„Hart aber fair“ in der ARD: Markus Lanz platzt der Kragen, als ein Gast diesen Satz sagt

Foto: Screenshot/ARD

Man stutzt beim Blick auf die Gästeliste bei „Hart aber fair“: Es geht um den Klimawandel – und am Tisch sitzt kein einziger Klimaforscher.

Der Titel der „Hart aber fair“Ausgabe ist markig: „Die Erde schwitzt. Das Eis schmilzt: Wie radikal müssen wir uns ändern?" Die Gäste bei „Hart aber fair“ :

  • Markus Lanz, Talkshowmoderator
  • Luisa Neubauer, Mitinitiatorin der „Fridays for Future“-Bewegung und Mitglied der Grünen
  • Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD)
  • VW-Chef Herbert Diess
  • Ulf Poschardt, Chefredakteur von „Die Welt“

„Hart aber fair“: Emotionen kochen hoch

Schnell war klar: Um Fakten und klare Antworten von echten Experten ging es bei „Hart aber fair“ nicht – die Sendung drehte sich ums Emotionale, um konträre Positionen zum Thema. Der Klimawandel als Meinungsbildner – der durchaus unterhält.

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Schnell bekamen sich vor allem Ulf Poschardt und Luisa Neubauer in die Haare. Poschardt kritisierte den belehrenden Ton der Klimaaktivisten rund um die „Fridays for Future“-Proteste.

„Wenn Sie mit den Grünen am Ende 45 Prozent haben, dann können Sie es so durchziehen. Aber wenn das nicht so ist, muss man auf alle Leute zugehen.“ Etwa, wenn man die Benzinsteuer erhöhe: „Dann werden die privilegierten Kinder auf der Straße und die privilegierten Zeitredakteure merken, dass es Leute gibt, die was ganz anderes lostreten.“

„Aus der Tugendblase treten“

Es sei an der Zeit, aus der „Tugendblase“ zu treten und einen „Realitycheck“ zu machen, so Poschardt. Es sei nicht richtig, Politikern einfach nur Vorwürfe zu machen.

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Neubauer konterte: „Es ist nicht zu viel verlangt von der Regierung, sich an ihre eigenen Ziele zu halten.“ Schon vor 20 Jahren hätte die Politik die heutigen Klimaprobleme durch schrittweise Annäherung an die Klimaziele verhindern können.

Poschardt und Neubauer sind die beiden Pole der Diskussion: Sie, die (Fast-)Veganerin ohne Auto, die viel mit dem Zug fährt „und kaum noch mit dem Flugzeug fliegt“ - und er, der den Genussmensch gibt, der provokant von seinem Oldtimer-Porsche schwärmt: „Das benutzt man so wie ein Filet aus dem Biomarkt. Das ist etwas, das man bewusst macht.“ Elektro-Autos indes seien seelenlos: „Das sind keine schönen Gegenstände“, sagte Poschardt, der sich in der Rolle des Provokateurs zu gefallen schien, süffisant grinsend.

„Oh nee“, entfuhr es Markus Lanz bei diesem Satz. Und später sagt er: „Ich fahre seit Jahren einen Hybrid, das ist auch zuträglich.“

Markus Lanz bei „Hart aber fair“: Kritik an Kanzlerin Merkel

Auch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel schoss der Moderator und bemängelte, wie sich die Politik-Elite plötzlich an die „jungen Leute ranschmeißt“, indem sie die Klima-Demos gutiert.

Ausgerechnet „Frau Merkel, die im Kanzlerduell sagt: Wir schaffen die Klimaziele bis 2020 und dann sagt: War eigentlich 2030 gemeint.“ Man wisse nie genau, ob diese „Umarmung“ von Klimaaktivisten „nicht vielleicht ein Würgeversuch ist.“

Was angesichts einer Diskission über den Klimawandel erstaunt: Ausgerechnet der Chef eines der größten Automobilhersteller der Welt kam ziemlich gut weg. VW-Chef Herbert Diess hatte erst kürzlich angekündigt, dass der Konzern sich künftig auf E-Mobilität konzentrieren werde. Von einer „E-Auto-Revolution“ war gar die Rede.

VW hatte in der Vergangenheit immer wieder Negativschlagzeilen wegen Abgas-Tricksereien – bei „Hart aber fair“ wirkte Diess dann plötzlich wie ein Klimaschützer.

VW-Chef gibt sich als Klimaschützer

Die 100 Millionen VW-Autos auf der Welt sind für ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, hielt Moderator Frank Plasberg ihm vor. Diess umging geschickt eine Rechtfertigungsschleife – und gab sich ehrlich: „Ich hab das am Anfang nicht geglaubt, aber es ist so. Das heißt, unsere Entscheidungen sind wichtig.“

Er wolle den Wert künftig auf Null Prozent bringen. Es gehe um eines der wichtigsten Probleme der Menschheit.

Markus Lanz stimmt mit ein: Es brauche Entscheider wie Herbert Diess, wenn es um strukturelle Veränderungen gehe.

Ob und wann und wie überhaupt wir was genau radikal ändern müssen, das hat die „Hart aber fair“-Runde nicht ansatzweise beantworten können. Amüsant war es trotzdem.

 
 

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