„Pure Erniedrigung“ – Hartz-IV-Empfängerin packt aus: So unmenschlich werde ich bei der Jobagentur behandelt

Eine Hartz-IV-Empfängerin macht der Agentur für Arbeit schwere Vorwürfe.
Eine Hartz-IV-Empfängerin macht der Agentur für Arbeit schwere Vorwürfe.
Foto: dpa

Vor mehr als 14 Jahren wurde in Deutschland unter einer rot-grünen Regierung Hartz IV eingeführt. Seitdem ist die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Trotzdem sind sich beim Thema Hartz IV längst nicht alle einig. So sind die Sanktionen, falls ein Bezieher einen Job ablehnt oder zu bestimmten Terminen nicht erscheint, durchaus umstritten. Deshalb soll jetzt das Bundesverfassungsgericht darüber entscheiden, ob Leistungen auch in Zukunft unter den gleichen Voraussetzungen gestrichen werden können oder ob es einer Änderung bedarf.

Doch auch von anderen Seiten gibt es Kritik an Hartz IV. Denn häufig wird von Empfängern berichtet, dass sie bei den Maßnahmen nur wenig niveauvolle Aufgaben bekämen, und keine, die ihnen helfen würde, einen neuen Job zu finden.

Hartz-IV-Empfängerin: „Werde behandelt, als wäre ich ein dummer Hartzer“

In einem Interview mit der „HuffPost“ erklärt eine 44-jährige Arbeitslose, sie fühle sich vom Amt betrogen, gedemütigt, „und behandelt, als wäre ich ein dummer Hartzer, kein Mensch. In einer Maßnahme sollte ich den ganzen Tag puzzeln. Das ist einfach Mumpitz. Was soll ich da lernen?“

Wie die alleinerziehende Mutter weiter berichtet, habe sie das Amt mit der Frage konfrontiert. Von dessen Seite habe es geheißen, zuerst sei wichtig, dass die Arbeitssuchenden „lernen, pünktlich zu kommen und früh aufzustehen.“

Vor fünf Jahren habe sie bereits einen Computerkurs belegen müssen, um zu lernen, wie man einen PC bedient. Das habe sie aber bereits gewusst. Sie sagt: „Wir bekamen keine Aufgabe, der Maßnahmeleiter setzte uns einfach vor den PC. Also haben wir Spiele gezockt, weil uns so langweilig war.“

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Hartz-IV-Bewerbunsgtraining: „Hat mir das Gefühl gegeben, dumm zu sein“

Auch an einen anderen Kurs erinnert sich die Putzfrau. Darin sollten die Hartz-IV-Empfänger lernen, Bewerbungen zu schreiben. Vom Ablauf des Trainings war die 44-Jährige alles andere als begeistert. Vom Leiter habe jegliche Unterstützung gefehlt.

„Er sagte nur: 'Das ist noch nicht gut', ohne mir genaueres Feedback zu geben. Als ich mehrmals nachfragte, sagte er: 'Dieser Absatz ist schlecht' und 'Diese Wortwahl ist schlecht', ohne mir Tipps zu geben, was ich stattdessen schreiben sollte“, so die Frau, die anonym bleiben möchte.

Sie wirft dem Leiter vor: „Er hat mir das Gefühl gegeben, dumm zu sein. Ich wollte es ja besser machen, wusste aber nicht wie.“ Auch nachdem sie die Bewerbung immer wieder neu geschrieben hatte, sei er noch immer nicht zufrieden gewesen, die Stunde dann vorüber – ohne dass die Arbeitssuchende gelernt hätte, eine gute Bewerbung zu schreiben.

Vorwürfe einer Hartz-IV-Bezieherin: „Irgendwann nur noch erniedrigend“

Ihr Fazit: „Da habe ich verstanden, worüber es bei den Maßnahmen wirklich geht. Nicht darum, dass wir etwas lernen. Sondern darum, dass wir einen Zeitvertreib haben. Dass wir beschäftigt werden.“

Dabei sei sie bei weitem nicht die einzige, die diese Erfahrungen habe machen müssen. Die Mutter erklärt: „Eine Freundin von mir war bei ihrer Maßnahme mit Ponys spazieren.“ Und andere hätten einfache Aufgaben für Zweitklässler lösen müssen. Mut, einen neuen Job zu finden, habe sie durch die Maßnahmen nicht geschöpft. Sie sagt: „Vielleicht macht puzzeln eine Weile Spaß. Aber irgendwann ist es nur noch erniedrigend. Wir wünschen uns doch alle etwas anderes: Arbeit.“

Auch bei Twitter häufen sich die Beschwerden

Auch bei Twitter kann man ähnliche Fälle verfolgen. So postete Nutzerin Mila ein Bild von Aufgaben, die ihre Mutter habe lösen sollen. Die erinnern an die Aufgaben eines Grundschülers: Auf dem Blatt sind Bilder zu sehen, die beschriftet werden sollen. Darunter befinden sich Tabellen, in die die Wörter eingetragen werden sollen, die mit „tz“ geschrieben werden, also zum Beispiel „Katze“ und „sitzen“.

Die Userin schreibt: „Meine Mutter ist seit gestern in einer Hartz-IV-Maßnahme und soll dort solche Aufgaben lösen. Das ist pure Erniedrigung erwachsener, intelligenter Menschen. Aber wenn sie fort bleiben, drohen Saktionen.

Die Reaktionen unter dem Post sind eindeutig:

  • „Das ist jetzt nicht dein Ernst?“
  • „Ist unglaublich... Mein Mann war vor Jahren mal kurz in Hartz-IV und musste im Wald Blätter sammeln, aufkleben und bestimmen...die haben doch eine Macke!“(cs)
  • „Ja das kenne ich. Durfte sowas auch machen. Es gibt da ein paar Dinge, wie man die Leute da - legal - auf die Palme bringen kann. Und im Zweifel spricht man einfach mal mit dem Arzt seines Vertrauens. Und: Anwalt! Unbedingt. Der ist kostenlos und wirkt nachhaltig.“
  • „Ich bin fassungslos.“ (cs)
 
 

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