Hackerangriff an Unis: Kopierer drucken antisemitische Hetze

Netzwerkdrucker und Kopierer an deutschen Unis haben nach einem Hackerangriff Hetzschriften mit judenfeindlichem Inhalt gedruckt (Symbolfoto).
Netzwerkdrucker und Kopierer an deutschen Unis haben nach einem Hackerangriff Hetzschriften mit judenfeindlichem Inhalt gedruckt (Symbolfoto).
Foto: Imago
Hacker haben mehrere Unis angegriffen. In Tübingen, Hamburg, Koblenz, Landau und Nürnberg druckten Kopierer antisemitische Flyer aus.

Tübingen/Hamburg/Berlin..  Wie von Geisterhand fängt der Drucker an zu arbeiten und spuckt wirre Pamphlete mit antisemitischem, rassistischem Inhalt aus. Mehrere Universitäten in Deutschland sind Opfer eines Hackerangriffs geworden.

Betroffen waren am Mittwoch unter anderem Netzwerkdrucker und Kopierer der Universität Tübingen, bestätigte Universitätssprecher Karl Rijkhoek auf Anfrage unserer Redaktion. Auch die Universität Hamburg, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Uni Koblenz-Landau bestätigten ähnliche Vorfälle. Hackerangriffe soll es zudem an der TU Darmstadt gegeben haben. Die Hochschule bestätigte den Angriff bislang nicht.

Flyer strotzt vor konfuser Hetze gegen Juden und Fremde

Der Flyer, der unserer Redaktion vorliegt, trägt die Überschrift „Europa, erwache!“. In wirren Sätzen ist im Text immer wieder die Rede von der Bedrohung der „weißen Rasse“. Gehetzt wird gegen Juden und „feindselige Fremde“.

Mitarbeitern der Uni Tübingen fielen die Hetzschriften zuerst am Mittwochvormittag auf, sagt Rijkhoek. Sie seien „völlig irritiert“ gewesen. Mehrere Mitarbeiter hätten die Vorfälle im Laufe des Tages im Hochschulrechenzentrum, in der Rechtsabteilung sowie in der Pressestelle gemeldet. Insgesamt zählt die Uni Tübingen etwa 190 Ausdrucke, manche Drucker seien mehrfach angesteuert worden.

Rektor der Uni Tübingen will Anzeige stellen

„Einen vollständigen Überblick haben wir leider noch nicht, das sind nur die vorläufigen Zahlen“, sagt Rijkhoek. Die Universitätsmitarbeiter wurden in einer Rundmail über den Hackerangriff informiert. Sie sind angehalten, entsprechende Ausdrucke mit Angaben zum Zeitpunkt und zum Druckerstandort an die Rechtsabteilung zu melden. Momentan arbeite das Rechenzentrum daran, die Sicherheitslücke zu schließen.

Der Rektor der Universität, Bernd Engler, will Anzeige bei der Polizei erstatten. Die Uni Koblenz-Landau, deren zwei Standorte betroffen waren, sowie die Uni Hamburg haben bereits Strafanzeige gestellt. In Hamburg seien insgesamt zehn Systeme gehackt worden, teilte die Hochschule mit. Auch die Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen hat den Fall dem Staatsschutz gemeldet, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Der Hackangriff erinnert an einen ähnlichen Fall in den USA. An mehreren Colleges, darunter etwa Maryland und die Elite-Universität Princeton, aber auch an anderen akademischen und schulischen Einrichtungen in Kalifornien, Illinois, Massachusetts und New Jersey druckten Netzwerkkopierer rassistische, antisemitische Flyer aus. Unter anderem hatte die „Washington Post“ Ende März darüber berichtet. Auf den Flyern seien zwei Hakenkreuze sowie die Internetadresse einer Neonazi-Seite aufgedruckt gewesen. In dem Flyer-Text seien dem Bericht zufolge Juden angegriffen und „der weiße Mann“ dazu aufgerufen worden, sich am „Kampf für die weiße Überlegenheit“ zu beteiligen. In den USA hatte sich ein polizeibekannter, rassistischer Hacker zu dem Angriff bekannt.

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