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Hasen auf der Spur

Seit ein paar Jahren hat sich der Hasenbestand in Deutschland wieder erholt. In NRW wird die höchste Dichte am Niederrhein erreicht. Doch jetzt sind die Langohren erneut bedroht. Wissenschaftler sehen im sich ständig ausweitenden Biomassenanbau zur Ernergiegewinnung eine Hauptursache.

Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ging der Feldhasenbestand in nur wenigen Jahren in Westdeutschland dramatisch zurück: um 64 Prozent. 1994 landete der Dauerflitzer gar auf die Rote Liste und ist seither als gefährdet eingestuft. Insbesondere das großflächige Ausräumen der Agrarlandschaft, in der kaum noch Feldsäume und Gehölzstrukturen existieren durften, waren dafür ebenso verantwortlich wie das immer dichter werdende Straßennetz. Naturschützer und Jäger haben in den letzten zehn Jahren mit Heckenpflanzungen und anderen Biotopverbesserungen versucht, dem Bestandsrückgang entgegen zu wirken. Mit vorzeigbaren Teilerfolgen, die allerdings häufig nur in bereits ausgewiesenen Schutzgebieten erzielt worden sind.

Auf die Pfoten geschaut

Der Feldhase wird bis zu 70 cm lang und bis zu 6 Kilogramm schwer. Er hat kräftige, lange Hinterbeine. Die braucht er als Fluchttier auch, um schnell sprinten und gut springen zu können. Dass er bei gehetzter Flucht auch Haken schlagen kann, steht schon in Kinderbüchern. Diesem blitzartigen Richtungswechsel können beispielsweise Hund oder Fuchs nicht lange folgen, was schon manchem Meister Lampe das Fell gerettet hat. Der Feldhase kommt in ganz Europa vor. In den Alpen ist er sogar noch bis zu einer Höhe von 1600 m zu finden. Bevorzugter Lebensraum ist die offene Landschaft. Feldhasen buddeln nicht wie etwa die kleineren Kaninchen einen Bau, sondern scharren sich eine kleine Mulde, die so genannte Sasse, in der sie meist bestens getarnt den Tag verbringen. Richtig aktiv werden die Hasen erst in der Dämmerung und in der Nacht; dann gehen sie ausgiebig auf Nahrungssuche. Hasen ernähren sich vegetarisch von Gras, Kohl, Blättern, Gemüse, Früchten, Wurzeln und Rinde. Die Nahrungspalette der Feldhasen umfasst insgesamt über achtzig Kultur- und Wildpflanzen, insbesondere Wildkräuter. Fehlen einige Wildkräuter, die so genannte „Hasenapotheke“, kann dies zu Mangelerscheinungen bei den Tieren führen. Auf einer extensiv bewirtschafteten Fläche kommen bis zu 45 verschiedene Ackerwildkräuter vor – ideale Bedingungen für den Feldhasen. Die meisten Flächen jedoch werden mit Dünger und Herbiziden intensiv bearbeitet, was zu einem wesentlich geringeren Bestand führt.

Wurfzeit

In der Paarungszeit zwischen Januar und Juli kann die Häsin bis zu viermal Junge werfen. Sie kann dabei Embryonen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien austragen. Junghasen werden nur nachts vom Muttertier aufgesucht und etwa 30 Tage lang mit fettreicher Milch gesäugt. Nicht unerheblich sind die Bestandseinbußen, wenn Frühjahr und Frühsommer niederschlagsreich sind.

Bestand und Jagdstrecke in NRW

Der Herbstbesatz wird von der Landesanstalt für Ökologie auf über 400 000 Tiere in NRW geschätzt. Nordrhein-Westfalen beheimatet damit den größten Hasenbestand in Deutschland. Die Jagdstrecke lag 2008/2009 bei knapp 135 000 Hasen, wovon rund 20 000 Tiere als Fallwild angegeben sind. Wahrscheinlich ist die Dunkelziffer bei den überfahrenen Tieren sogar noch höher einzustufen.

Aussicht

Der Wiederaufbau einer reich gegliederten Landschaft mit manigfaltigen Acker- und Grünlandkulturen könnte nicht nur dem Feldhasen wieder auf die Sprünge helfen. Hecken, Feldraine und sandige Wege sowie Böschungen und Brachestreifen sind für viele Tier- und Pflanzenarten von existenzieller Bedeutung. Hingegen die weitere Förderung von Monokulturen fördern das Artensterben.