Farbspray unbrauchbar gemacht. Nun bereiten die Männer den Geldautomaten vor. Das Geld ist für sie zum Greifen nahe. Ihre Methode: ein Gasgemisch einleiten, dann sprengen, anschließend mit dem Geld flüchten.

Im Fall dieser Automatensprengung in Neundorf in Sachsen-Anhalt hatte die Polizei die mutmaßlichen Täter im September gefasst. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wird laut einer Sprecherin im Januar Anklage erheben, möglicherweise sind die Männer für weitere Taten verantwortlich. Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) zeigen, dass die Sprengung von Automaten deutschlandweit häufiger wird.

34 Versuche schlugen fehl

Erstmals lag die Zahl solcher Delikte in diesem Jahr im dreistelligen Bereich: Bundesweit wurden bis Anfang Dezember 104 Fälle registriert. 34 Mal blieb es beim Versuch, 70 Mal gab es tatsächlich eine Explosion. Im Jahr 2013 hatte die Polizei insgesamt 88 Fälle, 2012 lediglich 45 und ein Jahr zuvor 38 erfasst. Filialen in ländlichen Regionen sind ebenso betroffen wie die in großen Städten. "Schwerpunkte im Jahr 2014 gab es in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen", fasst eine BKA-Sprecherin zusammen.

Die Täter gehen den bisherigen Erkenntnissen zufolge immer ähnlich vor: Sie leiten ein Gas oder ein Gasgemisch in einen Geldausgabeautomaten und zünden es schließlich - mit ganz unterschiedlicher Wirkung: "Die Sprengwirkung und das Ausmaß der Schäden kann von den Tätern in den meisten Fällen nicht abgeschätzt werden", erläutert die BKA-Sprecherin.

Manchmal geht mehr zu Bruch als nur der Automat

Meist gehen nicht nur Fensterscheiben zu Bruch, ganze Räume sind nicht mehr nutzbar. In Magdeburg flogen nach einer Explosion eines Automaten im Juni Trümmer einer Mauer und Glassplitter bis zur gegenüberliegenden Straßenseite. Über der Bankfiliale wohnte eine Familie mit Kindern, die nachts gegen 2.00 Uhr von einem ohrenbetäubenden Knall wach wurde. Verletzte gab es glücklicherweise nicht.

Die Kreditinstitute reagieren, wie eine Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken in Berlin sagt. "Wir versuchen natürlich, dass der Täter nichts von dem Geld hat." Eine Methode sei das sogenannte Inking: Die Scheine werden dabei mit einer Tinte eingefärbt und damit unbrauchbar gemacht, sobald die Kassette geöffnet wird. Zudem gebe es stabilere Geldkassetten. Auch baulich werde zum Teil nachgearbeitet, um es den Tätern schwerer zu machen. "Ganz abschotten können wir die Geldautomaten nicht, die Kunden müssen ja auch Zugriff haben." (dpa)

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