„Holz vor der Hütt’n“: Polizei fängt sich Rüge wegen eines sexistischen Tweets ein

Die Polizei Oberfranken sorgte mit einem sexistischen Tweet für Wirbel im Netz. (Symbolbild)
Die Polizei Oberfranken sorgte mit einem sexistischen Tweet für Wirbel im Netz. (Symbolbild)
Foto: Screenshot Twitter @PolizeiOFR
Ein sexistischer Tweet der Polizei Oberfranken sorgte für Kritik – die Beamten selbst sehen nicht wirklich ein, was daran falsch war.

Berlin.  Spätestens seit der Sexismus-Debatte um Rainer Brüderle sollte klar sein, dass es degradierend ist, Frauen auf ihre Oberweite zu reduzieren. Bei der Polizei Oberfranken scheint dieser Wink nicht angekommen zu sein. Mit einem getwitterten Dirndl-Dekolleté holte die sich nun eine Rüge der Frauenbeauftragten der Deutschen Polizeigewerkschaft ein (DPolG).

Denn die Polizei Oberfranken postete zum Thema überladene Holztransporter eine Bildcollage mit Dirndl-Dekolleté und witzelte dazu mit einem „Holz vor der Hütt’n“-Wortspiel.

„Das geht gar nicht!“

Beamte hatten zuvor bei einer Lkw-Kontrolle 17 Holztransporter wegen Überladung beanstandet. Unter ihrer Bildcollage, auf der unter anderem ein tiefer Ausschnitt zu sehen war, schrieb die Polizei am gestrigen Freitag auf Twitter und Facebook: „Holz vor der Hütt’n kann man nicht genug haben - bei Lastern ist bei 40 Tonnen Schluss.“

Die Bundesfrauenbeauftragte der DPolG, Sabine Schumann, fand: „Das geht gar nicht!“ Schumann erklärt auch, warum der Post sexistisch war: „Völlig unabhängig vom Sachverhalt werden hier weibliche Körperteile präsentiert.“ Das Bild reduziere Frauen so allein auf ihr Äußeres, betonte sie und verwies auf die besondere Vorbildrolle der Polizei.

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Sexistischer Tweet wurde entfernt

Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums erklärte, man werde prüfen, ob in diesem Fall eine Grenze überschritten worden sei. Eine öffentliche Stellungnahme gab es von der Presseabteilung der Polizei Oberfranken nicht, der Tweet wurde jedoch wenige Stunden nach der Kritik verändert.

In einem Facebook-Kommentar schreibt die Polizei zur Änderung: „Offenbar sorgte nicht nur unser Wortspiel, sondern auch unser Bild für Diskussionen. Trotz der vorangegangen sorgfältigen Überlegungen, an denen auch Kolleginnen beteiligt waren, die das Bild als angemessen und ästhetisch empfanden, haben wir uns dazu entschlossen, den Post auf eine rein sachliche Ebene zu reduzieren.“

Diese Reaktion zeigt: Die Beamten in Oberfranken scheinen nicht begriffen zu haben, warum ihr Post falsch war – mit einer ästhetischen Frage hatte die Kritik sicher nicht zu tun. (alka)

 
 

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