„heute journal“ im ZDF: Zuschauer sauer auf Claus Kleber – „Unterirdisch“

Das „heute journal“ im ZDF begann am Donnerstag kontrovers.
Das „heute journal“ im ZDF begann am Donnerstag kontrovers.
Foto: Screenshot ZDF

Ein Einstieg in das „heute journal“ am Donnerstag war für viele Zuschauer ein ziemlicher Schock.

Moderator Claus Kleber blickte mit einem ernsten Gesicht in die Kamera und verkündete: „Guten Abend, zu Wasser und zu Luft sind heute Nacht amerikanische, deutsche und andere europäische Verbündete unterwegs nach Estland, um die die russischen Verbände zurückzuschlagen, die sich dort wie vor einigen Jahren auf der Krim festgesetzt haben.“

Ein Krieg zwischen Nato-Streitkräften und Russland im Baltikum? Diese Befürchtung haben westliche Strategen schon länger – wenn auch nur als weit entferntes Szenario. Und darum ging es auch „heute journal“-Moderator Claus Kleber, der nach einer kurzen Pause verkündete: „Keine Sorge, das ist nicht so. Das ist nur eine Vision, aber eine realistische. So etwa müsste nämlich die Antwort der Nato aussehen auf einen Angriff auf das Territorium einen ihrer Mitgliedsstaaten.“

„heute journal“ im ZDF: Zuschauer reagieren wütend

Im folgenden „heute journal“-Beitrag geht es um den 70. Geburtstag der Nato und den brüchigen Zustand des Bündnisses, das einst gegründet wurde, um sich vor der Gefahr durch die Sowjetunion zu schützen – und Europa enger an die USA zu binden.

+++ „heute journal“ im ZDF: Diese bedeutende Änderung gilt seit März +++

Doch viele Zuschauer ereilte bei der heftigen Anmoderation des Beitrags ein ziemlicher Schock. „Russland besetzt Estland? Einfach mal so raushauen? Die Menschen vertrauen euch. Als Schreckensszenario relativieren hinterher bringt nichts. Der Schreck bleibt“, kommentiert ein Nutzer auf Twitter.

Heftige Vorwürfe gegen das ZDF

Und ein anderer schreibt: „Boah, Claus Kleber, lang nicht so einen Schock gekriegt.“

Viele Twitterer werfen dem ZDF vor, reißerisch agiert zu haben: „Finde die Anmoderation des gerade begonnenen heute journals unterirdisch. Was soll das?“

Tatsächlich war die Aktion von Claus Kleber sehr gewagt. Wenn es allerdings sein Plan war, sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu sichern, ist dieser aufgegangen.

Zuletzt hatte das „heute journal“ außerdem mehr Sendezeit bekommen. Seit dem 31.März dauert das Nachrichtenformat auch am Sonntag 30 Minuten. „Sonntags haben wir starke Quoten – Millionen schalten nach dem "Tatort" zu uns. Offenbar haben viele nach der Krimiwelt das Bedürfnis zu erfahren, was in der echten Welt los ist. Da wollen wir den Zuschauern künftig mehr bieten, ohne aber ein besonders gekennzeichnetes "Heute-Journal am Sonntag" zu produzieren“, hatte Redaktionsleiter Wulf Schmiese die Entscheidung im Februar erklärt. Damit wurde die Sendezeit des Formats erneut ausgedehnt:

  • Zunächst dauerte eine Ausgabe des „heute journal“ nur 20 Minuten. Erst seit 1991 wurde die heutige Standard-Länge von 30 Minuten eingeführt
  • Seit 1992 läuft das „heute journal“ auch samstags. Zunächst lief es nur an den Wochentagen
  • Erst seit dem Jahr 2000 wird das „heute journal“ überhaupt am Sonntag produziert
  • 2009 wurde das Studio komplett renoviert. Das ZDF sprach damals vom „modernsten Newsroom Europas“. Das „virtuelle Studio“ sorgte aber auch für viel Spott
  • Seit 2011 wird das „heute journal“ auch im Internet gestreamt

Claus Kleber stieg im Jahr 2003 als Moderator beim „heute journal“ ein. Seinen Posten als Redaktionsleiter musste er nach Angaben des Nachrichtenmagazins „meedia“ im Zuge einer Gehaltsaufbesserung 2008 abgeben. Es hätte das Gefüge innerhalb der Redaktion gesprengt.

Deswegen arbeitet er seitdem als freier Mitarbeiter beim ZDF. Wie viel Claus Kleber verdient, liest du hier >>> (fel)

 
 

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