„Große Fische, kleine Fische“ im ZDF bietet originelle Typen

Haben sich nichts zu sagen: Paul (Uwe Ochsenknecht, l.) und Fiete (Dietmar Bär, r.) bewachen gemeinsam ihren Fischkutter.
Haben sich nichts zu sagen: Paul (Uwe Ochsenknecht, l.) und Fiete (Dietmar Bär, r.) bewachen gemeinsam ihren Fischkutter.
Foto: Conny Klein
Uwe Ochsenknecht und Dietmar Bär beharken sich in „Große Fische, kleine Fische“. Der ZDF-Film beschert einen angenehm entschleunigten Fernsehabend.

Mainz.. In diesem Fischernest in McPom dösen sogar die Krabben auf dem Asphalt. Droht ja allenfalls das alte Moped von Fischer Fiete, das im Fußgängertempo durchs Dorf knattert. Mit der Beschaulichkeit ist es allerdings bald vorbei: Der Bürgermeister will die Urlauber herlotsen, und zwei olle Sturköpfe geraten sich mächtig in die Haare. Uwe Ochsenknecht und Dietmar Bär sind’s, die der ZDF-Komödie „Große Fische, kleine Fische“ als brummige Vögel ihren Stempel aufdrücken und dem Publikum einen angenehm entschleunigten Fernsehabend bescheren.

Dietmar Bär und Uwe Ochsenknecht teilen ein Teetdach

Alte Kumpel zur See sind sie, Paul (Ochsenknecht) und Fiete (Bär), und fast genauso alt ist der Kahn, mit dem sie tagtäglich fischen gehen. Sie teilen das gemeinsame Reetdach, linke Haushälfte Fiete, rechte Haushälfte Paul. Autor und Regisseur Jochen Alexander Freydank verschafft ihnen genug Raum, um ihre Eigenbrödlereien auszuleben, und die Herren haben Spaß am Spiel, es ist ein dankbarer Job.

Wenn die beiden oft sekundenlang stumm nebeneinanderhocken, ohne die geringste Regung im Gesicht, ehe Paul irgendein Fluch entfleucht, den sein Freund unkommentiert lässt, weil er kaum zehn Sätze am Tag sagt, dann ist das nicht nur recht witzig, sondern gibt auch schon das Tempo des Films vor: ganz gemächlich eben. Und wenn die Kneipenbesucher mal wieder wie im Asterix-Dorf zur Massenprügelei über Tische und Bänke ansetzen, bleiben Paul und Fiete völlig entspannt sitzen.

"Große Fische, kleine Fische" mit knarziger Katharina Thalbach

Flankiert werden die beiden Fischköppe von einem Häuflein (ein bisschen zu) schrullig geratener Figuren, die mit ihren Kommentaren zum Dorfgeschehen schon an den traditionellen Chor im griechischen Drama erinnern. Allen voran die wunderbar knarzige Katharina Thalbach in Gummistiefeln. Jürgen Tarrach muss als großkotziger Bürgermeister mit Halstuch, weißem Anzug und großen Plänen zwar eine Witzfigur abgeben, zieht sich aber dabei auch ganz ordentlich aus der Affäre.

Alles könnte so sein wie immer, wenn Paul nicht unmittelbar nach dem Tod seiner geliebten Lily erfahren müsste, dass der vermeintlich gemeinsame Sohn Piet (Axel Stein) einen anderen Vater hat: Fiete. Wie sich zwei Männer, die ei­gentlich nie reden, nun gegenseitig mit Sabotageakten überziehen, nachdem sie sich bei Lilys Beerdigung erstmal vermöbelt haben, das schafft ein paar erheiternde Momente, ohne dass Bär/Ochsenknecht sich je in die Komikklasse vom Lemmon/Matthau oder Laurel/Hardy hocharbeiten könnten.

Die entschleunigte Dorfkomödie zieht sich am Ende in die Länge

Eine eingebaute Liebesgeschichte mit Piet und der Jugendfreundin, die er einst zurückließ, um in die Welt zu ziehen, verläuft ebenso trivial wie vorhersehbar. Hätte man sich sparen sollen. Am Ende muss ein heraufziehender Orkan einen Hauch von Dramatik in die Geschichte pusten. Denn der geht beim Weg Richtung Ziellinie doch spürbar die Luft aus.

Fazit: Originelle Typen, sympathischer Humor, gute Schauspieler, ein paar nette Einfälle: Leider zieht sich diese entschleunigte Dorfkomödie am Ende allzu sehr in die Länge.

ZDF, Donnerstag, 21.5.2015, 20.15 Uhr

EURE FAVORITEN