Gruppenvergewaltigung löst Demonstrationen in Freiburg aus

Büsche und Bäume hinter der Diskothek: Hier soll eine 18-Jährige von einer Gruppe junger Männer vergewaltigt worden sein.
Büsche und Bäume hinter der Diskothek: Hier soll eine 18-Jährige von einer Gruppe junger Männer vergewaltigt worden sein.
Foto: Patrick Seeger / dpa
Mehrere Männer vergewaltigten eine 18-Jährige. Acht Verdächtige sitzen bisher in U-Haft. Gegen einen lag bereits ein Haftbefehl vor.

Berlin.  Nach der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg am 14. Oktober ist am Dienstag bekannt geworden, dass gegen einen der Verdächtigen seit dem 10. Oktober ein Haftbefehl vorlag.

Er habe nicht vollstreckt werden können, weil der Aufenthaltsort des Mannes nicht bekannt war. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Am 21. Oktober sei der Verdächtige schließlich verhaftet worden. Der Anlass für den ersten Haftbefehl nannte die Polizei nicht.

Polizei hält Informationen bewusst zurück – Freitag neue Erkenntnisse

Zuvor hatte das Innenministerium zwar bereits mitgeteilt, dass ein Verdächtiger per Haftbefehl gesucht worden war. Warum – und wieso dieser noch nicht vollstreckt worden war, hatten die Behörden aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht gesagt.

Möglicherweise gibt es dazu am Freitag weitere Erkenntnisse – die Polizei und die Staatsanwaltschaft Freiburg haben gemeinsam mit der Kriminalpolizeidirektion für den Vormittag zu einer Pressekonferenz geladen. Dabei soll das derzeitige Vorgehen der Ermittlungsgruppe „Club“ dargestellt werden.

Mehrere Männer hatten 18-Jährige vergewaltigt

Nach einem Disco-Besuch war die 18-Jährige in Freiburg von mehreren Männern vergewaltigt worden. Später hatte sie die Tat der Polizei gemeldet. Die Behörde wertet noch immer Spuren aus und sucht nach weiteren Verdächtigen. Acht Männer wurden inzwischen in Untersuchungshaft genommen – inklusive dem bereits zuvor per Haftbefehl Gesuchten.

Der mutmaßliche Haupttäter, ein laut „Bild.de“ 22 Jahre alter Syrer, soll die Frau vor der Tat in der Disco kennengelernt und ihr ein Getränk, möglicherweise mit K.O.-Tropfen vermischt, gegeben haben. Gegen Mitternacht verließen die beiden nach Angaben der Polizei die Disco.

Nach der Tat waren die beteiligten Männer zunächst geflüchtet, die Polizei hatte keine Spur. Körperspuren, die an der jungen Frau gefunden wurden, Vernehmungen und auch verdeckte Maßnahmen führten die Beamten schließlich zu den inzwischen Festgenommenen.

Sieben Syrer, ein Deutscher festgenommen

Von den Männern, die unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft sitzen, sind sieben aus Syrien. Sie sind zwischen 19 bis 29 Jahre alt. Der achte ist nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ein 25 Jahre alter Deutscher.

Die Tatverdächtigen seien der Polizei wegen anderer Straftaten bereits bekannt, sagte eine Polizeisprecherin. Die meisten von ihnen lebten in Flüchtlingsunterkünften in und um Freiburg. Ob sie sich zu den Vorwürfen geäußert haben, wollten die Ermittler zunächst nicht sagen.

Laut Polizei ist es möglich, dass es noch weitere Täter gibt. Nach Angaben der „Bild“ vom Samstag sollen an der Gruppenvergewaltigung bis zu 15 Personen beteiligt gewesen sein. Zu diesem Zweck werden Körperspuren, die am Tatort gefunden wurden, untersucht. Eine 13-köpfige Ermittlungsgruppe arbeite mit dem Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart auf Hochtouren. Die Beamten hoffen zudem auf Hinweise aus der Bevölkerung.

AfD rief zur Versammlung auf

Die rechtspopulistische AfD hatte in Folge der Geschehnisse für Montagabend zu einer Versammlung aufgerufen. Nach Angaben der Polizei folgten etwa 300 bis 500 Menschen dem Aufruf. Die Anzahl der Gegendemonstranten wurde auf mindestens 1500 geschätzt.

Der Aufzug der AfD wurde mehrmals durch Gegendemonstranten kurzzeitig aufgehalten. In einem Fall musste die Polizei Pfefferspray einsetzen.

Freiburger Oberbürgermeister deaktiviert Twitter-Account nach Drohungen

Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) hat nach Anfeindungen im Internet in Folge des Falls seine Accounts auf Twitter und Instagram deaktiviert. Den OB hatten in den sozialen Medien so viele Beleidigungen und Morddrohungen erreicht, dass die Masse an Nachrichten nicht mehr zu bewältigen gewesen sei, sagte eine Sprecherin am Mittwoch.

Zuvor hatte Martin Horn die Tat verurteilt, gleichzeitig aber auch vor vorschnellen Urteilen gewarnt. Für Straftäter dürfe es keine Toleranz geben, Straftaten wie diese dürften aber nicht dazu dienen, Flüchtlinge pauschal zu verurteilen. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Migranten verhalte sich gesetzestreu.

Ziel müsse es sein, Freiburg gemeinsam mit der Polizei sicherer zu machen. Erste Maßnahmen wie erhöhte Polizeipräsenz sowie eine bessere Beleuchtung an Straßen und Wegen zeigten bereits Wirkung.

In Freiburg war bereits nach dem Mordfall Maria aus dem Oktober 2016 eine Debatte um kriminelle Flüchtlinge entbrannt. Damals hatte der aus Afghanistan stammende Flüchtling Hussein K. die 19-jährige Studentin Maria L. nachts überfallen, vergewaltigt und bewusstlos im Uferbereich der Dreisam zurückgelassen, wo sie ertrank. Im März wurde Hussein K. wegen Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt.

Dunja Hayali: „Es muss etwas passieren“

Wegen des Falls hat ZDF-Moderatorin Dunja Hayali am Sonntag in einem ausführlichen Facebook-Post eine neue und offene Debatte um Asyl- und Abschieberecht gefordert.

Hayali schreibt unter anderem: „Dass Abschiebeverfahren zu lange dauern, dass sie aus 1000 Gründen rechtlich nicht umgesetzt werden (können) und auch Weiteres in diesem Zusammenhang kann ja kein Ist-Zustand bleiben! Was also braucht es? Braucht es eine Verschärfung bzw. eine Veränderung unserer Abschieberegeln und Verfahren? Das würde ziemlich sicher eine Grundgesetzänderung mit sich bringen – was aber in diesem Zusammenhang nicht tabu sein darf. Ich kann nicht beurteilen, ob das geht, ob das was bringen würde, aber es muss etwas passieren.“

Die Forderung wolle sie allerdings nicht verstanden wissen als fremdenfeindliches Statement. „Man kann sowohl Dinge, die schieflaufen, kritisieren und anprangern, als auch weiterhin für eine offene, tolerante, hilfsbereite Gesellschaft sein. Es ist nicht alles „entweder-oder“ oder „schwarz-weiß“, schreibt Hayali.

(ba/sdo/ses/dpa)

 
 

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