Hunde sterben für den Islam? Wie die AfD Welpen für ihren Wahlkampf missbraucht

Welpen sind süß. Und sie lassen sich echt gut für manipulative Wahlwerbung missbrauchen, findet die AfD.
Welpen sind süß. Und sie lassen sich echt gut für manipulative Wahlwerbung missbrauchen, findet die AfD.
Foto: dpa

Straubing. Man könnte den Spieß umdrehen und schreiben: "Unschuldige Hundewelpen werden missbraucht für die radikalen Rechten!"

Dann hätte man ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was die AfD derzeit mit einem an Geschmacklosigkeit schwer zu überbietenden Facebook-Post macht.

AfD: "Verstümmelt, verbrannt, vergewaltigt"

Auf der "offiziellen Bundesseite" der AfD auf Facebook postet die Partei das Bild des mutmaßlich niedlichsten kleinen Welpen der Welt mit den markigen Worten: „Verstümmelt, verbrannt, vergewaltigt: Hunde verenden für radikalen Islam!"

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Im Text dazu wird der Fall eines Syrers erwähnt, der in Straubing einen Hund aus dem dritten Stock eines Hauses geworfen haben soll. Daraus leitet die AfD ab, dass die Situation in Europa „immer schlimmer" werde. In ganz Europa werde „der beste Freund des Menschen“ von radikalen Muslimen gehasst, gequält, gemordet.

AfD: Unsere Frauen und unsere Hunde ...

Am Ende des Textes fragt die AfD: „Wollen wir das? Müssen wir nach unseren Frauen jetzt auch zunehmend Angst um unsere Vierbeiner haben?“ Die Frage ist natürlich nur rhetorisch, die Partei hat die Antwort des vor Wut schäumenden rechten Tierfreundes ja schon vorprogrammiert. Und natürlich fallen die Kommentare entsprechend aus: „Das sind die waren ungläubigen ich hab von diesen Drecks Volk die Schnauze so voll langsam sehne ich mich nach Rache aber dann lerne ich dehnen daß Fürchten“, schreibt zum Beispiel ein Nutzer.

Wer gedacht hatte, dass sich die AfD an manipulativen Social-Media-Kampagnen nicht mehr selbst übertreffen könnte, wird nun also eines besseren belehrt. Diesmal zielt die Partei auf das weiche Herz von Hundefreunden, um dort ihren Hass zu säen.

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Die Partei suggeriert mit ihrem Post, der eingangs erwähnte Fall aus Straubing sei hochaktuell. Nun: Ist er nicht. Die Sache hat sich vor einem Jahr zugetragen. Ein 27 Jahre alter Syrer hatte damals tatsächlich einen Hund aus dem Fenster geworfen - im Streit mit seinen Mitbewohnern. Der Mann wurde gefasst und für die schlimme Tat verurteilt.

Muslime sind Hundehasser?

Die AfD weiß das. Schon damals hatte der bayerische Ableger der Partei bei Facebook dazu einen Medienbericht geteilt. Wie die AfD ein Jahr später daraus die These ableitet, dass Hunde „für radikalen Islam“ verenden müssen, gar „vergewaltigt“ werden, ist ihr Geheimnis.

Die AfD bedient sich eines Mythos, der seit Jahren im Internet und dort wiederum gern von rechten Gruppierungen verbreitet wird: Muslime sind Hundehasser.

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Um hier mal Licht ins Dunkel zu bringen: Tatsächlich ist das Halten von Hunden als Haustier in manchen muslimischen Strömungen verpönt. Hunde sollen demnach eher als Jagdhunde oder Hirtenhunde mit dem Menschen zusammenarbeiten, also einem Zweck dienen, und nicht im Haus leben. Diese Denkweise, dass Hunde als „unrein“ gelten, betrifft eher wenige orthodoxe Muslime. Nach Ansicht anderer muslimischer Schulen gilt der Hund als „rein“ - für die meisten Muslime ist der Hund als Haustier völlig normal. Ein ganz interessantes Thema - mehr aber auch nicht.

Interessant auch: Als Tierschutzpartei war die AfD bislang noch nie in Erscheinung getreten. Zu Tierversuchen, Massentierhaltung, Hundeparks hat sich die Partei bislang gar nicht positioniert. Aber da geht es ja auch nicht um Ausländer ...

 
 

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