Grundschullehrer kapitulieren vor ihren Schülern – und senden diesen verzweifelten Hilferuf

Unterricht ist in einer Grundschule in Osterwieck in Sachsen-Anhalt offenbar kaum noch möglich (Symbolbild).
Unterricht ist in einer Grundschule in Osterwieck in Sachsen-Anhalt offenbar kaum noch möglich (Symbolbild).
Foto: Daniel Karmann / Daniel Karmann/dpa
Grundschullehrer in Sachsen-Anhalt sind verzweifelt, weil Kinder prügeln und schwänzen. In einem Eltern-Brief bitten sie um Hilfe.

Osterwieck.  Sie prügeln sich auf dem Schulhof, schwänzen den Unterricht, sind frech. Die Schüler der Grundschule „Aue-Fallstein“ in der Stadt Osterwieck in Sachsen-Anhalt treiben ihre Lehrer mit ihrem Verhalten offenbar an den Rand des Wahnsinns. Alle Versuche, die Kinder unter Kontrolle zu bekommen, scheiterten bisher.

Deshalb schrieb der gesamte Lehrkörper laut der lokalen Tageszeitung „Volksstimme“ einen offenen Brief an die Eltern – und bittet darin um Hilfe. Die Liste der Vergehen ist lang, wie die Lehrer in dem Brief deutlich machen: „Die Problematik äußert sich im Unterrichts- und Pausengeschehen in extremer körperlicher Gewalt, Körperverletzungen anderer Schüler, dem Nichteinhalten bekannter Verhaltensregeln oder durch Nichtkenntnis von Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs, Sabotage des Unterrichts durch permanente Störungen und Schlägereien, unerlaubtes Verlassen des Unterrichts, Sabotage des Unterricht durch Nichterscheinen zum Unterricht oder durch Verstecken auf dem Schulgelände“.

Grundschullehrer stehen vor Dilemma

Wohl bemerkt: Es handelt sich hier um Kinder, die in der Mehrheit kaum älter als elf Jahre sein können! Es soll sogar zu Attacken gegen Mitschüler im Schulbus gekommen sein. Eltern seien der Aufforderung, nach einem solchen Vorfall ihr Kind von der Schule abzuholen, nicht nachgekommen.

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Vonseiten der Eltern bekommen die Lehrer bisher allgemein wenig Unterstützung, deshalb wohl auch der Brief. Vor allem falls kleine Kinder das Schulgelände verlassen, stehen die Lehrer vor einem Dilemma: Entweder bleiben sie im Klassenzimmer und lassen das Kind alleine, oder sie suchen es und verletzen damit ihre Aufsichtspflicht der restlichen Klasse gegenüber.

Damit soll nun Schluss sein. Die Lehrkräfte wollen hart durchgreifen. Das kündigen sie in ihrem Schreiben zumindest an: Eltern sollen ihre Kinder fortan nach Verstößen sofort von der Schule abholen. Auch sollen die Grundschüler bei schwereren Vergehen bis zu fünf Tage vom Unterricht suspendiert werden.

Lehrer kündigen Maßnahmen an

Sollte es künftig wieder zu Körperverletzungen kommen, werden die Polizei und der Rettungsdienst eingeschaltet. Auch falls ein Kind die Schule verlässt, wird die Polizei alarmiert. Sowohl dem Landesschulamt als auch der Polizei sind die Probleme an der Grundschule bereits bekannt.

Es sei „eine Ursachenanalyse notwendig“, kommentiert Silke Stadör, Sprecherin des Landesschulamtes, die Situation gegenüber der „Volksstimme“. Den verzweifelten Lehrkräften werde zudem bald eine Fortbildung durch Mitarbeiter der Förderschule für Ausgleichsklassen in Wasserleben angeboten. (leve)

 
 

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