Haftstrafe für 27-Jährigen nach Mord an Seniorin in Heilbronn – aber er wünscht sich die Todesstrafe

Vor dem Landgericht Heilbronn ist am Dienstag ein Mordprozess zu Ende gegangen. Der Angeklagte wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Vor dem Landgericht Heilbronn ist am Dienstag ein Mordprozess zu Ende gegangen. Der Angeklagte wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Foto: Lino Mirgeler / dpa
  • Das Gericht war sich sicher, dass der Angeklagte in Heilbronn eine Seniorin getötet hat
  • Er wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt
  • Der Angeklagte hält sich selbst für unschuldig

Heilbronn.  Wichtige Fragen bleiben am Ende unbeantwortet. Im Heilbronner Prozess um den Mord an einer 70-Jährigen wird der Angeklagte zwar zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Warum der 27-Jährige aber im vergangenen Mai das Haus der Familie in Bad Friedrichshall für die Tat wählte – es bleibt ungewiss. Ebenso die Frage, wieso er überhaupt einen Menschen tötete (Az: 1 Ks 13 Js 14756/16).

Mit dem Urteil und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld folgt das Landgericht Heilbronn am Dienstag dem Plädoyer der Anklage. Staatsanwältin Sara Oeß spricht mit Blick auf DNA-Spuren und Funkdaten vom Handy des 27-Jährigen von einer „erdrückenden Beweislage“.

Der Mann habe aus Habgier und mit Plan gehandelt, er habe die schlafende Rentnerin im Bett angegriffen und getötet. „Sie hatte schlichtweg keine Chance“, sagt die Staatsanwältin. Danach brachte er arabische Schriftzeichen im Haus an.

Frau wurde erdrosselt

Aber war die Bluttat religiös motiviert? Dafür spreche die Symbolik, sagt sie. Die erdrosselte Frau war mit einem Kreuz in den gefesselten Händen gefunden worden.

In diesem Punkt allerdings sieht das Gericht die Erklärung woanders. Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth wertet das Kreuz und die arabischen Schriftzeichen als Versuch, eine falsche Spur zu legen. Demnach wollte der Mann sunnitischen Glaubens erreichen, dass die Tat wirkt, als habe sie ein fanatisierter Vertreter des von ihm verhassten schiitischen Glaubens begangen. Eine Inszenierung.

So wie das Auftreten des Angeklagten während des gesamten Prozesses. Der Mann, der am Dienstag im olivgrünen Parka vor den Richtern sitzt, bestreitet die Tat. Er sehe sich als Opfer eines religiösen Komplotts, sagt er beim Prozessauftakt. Vier Zeugen, die ihn im Verfahren belasten könnten, bedroht er auf der Anklagebank sitzend mit dem Tod.

Angeklagter wünscht sich die Todesstrafe

Wann und wo er geboren wurde, kann oder will er nicht genau sagen. Saudi-Arabien? Oder doch Pakistan, wie er früher behauptete? Die bei ihm sichergestellte Tüte mit Geld und Wertsachen aus dem Haus der Getöteten und ihrer Familie will er am Bahnhof in Heilbronn gefunden haben. Zufällig.

Der Angeklagte habe den Gerichtssaal als Bühne nutzen wollen – „und miserables Theater“ geliefert, resümiert der Vorsitzende Richter. Dabei sei die Beweislage eindeutig. Selbst das Schlusswort des Angeklagten fällt grotesk aus. Er wolle die Todesstrafe, sagte er dem Richter zugewandt. „Die kann ich Ihnen nicht bieten“, antwortete Kleinschroth darauf.

Wenn er das nicht haben könne, dann wolle er zumindest Zeit zum Weinen, ließ der Angeklagte daraufhin verlauten. Dafür bleibt nun mehr als genug Zeit. (dpa/jei)

 
 

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