Guido Maria Kretschmer im Interview: „Ich wünsche Frau Kramp-Karrenbauer, dass sie mal zwei schwule Söhne bekommt“

Guido Maria Kretschmer spricht im Interview darüber, wie es dazu gekommen ist, dass gerade er „Shopping Queen“- Moderator wurde – und welche Pläne er für den Rest des Jahres schmiedet.
Guido Maria Kretschmer spricht im Interview darüber, wie es dazu gekommen ist, dass gerade er „Shopping Queen“- Moderator wurde – und welche Pläne er für den Rest des Jahres schmiedet.
Foto: Jeff Guillaume Hackbarth
  • Im Interview mit unserer Redaktion spricht Guido Maria Kretschmer über die Homo-Ehe, Annegret Kramp-Karrenbauer und den Beginn seiner Fernsehkarriere
  • Und: Der Star-Designer nimmt das Outfit unserer Autorin unter die Lupe

Köln. Guido Maria Kretschmer ist ein besonderer Interviewpartner. Mehr als sonst mache ich mir Gedanken darüber, was ich zum Termin anziehe. Schon Stunden vorher stehe ich vor meinem Kleiderschrank und frage mich immer wieder: Soll ich dieses Outfit anziehen? Was sagt dieser Look über mich aus? Immer wieder überlege ich, ob dem Mann, der für viele Frauen schlicht ihr „Guido“ ist, zu meinem Outfit einer von seinen gewitzten Kommentaren einfällt.

Guido Maria Kretschmer (53) ist ein Allround-Talent. Der Mode- und Möbeldesigner ist mittlerweile auch Autor und Herausgeber seiner eigenen Zeitschrift „Guido.“

Gespannt warte ich auf der Internationalen Möbel-Messe in Köln auf den Star-Designer: Bislang war er mir ja immer sympathisch - hoffentlich ist er das nach der Stilkritik immer noch.

Dann kommt er nach einer kurzen Wartezeit schon um die Ecke und mein kleiner „Shopping Queen“-Moment beginnt.

Redaktion: Wir kennen Sie in erster Linie aus „Shopping Queen“ und finden Ihr Urteil über die Outfits der Kandidatinnen spannend und unterhaltsam – wie finden Sie denn mein Outfit?

Guido Maria Kretschmer: Viele Mädchen würden sofort sagen, das ist aber ein toller Look und es hat so einen Burberry-Moment. Es ist ja erstaunlich, das gerade dieses Muster so eine Kraft hat. Man denkt sofort, das ist Burberry, auch wenn es das nicht ist - (Anmerkung der Autorin: Es ist tatsächlich Burberry, ein Flohmarkt-Schnäppchen. Aber wer traut sich schon, Guido Maria Kretschmer ins Wort zu fallen?) - es ist ja im Grunde alles so gemacht und dazu dieses grün, das macht dieses englische und man denkt: das könnte auch Kate Middleton tragen. Und ich finde, dass dir das auch so gut steht wie Kate Middleton. Auch mit den Haaren passt das gut zusammen.

Erleichterung, vielen Dank - zum Glück haben Sie nicht gesagt: „Das tut nichts für dich!“

Nee, das tut auf jeden Fall was für dich (lacht). Du könntest so auch wunderbar mit Prinz Charles ausgehen und ein Pferd dabeihaben UND einen Hund, vielleicht auch Range Rover fahren.

Vielen Dank! Sie schaffen es immer Kritik an Outfits positiv zu verpacken. Wie bekommen Sie das so hin?

Worte können verletzen und dir ewig im Gedächtnis bleiben. Und ich weiß selber, wenn mir jemand einmal etwas sagt, das mich wirklich verletzen würde, dann würde mir das auch bleiben. Ich bin wie ein offenes Buch, in das man reinschreiben kann.

Ich weiß, dass das nie wieder weggeht, wenn einer sagt: „Guck mal die mit dem dicken Hintern“ - oder so. Das Problem ist auch, das auf eine humorvolle Art und Weise zu sagen. Ich probiere, nicht zu verletzen und mich so auszudrücken, dass es irgendwie konstruktiv ist, das gelingt mir aber auch nicht immer.

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Sie sind bei Shopping Queen ein wahnsinniger Sympathieträger. Die Teilnehmer, überwiegend Frauen, lieben Sie und wollen Ihre Meinung hören. Wie fühlt sich das an?

Ich empfinde das eigentlich gar nicht so. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon mein ganzes Leben ein sehr„frauenaffines Leben“ geführt habe. Denn ich habe Frauen auch so viel zu verdanken. Die wichtigsten Momente meines Lebens haben mir Frauen gegeben und die gescheitesten Sätze habe ich von Frauen gelernt.

Meine Mutter, meine Oma, meine Schwester, sie waren alle Lehrerinnen und große Bezugspersonen. Deswegen bin ich nah bei Frauen, Frauen sind toll! Ich mag die und ich will, dass die Mädels alles machen können. Ich bin nahezu eine Emanze, denke ich mir manchmal. (lacht)

Mit „Shopping Queen“ sind Sie enorm bekannt geworden. Die Sendung läuft seit mehr als sechs Jahren. Wissen Sie noch, wieso Sie das Format so spannend fanden?

Das war gar nicht so, dass ich unbedingt mitmachen wollte! Der Sender hatte sich überlegt, wer es moderieren könnte und hat dann an mich gedacht. Letztendlich kamen sie dann auf mich zu. Als ich das Angebot erhielt, war ich gerade bei meinen Eltern.

Ich sagte: „Mama stell dir das mal vor, die wollen ein Programm mit mir machen.“ Sie sagte: „Das musst du unbedingt machen, das ist genau dein Ding!“ Ich hab ja schon als Kind immer alles kommentiert. Zuerst hatte der Sender vor, mehrere Moderatoren zu nehmen. Nach einer Probe hat der Sender mich sofort genommen.. Und dann war es meine eigene Sendung, so lief das.

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Sie haben im September 2018 ihren Partner auf Sylt geheiratet, das war ein großes Fest. Denken Sie noch oft daran oder ist Ihr Alltag dafür zu schnelllebig?

Nein, nein, wir haben das wirklich mit Liebe getan und das war so ein wunderschönes Fest! Noch heute werde ich auf der Straße darauf angesprochen. Gerade wenn ich auf Sylt bin, mit meinem Frank. Dann halten Leute an und umarmen uns, machen Fotos und freuen sich. Ne, das ist ein großes Glück in meinem Leben gewesen und ich sag ja auch immer: Vielen Dank Deutschland, dass das geht.

Was würden Sie den Kritikern der Homo-Ehe gerne sagen?

Ich kann nur allen, wie zum Beispiel bei Frau Kramp-Karrenbauer, die ja auch dagegen ist, sagen: Was ist das für ein Wahnsinn! Homosexualität ist doch kein Ausbildungsberuf. Man sucht sich das nicht aus. Und wenn man anständig lebt, wieso soll ich nicht die Chance haben, dass ich allen zeigen kann, dass Frank und ich zusammengehören?

Haben Ihre Fans Sie zu der Hochzeit mit ihrem Partner ermutigt?

Ich habe einen Brief bekommen, von einem älteren Herrn und das hat mir so das Herz gebrochen. Der hat sich früher so geschämt für seinen Enkelsohn - das war sein Lieblingsenkelsohn und auf einmal war der schwul.

Und als die Homo-Ehe dann eingeführt wurde, hat er mir geschrieben: „Ich würde mich so freuen, wenn sie das machen würden, denn Sie waren immer ein großes Vorbild für meinen Enkel. Ich hätte das vor zehn Jahren anders gesehen, aber jetzt bitte ich Sie, dass sie das tun, weil ich will, dass dieser Junge genauso wie Sie gut durchs Leben kommt.“

Der Brief hat mich so berührt, mir sind die Tränen gekommen. Dann habe ich Frank den Brief gezeigt und dann hat er gesagt: „Ja wir machen es.“ Wir brauchen Vorbilder und es gibt ja gar nicht so viele in Deutschland. Wer ist denn schwul und erfolgreich und lebt das so offensiv?

Anne Will könnte so ein Vorbild sein, weil sie ihre Partnerin 2016 geheiratet hat.

Ja, so ganz offensiv gibt es nicht viele Beispiele. Dabei ist es toll für jeden der es macht. Ich hab mich immer als der Teil der Gesellschaft empfunden, als Teil der Solidargemeinschaft. Und ich zahle auch gerne mehr Geld und will auch gar nicht die gleiche Steuerklasse wie die anderen, es geht mir gar nicht darum, Geld zu sparen.

Es geht mir darum, dass ich die Chance habe zu sagen, das ist mein Mensch, der mit mir lebt. Ich finde es auch nicht toll, dass Kinder geschlagen werden und das viele Menschen und Hunde und andere Tiere schlecht behandeln. Was gibt es alles für Möglichkeiten, Kinder wachsen schlecht auf und das ist ja kein Garant dafür, dass das Leben gut läuft, nur weil Mann und Frau sich treffen.

Was genau ist Ihnen an der Ehe mit ihrem Mann so wichtig?

Ich glaube es geht darum, dass man Liebesverbindungen schützt. Dass man, wenn Menschen gemeinsam durchs Leben gehen, dass die geschützt werden. Und es ist mir unbegreiflich, wie man sich heute hinstellen kann und das sagen kann, die Ehe zwischen Mann und Frau ist heilig. Es wird doch keinem etwas genommen, es wird nur Menschen etwas geschenkt. Ich habe nichts gegen Frau Kramp-Karrenbauer, aber ich wünsche ihr sehr, dass sie mal zwei schwule Söhne bekommt, das wäre mein größter Traum. Dann würde sie spüren, was das mit einem macht, wenn der Sohn darum bittet, heiraten zu können.

+++SPD: „Kramp-Karrenbauer setzt Homo-Ehe mit Inzucht gleich“+++

Guido Maria Kretschmer spielt auf Annegret Kramp Karrenbauers grundsätzlich ablehnende Haltung zur Homo-Ehe an. In einem Interview hatte die CDU-Parteivorsitzende die Homo-Ehe 2015 mit Inzest und Polygamie gleichgesetzt. Vor drei Jahren hatte sie der Saarbrücker Zeitung gesagt: „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“

Dafür hatte Anngret Kramp-Karrenbauer viel Kritik und eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung bekommen. Für Kramp-Karrenbauer ist die Ehe an die biologische Fortpflanzung gebunden. Bei ihrer ablehnenden Position gegenüber der „Ehe für Alle“ ist Kramp-Karrenbauer bis heute geblieben, auch bei Maybrit Illner bekräftigte sie ihre Haltung wieder. 2017 wurde die Ehe für Alle in Deutschland eingeführt.

War das aus diesem Grund für Sie ernüchternd, dass Frau Kramp-Karrenbauer den CDU-Parteisitz nun übernimmt?

Nein, nein, das nicht. Ich habe auch nichts gegen die Frau.

Wäre Jens Spahn für Sie als schwuler Mann ein klareres Zeichen an die Community gewesen?

Niemand muss das machen, nur weil er schwul ist. Ich gönne Annegret Kramp-Karrenbauer das von Herzen. Es wäre mir auch andernfalls egal gewesen, die können machen was sie wollen - alle.

Wie beurteilen Sie Annegret-Kramp-Karrenbauers Haltung?

Ich fand es nur erstaunlich, dass sie so denkt. Dann ist sie nicht die, die an meiner Seite stehen könnte. Sie ist dann niemand, den ich unterstützen könnte, da frage ich mich was das soll und warum man das tut! Schließlich wird Annegret Kramp-Karrenbauer nichts genommen. Sie könnte sich eher freuen, dass es so viele gibt in diesem Land, die aufpassen, die die Fahne für Demokratie, für Anstand und solche Dinge hochhalten und ich finde, die Ehe für Alle ist eine Errungenschaft von Menschlichkeit.

Gerade für eine christliche Partei. Deswegen ist mir diese Aussage unbegreiflich, ich wünsche ihr alles Gute, toi toi toi kann ich nur sagen. Aber ich fand das trotzdem blöd, weil sie das ja auch immer wieder wiederholt hat. Sie bleibt ja dabei. Sie hat ja nicht gesagt: Gut, ich hab mich da etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Deswegen hoffe ich sehr, dass das nicht Schule macht.

Haben Sie für 2019 neue TV-Pläne?

Ja, ich mache eine neue Vox-Sendung, ab März. Die Castingshow heißt: „Guidos Masterclass“. Eine große und teuer produzierte Sendung. Es geht um junge Designer, von europäischen Modeschulen, die die Chance haben, wirklich bekannt zu werden. Das ist ein tolles Format!

Es geht darum, wie Mode eigentlich entsteht und die Teilnehmer haben die Möglichkeit, wirklich bekannt zu werden. Tolle junge Leute nehmen teil, die Designer bekommen auch eine Plattform und können Karriere machen.

Auch mit meinem neuen Magazin („Guido“) bin ich glücklich, ich bin ja ein großer Print-Fan! Das ist eine andere Art des Lesens, ich bin als Designer sehr abhängig von Papier. Ich mag zwar auch elektronische Dinge, aber es tut mir gut, ein Magazin zu haben. Dafür musste ich vieles absagen, auch den Opernball musste ich dieses Jahr canceln. Aber ich musste dafür Zeit haben.

Und wie sieht es mit Ihren privaten Plänen aus?

Ich will mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen. Ich merke, dass sie immer älter werden und will die Zeit mit ihnen nicht verlieren. Wenn Eltern zeigen, dass sie alt werden, muss man auf sie zugehen. Ich will da nichts verpassen!

Guido Maria Kretschmer hat kurz nach dem Interview seinen TV-Vertrag für „Shopping Queen“ bei Vox um weitere drei Jahre verlängert. 2019 sind Specials zur Sendung geplant. Eine „Shopping Queen“ soll auch auf Sylt und in de Schweiz auserkoren werden. Außerdem wollen Guido Maria Kretschmer und Vox mal kleinere Städte anfahren, die noch nie dabei waren.

++„Shopping Queen“: Kandidatin bekommt 500 Euro – was sie davon kauft, schockiert Guido Maria Kretschmer zutiefst++

 
 

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